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Hip Hop leidet seit jeher an einer Authentizitätsneurose. Von Ice Cubes Wurzeln in der schwarzen Mittelklasse, über Prodigys wohl dokumentierten Studio-Gangster Ruf oder The Games sorgfältig konstruierte Gangbanger-Fassade bis hin zum Copywrite/Scribble Jam-Fiasko: wenn die Fassade bröckelt, geht das Lamentieren los. Hip Hop hat seinen Keep it real-Komplex nie überwunden.
Neuestes Lieblingsopfer dieser, einst von Dendemann so charmant charakterisierten, notorisch schlecht gelaunten Realness: Die neonbehangenen Cool Kids aus Chicago. Wie sich zwei (noch nicht mal) Mitzwanziger anmaßen können, die goldenen 88er heraufzubeschwören? Warum die auch von den ganzen Hipster-Asseln geliebt werden? Warum die nicht wissen, dass Karottenjeans Nebenhodenentzündungen verursachen? Was weiß ich.
Was jedoch feststeht, ist dass niemand seit “Hell Hath no Fury” Rick Rubin, “Mama said knock you out”, “Criminal Minded” und “Critical Beatdown” besser ins Hier und Heute übersetzt hat, als Mikey und Chuck.
“88” ist das legitime Sequel zu “99 Problems”, “One Two” Timbo ohne Chartdruck, “Mickey Rockz” der beste Neptunes-Gedächtnis-Beat seit “Mommy I’m so sorry” und “Black Mags” & “Gold & A Pager” Chopped&Screwed in geil. Dazu dann noch eine zünftige 2 Live Crew-Reminiszenz (“Bassment Party”), das vor Swagger platzende “A little bit cooler”, die rumpelnde 808 Abfahrt “Jingling”, Klatsch-Aufforderungen (“What up Man”) und die Süßstoffvariante früher Bomb Squad-Großtaten (“What it is”) – fertig ist eine EP, vor der sich die meisten, wenn nicht alle, Hip Hop Langspielrillen dieses Jahres schwer in Acht nehmen müssen.
Florian Aigner
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