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Angry Teng

»Nicht zu fassen«

Angry Teng aus den Bonner Untergrundkatakomben macht seinem Namen mit der aktuellen Solovorstellung alle Ehre: der Rapper aus dem Umfeld von Royal Beuel M655iv – kurz RBM – kotzt sich auf „Nich zu fassen“ kräftig aus und stellt die Gesellschaft, den prophezeiten Aufstand der Maschinen und einiges mehr in Frage. Intellektualität und Sozialkritik dominieren auf dem 15 Tracks starken Debüt des Afghanen.

Der Inhalt des ernüchternden Longplayers ist dank des durchgängigen Conscious-Styles relativ einfach zu charakterisieren. Teng lässt einen eintauchen in Gedankengänge zwischen Fantasie und Realität, so nimmt der bereits seit acht Jahren in der Szene aktive Wortsportler seine Hörer beispielsweise mit auf eine freakige Expedition, in der er auf einem von H.P. Lovecrafts „Call Of Chultu“ basierenden Beat durch Dunkelheit und Schmutz kriecht, um eine mehrere Jahrtausende alte Götterrasse zu finden – Indiana Jones-Shit. „Tag und Nacht“ verurteilt wiederum die Musikindustrie samt Künstler mit Zeilen wie „Plattenfirmen sprießen momentan wie Pilze aus Hirnen / Da signen sie lieber Fifty-Klone anstatt auf Skills zu hören / Und so gleicht sich echt so ziemlich jeder neue Release / Die Jugend stutzt und wird immer weiter bescheuert durch Kies“ und „Lyrik ist am Ende, wenn die Auswahl beschränkt / Fühlt ihr jetzt die Wende, ich hoffe, dass ihr wie ich denkt“. Highlights zwischen Songs wie „Büropoesie“ und „Kaffee und Kuchen“ sind das metaphernreiche Mondgeflüster „Werwolf“ mit hübsch verzerrtem Gesang von Isabelle Gernand über ein Instrumental von Flügelmann und Fillstereo (Besser bekannt als Concept Of The Envee) und der beängstigende Einblick in den alkoholverseuchten Kopf von „Frau Link“ mit dezent in Szene gesetzter Trompete von John E und souligem Keyboard.
Insgesamt überwiegen jedoch leider mittelmäßige und auf Dauer langweilende Thementracks, denen definitiv die Power fehlt. Die hauptsächlich von Concept Of The Envee produzierte Scheibe vermisst interessantere Drumsets und einen weniger monotonen Flow vonseiten Herrn Matin Wasiri aka Angry Teng, der seine Stimme definitiv besser akzentuieren könnte.

An sich ein ganz nettes Album, meiner Meinung nach in Bezug auf die Stimmung aber zu geradlinig und unspektakulär. Vor Jahren habe ich mir mal das MZEE-Release „Kaffee und Kuchen“ von UGS zugelegt, wobei der gleiche Effekt auftrat: nach mehrmaligem Durchhören sind Sound und Thema jedes Songs schlicht ausgelutscht. Genauso verhält es sich mit „Nich zu fassen“, es fehlt das sagenumwobene „Gewisse etwas“.

Christian Wolking

‘Nicht zu fassen’ im HHV-Shop