![]() |
José James wird von der Fachpresse als größtes Jazz-Talent seiner Generation gefeiert. Dementsprechend große sind die Erwartungen an den Erstling, des aus Minneapolis stammenden Neu-Brooklyner. Druck oder Selbstzweifel sucht man auf „The Dreamer“ trotzdem vergebens. James trägt seinen Bariton so reif und bedächtig vor, dass man sich als – durchaus skeptischer – Hörer nicht verschließen kann. Ein magisch wohliger Klangteppich breitet sich während den knapp 57 Minuten stetig, ohne abzuflauen, vor einem aus und hinterlässt ein wärmendes Gefühl in der Magengrube. Routiniert wie McEnroe anno dazumal im Schläger-Zertrümmern, rafft der, auf Gilles Petersons‘ Brownswood Recordings gesignte, Künstler zehn handverlesene Meisterstücke moderner und trotzdem klassischer Jazz-Musik um sich. Keine Ausrutscher, sondern swingende-spirituelle Substanz in Reinform. Ein Gesamtkunstwerk, das der aufkommenden Frühlingssonne hochsommerliche Kraft verleiht, ohne dem Debütanten die breitgelobte Brust zu verbrennen. Von diesem Herrn ist noch Großes zu erwarten. Ach, was schreib ich: Das ist bereits groß! Roman Högerle |

