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Mr. Oizo

»Lamb's Anger«

Quentin Dupieux ist ein Genie. Wer das anders sieht, hört heimlich Pur. Allein für “Flat Beat” hätte er 1998 direkt das Bundesverdienstkreuz (gibt’s so was in Frankreich?) verdient. Wer bereits vor einem Jahrzehnt die wichtigsten Ingredienzien des heutigen Stands der Kunst zu einem weltweiten Nummer-Eins-Hit kombiniert hat, dem stünde es zu, nie wieder zu arbeiten.

Genau das tut unser Schnurrbart glücklicherweise aber weiterhin. “Lamb’s Anger” ist Oizos drittes Album, das erste für Ed Banger. Wer schon immer wissen wollte, was passieren würde, wenn Monsieur Dupieux nicht existieren und man Smith N Hack, Squarepusher + Justice in einem französischen Kaff aussetzen und ihnen nur Free Jazz Platten, sowie cheesige Disco 7“s in die Hand drücken würde: Gestatten, “Lamb’s Anger” mein Name.

“Hun” begrüßt uns mit Oizos Signature-Cut Ups, “W”, “Blind Concerto”, “Z” und “Rank” muten beinahe cineastisch an, “Positif”, “Purriture 2 & 7”, “Error Jean” (mit Berlins Frickelchef Errorsmith als Gast) und “Bruce Willis is dead” zitieren Rave-Standards und führen sie simultan ad absurdum. “Steroids” (mit einer erträglichen Uffie an den Vocals) verbindet die Ästhetik von “Analog Worms Attack” mit dem aktuell regierenden Minimalismus in Nordamerikas Hip Hop Landschaft. Auf “Cut Dick” und dem Rob Base & DJ E-Z Rock Remake “It takes two” reanimiert Dupieux die discoide Funkiness seines letztjährigen Saxofon-Geniestreichs “Patrick 122”, bevor “Gay Dentists” das gesamte Dupieux’sche Universum in furiosen 3,5 Minuten zusammenfasst.

Für das obligatorische Ohrenbluten und epileptische Anfälle sorgt das kurze Titel-Skit, aber insgesamt gibt sich Oizo hier im Vergleich zum extrem sperrigen Vorgänger “Moustache: Half a Scissor” für seine Verhältnisse fast schon zugänglich, ohne jemals berechen- oder gar austauschbar zu werden. Eine eindrucksvolle Expertise elektronischer Produktionskunst, virtuos ohne schnöselig zu wirken.

Florian Aigner

‘Lamb’s Anger’ im HHV-Shop