spacer
spacer spacer

Camp Lo

»In Black Hollywood«

1997. Sommer. MTV Nachtprogramm. Zwei Typen mit fragwürdigen Kangols sitzen am Tresen in einer Küche, die das letzte Mal 1975 renoviert wurde. Es wird gelacht. Die Sakkos, die die beiden im Taxi tragen, schulden Prince mehr als Kool Herc. Das grandiose Dynasty-Sample sollte ich erst Jahre später kennen lernen, aber gleich nach dem ersten „This is it – What?“ hatte yours truly nur noch zwei Sachen im Kopf: Wer sind die beiden Typen, die da was von “Belafonte vigga” und “Monte Barbie” nölen und gibt’s da mehr von? Glücklicherweise hatte sich MTV Germany mit der Videoausstrahlung etwas Zeit gelassen, so dass das sagenhafte dazugehörige Album “Uptown Saturday Night” schon bald in meinen Besitz übergehen sollte.
All dies soll nur erzählt werden um meine Befangenheit zu unterstreichen. Kann ich ein neues Camp Lo Album, das darüber hinaus auch noch in Originalbesetzung mit Ski an den Beats eingespielt wurde, annähernd objektiv besprechen? Eher nicht. Ist aber auch egal, würde ich doch behaupten, dass auch nüchterne Urs Meyer-Typen mit dem slicken “Soul Fever”, dem trockenen “82 Afros”, der karibifizierten “Ganja Lounge”, dem Kanyeeezigen Titeltrack und den 88-Throwbacks “Zoom” und “Pushahoe” d’accord wären. Einziges kleiner Wertmutstropfen: Gut die Hälfte der gerade mal 12 Tracks fanden sich letztes Jahr schon auf dem ebenfalls empfehlenswerten, aber völlig untergegangenen “Fort Apache” Mixtape unserer, immer noch erfreulich verdrehten, Helden Sonny Cheeba und Geechie Suede.

Florian Aigner

‘In Black Hollywood’ im HHV-Shop