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SebastiAn

»Remixes«

SebastiAn hat sich den Arsch abgeremixt in den vergangenen drei Jahren. Gut, das gehört zum guten Ton in der elektronischen Musik, von Minimal bis Bratz-Terror. Dennoch ist es bemerkenswert, wie traumwandlerisch sicher der schüchterne Franzose auch aus eher gediegenem Material zielgerichtete Brechstangen-Knaller macht. Aus Bloc Partys Emo-Heuler “I still remember” wird eine Indie Disco-Blaupause; Das Pops “Fool for love” bleibt der epische Einstieg und Abgang erhalten, dazwischen gibt es aber diese typischen, ungeheuer dicht komprimierten SebastiAn Trademark-Drums und harte Chops – Rabaukendisco kann man kaum effektiver umsetzen. Sicher, SebastiAn hat eine klare Formel: hittiges Original, bevorzugt aus dem Indie-Kanon, relativ langsame aber mächtig stampfende Drums, dazu Cut-Ups, Beat-Repeat und Verzerrer auf Maximum. Aber ich will verdammt sein, wenn nicht mindestens 5 der 17 hier vertretenen Stücke deine Nacht schon mal einen Tacken besser gemacht haben.

Der mit Abstand beeindruckendste Remix betritt jedoch zugegebenermaßen Neuland: Auf dem eh schon großartigen “Golden Skans” versucht sich der Genussraucher an einer Art Ed Banger Update von Justin Timberlakes “My Love” und gewinnt mit diesem synkopierten Monster sogar das interne Klaxons-Remix Duell mit Kollege Switch. Weniger virtuos, aber ob ihrer Leierkasten-Rhythmik interessant: die viel zu langsame Neubearbeitung des Rakes Smashers “We danced together”. Völlig wahnsinnig und mittlerweile längst ein Semiklassiker: SebastiAns “Testarossa Autodrive” Vergewaltigung.
Schade nur, dass nicht nur Eingeweihten 90% des Materials schon länger bekannt sein dürfte, aber immerhin weiß der einzig wirklich neue Remix (The Kills – “Cheap and cheerful”) mit einem ekstatischen Drop und einem, 2008 fast schon wieder retro rüberkommenden, Distortion-Inferno zu elektrifizieren.
Wir bedanken uns artig für diese enzyklopädische Serviceleistung aus dem Hause Winter, aber das schon seit Ewigkeiten angekündigte “richtige” Album darf ruhig bald kommen, Basti.

Florian Aigner

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