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Ladytron

»Velocifero«

Es fällt schon einigermaßen schwer zu Europameisterschaftszeiten auch jenseits des Krombacher Fußballstammtisches nicht nur ausschließlich über 4-4-2 oder 4-5-1 zu reden, von Traumtoren zu schwärmen oder fragwürdige Schiedsrichterentscheidungen zu diskutieren. Hobbynetzertum und Freizeitbundestrainerkarrieren sind einfach zu verlockend. Blickt man in diesen Wochen jedoch mal über den EM-Tellerrand, ignoriert dabei noch, dass “Seven Nation Army” Einzug in schweiz-österreichische Stadien gehalten hat und das Grölen eben dieser Medodie neben der LaOla mittlerweile zu den Grundkenntnissen des Fans gehört, so entdeckt man da das bereits vierte offizielle Album von Ladytron – von Nachwuchstalenten zu sprechen wäre also unangebracht. In diesem Sinne, la, la, la, la, loooos geht’s:

Insgesamt wird auf “Velocifero” (=Tempobringer) tief in die Synthie-Pop-Kiste gegriffen und viel mit New-Wave-Elementen gespielt. Mitproduziert wurde das ganze von Ed Bangerist Vicarious Bliss und Nine Inch Nail Alessandro Cortini, weshalb hellere, electropoppigere Songs (“I’m not scared”, “Runaway”) mit düsteren, destruktiveren Stücken (“The lovers”, “Predict the day”) gepaart wurden.
Eine Bulgarischlektion geben das experimentelle “Klevta” und der drumlastige Opener “Black Cat”. “Ghosts” konkurriert bei mir mit “Play Girl” und “Destroy Everything You Touch” um den Best-Single-to-Date-Award der musikalischen Liverpool-Glasgow-Sofia-Verbindung. In Sachen Refrain sehr einprägsam (“There’s a ghost in me who wants to say I’m sorry, doesn’t mean I’m sorry”) und dank Repetition selbst nach intensiver Ohrwaschung wieder schwer aus dem Gehörgang zu bekommen.

Auch wenn bei 54:20 abgepfiffen wird und das Album nicht 90 Minuten dauert, so bildet das romantisch unaufdringliche und balladeske “Versus” mit Hammond-Orgel und Glockenspiel doch einen sehr versöhnlichen Abschluss.

Regine Pfaff

‘Velocifero’ im HHV-Shop