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Nas

»Hip Hop is Dead«

Na, endlich. HipHop hat es geschafft und sich mit einem furiosen Jimi-Hendrix-Abgang von der Bildfläche urbaner Subkulturen verabschiedet. Man fand ihn auf seinem vergoldeten Gästeklo, in einer Lache aus Crystal, Urin und seinem eigenen Erbrochenen, erstickt an seinem Platin-Grill…
Behauptet zumindest Oberarzt Nasir Jones, der sich, wohlwissend, dass solche Jobs immer an der alten Garde hängen bleiben, umgehend mit Mic, Defibrilator, und einem tonnenschweren Album bewaffnet, auf die Socken macht, um seinen alten Freund wieder ins Leben zurückzuholen.
Musikalisch unterstützt wird er bei dem Vorhaben nicht nur von alten Weggefährten wie L.E.S oder Salaam Remi, auch Kanye West, Dr. Dre, Will.I.Am und Scott Storch ließen es sich nicht nehmen, ihren Teil zur Errettung ihres Arbeitgebers beizutragen. Wobei man allerdings anmerken muss, dass gerade Letztgenannter kürzlich wohl zuviel Zeit damit zu gebracht hat, die reichen Töchter von Hotel-Mogulen und Profi-Wrestlern zu produzieren, und somit einige der schönsten Lyrics unfreiwillig ins Komische zieht („Carry on Traditions“).
Sehr viel besser passen da mal wieder Salaam Remi´s knochentrockene Funkbreaks wie auf dem grandiosen „Where are they now?“, auf dem Nas abermals die Verdienste seiner verschwundenen Helden würdigt. Ähnliches gilt für den Titeltrack der Lp, auf dem Will.I.Am erneut das „In A-Gadda-Da-Vida“-Sample mit so viel Drive benutzt, dass die Zweitverwertung locker zu verzeihen ist und man sich über einen Nas in Topform freuen darf. Überhaupt hat man über die gesamte Laufzeit immer wieder das Gefühl, dass nur die Songs, in denen Nas alleine zum Mic greift, wirklich sein ganzes Herzblut gefordert haben. Während sich die Zusammenarbeit mit dem Doktor und seinem Advokaten The Game („Hustlers“) noch als halbwegs sinnvoll erweist, kann man die erneut von Storch verkackte Kollabo mit Snoop („Play on Playa“) getrost in die Tonne treten. Das Kräftemessen mit dem ehemaligen Intimfeind (und heutigen Labelboss) Jay-Z hingegen hat schon wieder mehr Qualität , erstickt meiner Meinung nach aber ein bisschen an dem pathetischen Instrumental, sodass die enormen Erwartungen, die an dieses Duett nun mal geknüpft sind, vielleicht nicht ganz erfüllt werden.
In lyrischer Hinsicht kann man Nas selbstverständlich wieder mal überhaupt nichts vorwerfen. Die Art und Weise, wie er sowohl Konzeptsongs („Where are they now“) und astreines Storytelling (Blunt Ashes“), als auch zornige Kollegenschelten („Money over Bullshit“) in seinen einzigartigen Stil einwebt, dürfte mal wieder unzähligen WannaBee´s gezeigt haben, wie viel Poesie ein echter Mcee haben muss, um längerfristig relevant zu bleiben. Wenn er es jetzt noch schafft, diese lästigen Hit-Produzenten abzuschütteln, und Premo von Christina Aguilera runterzukriegen, damit die beiden endlich das verdammte Album machen, auf das verkrustete True-School-Nostalgiker wie ich schon so lange warten, muss man sich um das Weiterleben der einst so vitalen, rebellischen Kultur (fast) kaum mehr Sorgen machen…

Jules

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