|
|
»WLIB AM: King of the Wigflip«
|
Es ist selten clever, sich von einem Album bereits lange vor der Veröffentlichung völlig meschugge machen zu lassen. Seit ich vor gut und gerne zwei Jahren diesen Urlaubsschnappschuss sah, auf dem Madlib einen CD-Rohling mit der Aufschrift “Madlib BBE Side A+B” in die Kamera hält, will ich dieses Album mehr als Frieden im Nahen Osten. Warum? Weil alles so schön passte. Madlib würde beenden was sein Bruder im Geiste 2001 mit “Welcome 2 Detroit” begonnen hatte. Weil Madlib noch nie ein Produzenten-Album im klassischen Sinne gemacht hat. Weil ich mir schuldbewusst sogar Free Jazz-Demos von Herrn Jackson anhöre und mir selbst bei diesen noch einrede, meine Zeit nicht verschwendet zu haben.
Nach Jahren der Überstilisierung ist es nun soweit: “WLIB AM: King of the Wigflip” steht in den Läden. Und ich bin, oder besser war, ratlos. This is it? Offbeat-Soul von Frau Muldrow, ein überforderter Defari auf einem slicken Slap-Bass und Ausschuss aus den Recording Sessions mit Kweli, Oh No und MED? So richtig klicken wollten auf Anhieb eigentlich nur die als Interludes eingewobenen, gewohnt versponnenen Beat Konducta Instrumentals und die beiden Guilty Simpson Auftritte. Erwartungshaltung still is a bitch.
Aber irgendwann machte das alles Sinn. Aus einem biederen Kweli-Vers wurde eine bewegende Ballade, “Drinks up” zur logischen Weiterentwicklung von “Pause” und Stacy Epps zu Nina Simone. Je ne sais pas warum. Irgendwie hat er mich einfach wieder gekriegt, der Teufelskerl. Aber nächstes Mal will ich trotzdem Big Daddy Kane, Fontella Bass und David Axelrod statt MED, Defari und Roc C auf der Gästeliste sehen. Menno.
Florian Aigner
‘WLIB AM: King of the Wigflip’ im HHV-Shop
|