spacer
spacer spacer

TV On The Radio

»Dear Science«

Was soll man nach einem Hammer wie “Return to Cookie Mountain” von Tv On The Radio erwarten können? Der herbeigesehnte Nachfolger des 2006er Albums steht nun mit “Dear Science” schon äußerlich schlichter und einfacher da. Doch so einfach machen es sich die New Yorker dann eben nicht. Zwar wird die unglaubliche Komplexität des Vorgängers ein wenig reduziert, doch bleibt auch dieses Album ein wunderbar allumfassendes Werk. Querschläge in die meisten gängigen Genres, Soundballustraden und Klangteppiche wurden nicht aufgegeben.
Der Opener “Halfway Home” macht da scheinbar spielerisch eine Tür auf, die den Blick auf eine weite Klangebene freigibt. Die stimmige, jedoch düstere Intonierung ist in jedem Fall jetzt schon auf dem Weg zum Klassiker. Ein wenig verspielter und lebensfreudiger kommt dann schon “Crying” daher. Dezent funkige Gitarren legen sich hinter den säufzenden Gesang. Der Rundumschlag macht als nächstes vor Hip Hop halt und komischerweise klingt das Alles nicht einmal aufgesetzt oder gewollt. Tv On The Radio oszillieren ständig und werden so sehr kunstvoll zu etwas nicht Greifbarem. Die Ballade “Family Tree” klingt dann etwas nach einer Bloc Party-Ballade, fast zu einfach für diese Band.
Insgesamt machen TOTR klar, dass hier eben nicht ein gelungenes Werk 2006 veröffentlicht wurde und nun an der Weiterentwicklung geschraubt wird. Diese Band scheint mit “Dear Science” einfach ihre komplexen Soundstrukturen in alle Genres übersetzt zu haben und doch bleiben sie hörbar und nicht verkünstelt. Es ist anders, düsterer, melancholischer. Aber eben auch mit einer sehr angenehmen Ambivalenz überzogen, bei weitem kein suizidöses Werk. Mit “Lover´s Day” schließt das Album dann in gewohnt sicherer Art und Weise. Es fühlt sich gut an. Ein Herbst-Album ohne Zukunftsangst.

Daniel von der Vring

‘Dear Science’ im HHV-Shop