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Lil Wayne

»Tha Carter III«

Best Rapper Alive? Fuck no. Einziger Klingeltonkasper, der macht was er will? Hell yeah.
So komisch das angesichts Bobby Valentino, Babyface und T-Pain Features klingt: “Tha Carter III” ist Avantgarde. Zumindest innerhalb des engen Käfigs Mainstream Rap. Weezy stilisiert sich zum Vollblutwahnsinnigen in bester Flavor Flav/ODB/Busta-Tradition mit geringerer Aufmerksamkeitsspanne als Madlib und mehr Sizzurp in der Blutbahn als DJ Screw.
“I don’t give a motherfuck, get your baby kidnapped and then your baby motherfucked” – das Phänomen Lil Wayne wird von Wayne selbst bereits im Opener “3 Peat” treffend auf den Punkt gebracht. Wenn dann der andere große Carter auf “Mr. Carter” all die Ruhestandsforderungen erneut mit einem übermenschlichen 16er verstummen lässt und Wayne mit “I took so much change from this Rap game it’s your go” das Zepter übergibt, sind wir tatsächlich Zeuge von Geschichte in der Mache.
Dass “Tha Carter III” danach etwas an Drive verliert, liegt zum einen am – Dissidententum hin oder her – immer noch obligatorischen Radiofutter, zum anderen aber auch daran, dass das Drogenwrack Wayne häufig nicht mehr dazu bewogen werden kann, Songs konsequent zu Ende zu denken. Was auf Mixtapes perfekt funktioniert, lässt im Albumformat manches fahrig und unausgegoren wirken. Wenn sich Swizz Beatz dann jedoch Axelrods Klassiker “Holy Thursday” ausborgt, Fabolous und Alchemist “Nothing on me” beerdigen und Kanye mit “Let the beat build” Weezy ein großartiges Stück Seele zuschanzt, sieht man über sporadische Großraumdissen-Hooks, mangelnde Stringenz und ungelenke Drumpatterns dennoch bereitwillig hinweg.

Florian Aigner

‘Tha Carter III’ im HHV-Shop