|
|
»When life gives you lemons you paint that shit gold«
|
Ja, ja ich versteh’ schon: Stillstand ist der Teufel und Repetition mindestens Stalin, aber darf man nicht trotzdem etwas irritiert sein, wenn nach dem Bomb Squadigen Vorgänger zu Beginn von “When life gives you lemons…” der Minimalismus ausgerufen wird? Viel Piano, dezente Claps und ein beinahe flüsternder Slug – etwas erleichtert fühlt man sich schon, wenn es nach gut 6 Minuten endlich richtig losgeht.
Gleich bei Nummer 3 die nächste Überraschung: Ant hat offenbar genauer hingehört bei den jungen Wilden und unterlegt “The Skinny” mit sperrigen Drumbreaks und Boards of Canada-Synths. Es soll nicht der einzige Ausflug ins frisch abgesteckte Revier von Rustie, Hud Mo und Flying Lotus bleiben: auch das Albumhighlight “Shoulda Known” beweist, dass Ant zu den versierteren Vertretern der Produzentenzunft zu zählen ist, auch wenn seine El-P-Imitation “Can’t Break” etwas später an Überambition scheitert.
“Yesterday”, “Wild Wild Horses” und “The Waitress” sind hingegen typische Atmosphere-Dinger: die Samples so nett und Slugs Flow so entspannt, dass die 17-jährige Kleinstädterin in der ersten Reihe erneut einen Mitdreißiger anhimmeln wird, der sich immer noch nicht zu schade ist für Zeilen wie “You dont need to know what’s wrong with me/unless you think you’re gonna come home with me“.
“Painting”, “Me” und “Your Glass House” führen die Tradition von “The Woman with the tatooed hands” oder “Little Man” weiter, indem sie ungeniert auf Gänsehaut spekulieren und gewinnen. Slugs Ausflug in Jack Johnson-Beliebigkeiten, die Pfadfinderlager-Schmonzette “Guarantees”, hätten sich die beiden Herren aus Minneapolis dann jedoch ebenso schenken können wie den Plattitüden-Langweiler “Dreamer”.
“W.L.G.Y.L.Y.P.T.S.G.” ist also ein weit diffuseres Album geworden als der schlüssige Vorgänger, eher Option als Verbindlichkeit. Eine Option aus der sich jedoch eine umwerfende EP basteln lässt.
Florian Aigner
‘When life gives you lemons you paint that shit gold’ im HHV-Shop
|