spacer
spacer spacer

Guilty Simpson

»Ode to the Ghetto«

Hold up, wait a minute! Ich kucke nach unzähligen Durchläufen gerade die Production Credits für Guilty Simpsons lang erwartetes Stones Throw Debüt durch und nur einer ist mit J. Yancey gekennzeichnet? Ein einziger? Dieses grandiose Synth-Brett “Footwork” soll von Oh No sein? “Getting Bitches”, der kleine Bruder von “Jungle Love”, kommt von Denaun Porter? “My Moment” hat Black Milk geschnitzt? Glauben kann ich das zwar nicht, aber sollte sich da tatsächlich niemand geirrt haben, ziehe ich den Hut vor so viel virtuosen Dilla-ismen.
Überhaupt Black Milk: gerade als ich dem jungen Herren erste Stagnationstendenzen unterstellen wollte, liefert er drei bestechende Gegenargumente, die dafür sorgten, dass sein Kollaborations-Album mit Guilty und Sean P wieder weit nach vorne in meiner “Geiler Scheiss in 08“-Liste gerutscht ist.
Dann wäre da ja noch Madlib, der sich für ein Gros der Produktionen auf “Ode to the Ghetto” verantwortlich zeigt und von geradlinigem Strassenköter-Material wie “The Future”, über völlig versponnenes wie den Beat Konducta in India erprobten “American Dream” oder “Pigs” bis hin zur beeindruckenden Hi-Hat dominierten Sample-Kollage “She won’t stay home” erneut unter Beweis stellt, dass er momentan in Sachen Versatilität alle Kollegen locker in die Tasche steckt.
Dass sich Guiltys hyperarrogante Delivery eher für Zeilen wie „mad cuz I taught your babby momma Kamasutra“ anbietet als für Illuminati-Geschwurbel und Plattitüden-Gedresche muss man insofern begrüßen, als dass das Detroiter Urgestein diesen “Ich geil, du nix” – Kram weit amüsanter und weniger ermüdend darbringt als 95% der gängigen Mixtape-Langweiler. Wenn gegen Ende März dann auch endlich diese unsäglichen “Bo-Bo-Bo, Guilty Simpson, rude bwoi ting”-Voiceovers wegfallen, führt an dem hier aber überhaupt kein Weg mehr vorbei.

Florian Aigner

‘Ode to the ghetto’ im HHV-Shop