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Ganz Gallien lärmt (jaja, Hyperbel ole). Ganz Gallien? Nein, ein bärtiger Weirdo mit patentierter Harley Treffen-Matte hört nicht auf der Ableton-Invasion Widerstand zu leisten. Und das, obwohl er unlängst seine “sexuellen Sportklamotten” von SebastiAn zerhacken ließ und sich damit in die Playlists von Erol bis Tiga schlich.
Geknarzt und gemosht wird auf seinem zweiten Soloalbum “Sexuality” zu keiner Zeit. Vielmehr sind die elf Stücke, bei denen Daft Punks Guy-Manuel den Quincy Jones gab, eine bedingungslose Liebeserklärung an Franco-Kitsch, schwülstigen Synthiepop und die grenzwertigen Perioden in Gainsbourgs Schaffenswerk.
Alles klebt und schwitzt, egal ob sich Tellier in “Roche” Soft-Porno-Peinlichkeiten hingibt, in “Kilometer” “Future Sex/Lovesounds” nach Paris verfrachtet oder auf seinem Euro Vision Song Contest-Beitrag (!) “Divine” die Beach Boys in einen New Wave-Kontext verpflanzt.
Klingt schlimm? Ist es aber nicht. Warum? Weil Tellier diese hypersexuelle Mustache-Pose mit tollen Melodien konterkariert und “Sexuality” zu einem hintergründigeren Album macht als nach oberflächlicher Auseinandersetzung vermutet. Wenn sich der Maestro dann auf “Fingers of Steel” in Form ausladender Flächen vor Moroder und Jarre gleichzeitig verneigt, ist endgültig alles gut.
Als Hausaufgabe schreiben mir die Kunststudenten bitte noch ein Traktat über die Größenverhältnisse zwischen Reiter und Frauenbrust und deren Bedeutung für die Rezeption dieses zuckersüßen und urfranzösischen Juwels.
Florian Aigner
‘Sexuality’ im HHV-Shop
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