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Die unsäglichste Rentenfarce der Musikgeschichte hat endlich ein Ende. Auf den Leim gegangen ist diesem Märchen eh so gut wie niemand; wie auch wenn Hova auf zahlreichen Remixen gastierte und sich gar einen Solotrack auf Memphis Bleeks durchwachsenem „534“ genehmigte, auf dem er diesem wieder mal schmerzlich verdeutlichte, warum Bleek „one hit away his whole career“ bleiben wird. Nachdem sich wechselnd Timbo und Pharrell verplappert hatten, liess er dann endlich die Katze aus dem Sack und kündigte eine neue Langspielrille für November an. Im Mp3 Zeitalter wird der Buzz nicht mehr vom Street-Team kreiert, sondern von geschickt geleakten Tracks. So wurde zuerst „Show me what you got“ auf seine Singletauglichkeit geprüft und, trotz mäßiger Zustimmung von Messageboards von Panama bis Island, auch als solche auserkoren. Der Flow sei etwas rostig, das laut/leise Spiel seit „Threat“ mittlerweile durch und was sei eigentlich mit Just Blazes Digging Gewohnheiten los? Schon wieder ein (hier sogar zwei) durchgenudelte Samples? Kommentare wie „bei Public Enemy fand ich das besser“ und „ich brauch kein Rump Shaker reloaded“ seien hier mal exemplarisch genannt. Dass das aber nach 3-9 Durchgängen dennoch exzellent funktionierte, wollte dann später irgendwie keiner mehr so richtig zugeben. Darum also gleich das nächste Just Blaze Gerät hinterhergeschickt: der, sofort als potentielle Big Apple Hymne des Jahres identifizierte, Titeltrack „Kingdom Come“ mit einem völlig wahnsinnigen „Superfreak“ Flip und Hova in Bestform. Die Meute hatte prinzipiell was sie wollte, die Zugabe kam in Form des Dr Dre produzierten „Lost Ones“ sofort hinterher, wobei der Kanon lautete, dass der Beat zwar reichlich uninspiriert und formelhaft sei, hier aber ja vor allem den Versen gelauscht werden sollte, in denen unter anderem Damon Dash, die Beziehung zu Beyonce und der fatale Autounfall seines Neffen aufgegriffen wurden; wobei Chrissette Michelle im Chorus ihr bestes gab das ganze dennoch als Club- und Maybach-tauglich zu tarnen. Ungeachtet des Pitchfork-, Okayplayer-, Philaflava-, Sohh-, Ughh – Konsens war Jay nach der obligatorischen Leak-Overtüre bei mir 3/3, dementsprechend hohe Erwartungen hatte ich folglich auch an das Restprogramm von „Kingdom Come“. Ob diese erfüllt wurden? Ja und nein. Der Opener fährt die allseits geliebte Soundästhetik von „Blueprint“ auf, lässt Madlib Fans aber etwas verstimmt zurück, da sich Jigga einfach die Freiheit nahm, dessen „Axe Puzzles“ zu borgen und dieses anschließend von einem Niemand namens B-Money etwas digital aufpäppeln zu lassen. Dennoch 2.44 Minuten Hitze für all die, die dies verzeihen können und mit Gurus „You can’t own no loops“ – Philosophie d’accord sind. Das von ?uestlove treffend als „Hovi Baby on stereoids“ bezeichnete „Oh my god“ ist gefährlich nahe dran, das Hip Hop Äquivalent zu dickeirigem Stadionrock zu sein, kriegt aber noch die Kurve bevor sich ein ausdauerndes Gitarrensolo von Slash dazugesellt. Insgesamt dann doch genau die Portion „Larger than Life“-ness die Jay zusteht und nach wiederholtem Hören auch die Hymne, als die sie von vornherein geplant war. Mit „Do you wanna ride“ später ein seltsam unspektakulärer Kanye Beat, der aber auch dank John Legends Crooning gut ins Ohr geht. Das folgende „30 Something“ ist die Blaupause dafür, wie der allseits geforderte Swagger auch mit Mitte/Ende 30 noch umgesetzt werden kann. Quotables an allen Ecken und Enden und der Beweis dafür, dass man auch wenn man mit Mandela diniert, eines der wichtigsten Labels der Welt leitet, alle Maybachs besitzt und sich ein Basketballteam zum Zeitvertreib kauft, den stets grindenden New Era Mixtape-Thug aus Bedstuy noch in seinen Bann ziehen kann, obwohl man sich gerade dreieinhalb Minuten über ihn lustig gemacht hat.„I made it“ huldigt noch mal Mama Carter bevor dir zwei schlicht nicht auszuhaltende Nummern 8 Minuten deines Lebens klauen, die es nicht wieder zurückgibt. „Anything“ ist vielleicht sogar das nervtötendste Stück Strip Hop Musik aller Zeiten. „Trouble“ versöhnt dann wieder etwas, obwohl hier Dre wieder einmal eher Stangenware auffährt und sich einfach mal selbst bitet. Der Remix zum „Outta Control“ Remix sozusagen. „Dig a Hole“ watscht in überragender Arroganz beiläufig die Herren Jim Jones und Cam’ron ab, beweist aber schmerzlich, warum Swizz Beatz nie ein Casiokeyboard hätte geschenkt bekommen dürfen. Kurz vor Schluss gibt’s mit „Minority Report“ etwas bemüht wirkende Kommentare zum Katrina-Desaster über einen unangenehm nach Eminem klingenden Beat, bevor „Beach Chair“ noch mal ein glänzendes Highlight setzt und vermutlich dazu führen wird, dass es in 2007 totschick sein wird, einen Chris Martin (genau: Coldplay, nicht Gang Starr) Beat auf seinem Album zu haben. Summa Summarum 2 ½ Totalausfälle, 3-4 Mal pure Magie, 7-8 Mal gepflegtes Breitwand Entertainment und einen Platz im gehobenen Mittelfeld der eindrucksvollen Carter’schen Diskografie. Muss ja nicht jedes Mal „Reasonable Doubt“ oder „Blueprint“ sein, „so necessary“ isser nämlich immer noch, der (nicht mehr ganz so „younge“) Hova. F.Aigner |

