|
|
»down & out in paris & london«
|
autoKratz hauen dir auf die Fresse. Keine fiesen Tiefschläge oder verdeckten Haken, direkt drauf auf die Oberlippe. Wem zielorientierter E-Rock, dessen raison d‘être nur darin besteht, schwarz gefärbte Ponyträgerinnen und Vintage-Lederjacken möglichst schnell aus der Reserve zu locken, zu prollig ist, kann hier bereits aufhören zu lesen. Der Rest freut sich, schon seit Monaten seinen Gerstensaft zu den kräftig verzerrten, aber dennoch lässig hüpfenden Synth-Rock-Abfahrten der beiden Engländer und Kitsune-Darlings (daher auch der Albumtitel) verschütten zu dürfen.
Ungemein hilfreich bei der Mission, nicht als weiterer unnötiger Digitalism-Klon rezipiert zu werden, ist David Cox’ souveräne Stimme, der man durchaus anhört, dass die (recht sparsam eingestreuten) Gesangspuren nicht als Notlösung geboren wurden um das Crossover-Potential der angebratzen Keyboard-Sounds zu erhöhen, sondern wirklich dem Cox’schen Gesangstalent geschuldet sind. Gerade dieses identitätsstiftende Element hätte man ruhig auf mehr als der Hälfte der hier versammelten 9 Tracks prominent einsetzen dürfen. Verlassen sich die beiden Insulaner nämlich auf rein instrumentales Geboller a la “French girls play guitar” fängt man unweigerlich an, sich die Sein oder Nichtsein-Frage zu stellen. Oder man beginnt verzweifelt nach diesem käsigen Teil mit der hübschen New Order-Gesangsmelodie zu suchen, das sich zwischen dem hektischen “1000 Things” und dem Kitsune Maison 5-Hit “Pardon Garcon” versteckt hat.
Florian Aigner
‘Down & out in Paris & London’ im HHV-Shop
|