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Industry Rule #4080: “Record company people are shady”. Gut, das steht in der Hip Hop Plattitüden Reihe irgendwo zwischen „Keep it real“ und „Yes, yes y’all“. Nach Hell Hath No Fury möchte ich aber um die Aufnahme von Industry Rule #4083: „Frustrated artist equals better LP“ bitten. Ob die Gebrüder Thornton in den letzten 3 Jahren tatsächlich keinen Rap Dollar ausgegeben, sondern lieber kräftig Schnee geschippt und Diät-Cola verkauft haben („The news called it crack, I called it diet coke“) spielt dabei überhaupt keine Rolle. Überhaupt ist es „rotzscheißdrecksegal“ (wann kommt eigentlich die neue Stromberg Staffel???), was hier Fakt und was Fiktion ist, denn eins steht fest: “Hell Hath No Fury” geht aus der 4th Quarter Hysterie als klarer Sieger hervor und stellt das beeindruckendste Stück Musik seit Dillas übermenschlichem Magnum Opus Donuts dar. Aber der Reihe nach: Gleich zu Beginn gibt’s mit “We got it for cheap” einen Representer straight outta Champions League um die Ohren, bevor “Mama, I’m so sorry” mit besoffenem Akkordeon und Ansagen wie „I philosophies about glocks and keys, niggas call me young black Socrates“ die Erwartungen brillant ad absurdum führt. Kein Song Cry, kein Dear Mama, sondern noch mal der volle Flossing-Vorschlaghammer direkt auf die Zwölf, Bud Spencer-Style. Zwischen all diesem Bathing Ape- und Salvador Dali-Wahnsinn offenbart sich aber auch die lyrische Sonderklasse unserer Protagonisten. Immer wieder gesellen sich zu dieser Dicke Eier-Ignoranz pointierte und subtile Anspielungen, die das ganze Koksding in Frage stellen, beispielsweise wenn Malice auf Hello New World anmerkt: „The judge is saying “Life” like it ain’t someone’s life“. Danach die schon seit geraumer Zeit ihre Runden im Internet drehenden Mr Me Too und Wamp Wamp. Ersteres schleicht sich in seiner hypnotischen Minimalität hinterlistig in die Gehörgänge, während Wamp Wamp mit seinen harten Steeldrums direkt die Vordertür nimmt. Ride around Shining spinnt anschließend die Grindin/Light yo ass on fire/Drop it like it’s hot- Formel (Drumgewitter + Gimmick (hier: Harfe) = Sureshot) geschickt weiter, verlegt den Schauplatz aber vom Club in einen dreckigen Hinterhof der Bronx, ~ anno 1989. Mit Dirty Money geht die Geilomaten-Abfahrt weiter, wobei wir es hier mit der tendenziell Single-tauglichsten Nummer auf diesem völlig kompromisslosen Monster von einem Album zu tun bekommen. Dass ich mich zu der Aussage hinreißen lasse, lange kein Album gehört zu haben, das die Soundästhetik und Attitüde der späten Achtziger so gekonnt mit Next Level-Futurismus verbindet wie Hell Hath No Fury, liegt auch an der überwältigenden Hello New World / Keys open doors – Kombination, die uns abrupt aus der Louis Vitton Welt von Dirty Money hinein in Virginias Abgründe reißt. Die durchaus enervierenden Hooks von “Ain’t cha” und “Trill” sind dafür verantwortlich, dass ich nach einer guten halben Stunde eine vorzeitige Ejakulation gerade noch abwenden kann. “Ain’t cha” fährt gar den einzigen richtig durchwachsenen Beatteppich auf, während Trill mit seinem Cannibal Ox in Crunk–Charme durchaus noch zu punkten weiß. Summa Summarum addiert sich das aber gerade mal zu 9 nicht ganz so grandiosen Minuten auf. Beat that, Nasir! Umso stärker kommt darauf Chinese New Year um die Ecke, welches wie der ungewaschene Cousin von When the last time und Dirt off your shoulder klingt und eine Hookline sportet, die sich für immer in dein Hirn brennen wird. Die Nebeneffekte des Thornton’schen Lebensstils kulminieren schließlich eindrucksvoll in Nightmares, einem Track, der mit seinem zurückgelehnten Beat und Bilals gesungener Hook die vorangegangenen 45 Minuten äußerst geschickt kontrastiert und das viel zitierte Tüpfelchen auf dem I setzt. Wenn es die werten Herren bei Jive jetzt noch gebacken kriegen, Hell Hath No Fury endlich auf Vinyl zugänglich zu machen, wäre ich bereit #4080 zumindest kurzzeitig zu vergessen und „High Fiiiiiiives“ an alle zu geben, die (in welcher Form auch immer) zu diesem Gesamtprodukt beigetragen haben. F.Aigner ‘Hell Hath No Fury’ im HHV-Shop |

