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Looptroop Rockers

»Good Things«

Wer noch das Gefühl hatte, das hier hätte ganz schön in die Hose gehen können, möge sich direkt hinter mir einreihen. 4 wirklich durch die Bank starke (offizielle) Alben als Band, erfolgreiche Soloprojekte sämtlicher Mitglieder, beinahe den ganzen Erdball bereist… und plötzlich hat einer der Jungs keinen Bock mehr und der Vertrag mit Burning Heart läuft aus.
Ich stelle mir das ungefähr so vor: Kamera schwenkt über ein entlegenes Waldstück, eine Holzhütte wird schemenhaft erkennbar. Zoom durchs Fenster: Embee, Promoe und Supreme sitzen im provisorischen Heimstudio inmitten der schwedischen Einöde und hören alte Songs.

Embee: Also, irgendwie…wegen mir können wir’s lassen. Produzier’ ich in Zukunft halt für andere Leute, ich hab da diese supercrazy Typen aus Västeras an der Angel, die machen so Screamo/TrashCountry-Balladen auf Ambient-Beats…So richtig 80’s eben!

Supreme: Das klingt ja dufte! Ich mache dann deren T-Shirts!

Promoe: Jep, bin ich dabei! Dann, etwas leiser in den Bart gemurmelt: Alleine verkaufe ich sowieso mehr… Wieder laut Dann kann ich eigentlich auch gleich mein Image ändern und mit diesem veganen Anti-Alkoholiker-Gesöpse aufhören, Yummie! Greift in Supremes Burgerking-Tüte

Embee: Dann machen wir das so! Superbeste Freunde für immer?

Alle: SUPERBESTE FREUNDE FÜR IMMER!

Embee: Dann zeig ich euch gleich mal, was ich so für mein neues Solo-Ding angedacht habe… Und nur Nanosekunden bevor Promoe beherzt seine Zähne in einen Whopper wuchtet, erklingen die ersten Töne von „The Building“…_

Promoe: Cool! Können wir da auch drauf sein?

Embee: Na logan! Ihr hängt doch sowieso die ganze Zeit hier rum… Promoe wirft einen angeekelten Blick auf den vor Fett triefenden Schandfleck in seinen Händen und wischt sich eine Träne aus den Augen…_

So, oder wenigstens ähnlich, muss sich die Produktion von “Good Things” wohl abgespielt haben, denn was die alten Schweden uns so völlig entkrampft kredenzen, stellt tatsächlich die dringend ersehnte, wenn auch kaum mehr für möglich gehaltene, stilistische Bereicherung des DVSG-Kosmos dar. Natürlich gibt es sie noch, die rotzige Attitüde (“Trans Fat”), die politisch-sozialkritischen Ansagen (“Rome”, “Blood & Urine”) und die persönlichen Momente (“Puzzle”), keine Angst. Zusammengehalten werden all diese typischen Versatzstücke hingegen von einem völlig neuen Grundgefühl, das eben auch durchgehende Bassdrums (“Naive”), sinnentleerte Live-Banger (“Family First”) und komplett Schwachsinniges (“Living on a Prayer”) erlaubt. Was für ein saucooler Haufen muss eine Band denn bitte sein, dass man ihr ein Bon Jovi-Cover durchgehen lässt? Eben.
Prognose deshalb: Nicht alle werden die Entwicklung der Looptroop Rockers mitmachen, aber wer braucht die bornierten Idioten schon, wenn es da draußen eine völlig neue Nische zu besetzen gilt, die bereit ist, für ein selbstbewusstes, freshes Übergangswerk, dass tatsächlich den Weg aus der ewigen Consciousness-Sackgasse ebnen könnte? Weltruhm stellt sich bitte genau jetzt ein, Looptroop Rockers – halfway there.

Julian Brimmers

‘Good Things’ im HHV-Shop