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Wu-Tang Clan

»8 Diagrams«

Chemie auf musikalischer Ebene ist ein schwer zu messendes Phänomen. Dennoch überkommt einen bereits nach 10 Minuten “8 Diagrams” instinktiv dieses Gefühl, dass hier etwas nicht stimmt.
An sich sitzt das Meiste am richtigen Fleck, nach dem furiosen Opener “Campfire” geht beinahe das Wu-Groupie aus einem vergangenen Jahrtausend mit durch, aber der Teufel liegt im Detail: Wie kann es angehen, dass Ghostface ganze 3 Verse beisteuert? Wieso muss ich Raekwon nach dem hier Prinz Valium rufen? Wie kann “Life changes” ein genuiner ODB-Tribut sein, ohne Beiträge von allen Mitgliedern? Wieso ruiniert eine Swizz Beatz Hi-Hat “Stick me for my riches”? Und wieso muss ich säuselnden SingSang auf jedem dritten Track eines Wu-Tang Albums ertragen?

Weil das hier unausgegoren und gezwungen wirkt. Wirklich ambitioniert scheint hier nur der Meister an den Knöpfen gewesen zu sein. Ein Großteil der Verse klingt nach Email-Attachment, sieht man mal von einem auf Wiedergutmachung bedachten U-God, einem fitten GZA und agilen Meth ab. Wenn dann noch der vorgezeichnete musikalische Weg von der Hälfte der Beteiligten nur widerwillig beschritten wird, kann das nur negative Auswirkungen auf die ominöse Chemie haben.

Das heißt wiederum nicht, dass alles in die Hose gegangen wäre. Im Gegenteil, der Opener, das wilde Tribal-Drums, jaulende Gitarren und dramatische
Stabs virtuos kombinierende “Unpredictable”, das seelige “Liquid Swords”-Zeiten heraufbeschwörende “Rushing Elephants”, die nicht ganz an Ghosts Solo-Take “My Guitar” heranreichende Jimmy Ponder/Beatles-Interpolation “The heart gently weeps”, “Wolves” (mit einem herrlich wirren George Clinton) oder “Weak Spot” sind allesamt würdige Ergänzungen zum überwältigenden Wu-Oeuvre und bei den zahllosen Kung-Fu-Dialogen geht mir auch heute noch das Herz auf. Zurück bleibt aber dieses ungute Gefühl, dass sich hier die strahlenden Helden deiner Jugend suboptimal in die Rente verabschiedet haben.

Wie viel davon der unsäglichen Schlammschlacht zwischen Raekwon, Ghost & RZA geschuldet ist, vermag ich allerdings nicht zu beantworten. Wer die Schuld nicht bei den Akteuren selbst suchen will, legt sich als Sündenbock für die erlittene Hypersensibilisierung einfach YouTube zurecht und schraubt die eigene Erwartungshaltung etwas zurück. Das dürfte der einfachste Weg sein “8 Diagrams” in seiner Gesamheit schließlich doch uneingeschränkt feiern zu können.

Florian Aigner

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