|
|
Dieser Typ ist unfassbar: Nicht genug, dass er seit Jahren das einzige Clanmitglied ist, das es noch gebacken kriegt kontinuierlich Alben abzuliefern, die WÜRDIGE Ergänzungen zur Wu- Diskographie darstellen.
Nicht genug, dass er die Dreistigkeit besitzt, seit Jahren Soulklassiker nicht einfach nur samplen zu lassen, sondern komplett über diese drüberzurappen und dass das dann tatsächlich wie der Weisheit letzter Schluss klingt.
Nicht genug bereits ein, allerorts als eines der drei besten Hip Hop Alben des Jahres gehandeltes, kleines Meisterwerk namens „Fishscale“ veröffentlicht zu haben und darauf Next Level Storytelling vom Schlage „Shakey Dog“ oder „Underwater“ zu zelebrieren.
Nicht genug, mit der Ankündigung von „Swift & Changeable“ seit gut 2 Jahren das Internet Nuts gehen zu lassen.
Nein, Ghostface rotzt noch ein (gefühltes) Mixtape, das 90% der anderen VÖs im Jahre 2006 in den Schatten stellt, hinterher. Und all das obwohl die Verkaufszahlen von „Fishscale“ für Def Jam Verhältnisse doch eher mau waren.
Rein ins Vergnügen: Nach anderthalb-minütigem Introblahblah geht einem eine vertraute Bassline straight into Magengrube. Die Drums gesellen sich dazu und Ghostface flext sich fast 4 Minuten derart furios durch Rakim’s „Know the Ledge“, dass die Kinnlade beim anschließenden „Miguel Sanchez“ noch derart offen steht, dass man Gefahr läuft Trifes und Ghostface Juniors (Sun God) mehr als solide Verse zu verpassen. Letzterer wird vom Ironman im Übrigen äußerst charmant mit „this nigga came out my dick“ vorgestellt.
Dann Roll Call mit Cappa, Trife und Killa Sin auf einem der fiesesten Doom Herbs überhaupt. Hier offenbart sich auch ein kleines Manko von More Fish: Viele der Gäste, insbesondere alle Theodore Unit Mitglieder, die nicht Trife heißen, sehen neben Ghost Deini dann doch eher wie die Weed Carriers aus, die sie wohl auch sind. Besonders deutlich wird das, wenn Shawn Wigs den Ring entern darf und auf „Gotta hold on“ (mit Eintagsfliege Eamon), „Greedy Bitches“ und „Pokerface“ im besten Axel Schulz Stil ganz hart abkackt.
Aber weiter im Text. Numero 4 („Outta Town Shit“) fährt einen wesentlich zurückhaltenderen Beat von Lewis Parker auf, der Ghostfaces Ausführungen sehr geschickt akzentuiert und atmen lässt.
Danach eine der obligatorischen nach Airplay haschenden Nummern („Good“), die aber dank der Dynamik der Verse und einem akzeptablen Beat durchaus klargeht.
Als nächstes der ganz harte Straßenscheiss. Up and coming producer Fantom of the Beat killt ein „Ain’t no sunshine” Sample der Jackson 5 und Ghost Sr. und Jr. demonstrieren eindrucksvoll wie New York wieder zurück auf die Landkarte gebracht werden könnte.
Gleich im Anschluss eines der absoluten Highlights: Auf „Block Rock“ bekommen wir endlich die bereits für Fishscale angekündigte Madlib & Ghost Kollabo und was passiert ist schwer in Worte zu kleiden: Nach einem kurzen Disco-Interlude haut Madlib einen unfassbar futuristisch zickenden Klumpen von einem Beat raus, irgendwo zwischen „Deep Space 9mm“ und Weltuntergang, während Ghost „Stream of Consciousness“- Wahnsinn a la Supreme Clientele spuckt. Unglaublich.
Über das folgende „Pokerface“ darf getrost der Mantel des Schweigens ausgebreitet werden, wobei der Beat per se in Ordnung geht, Wigs Ausführungen zu No Limit Texas Hold’em Poker dafür weniger. Unfreiwillig komisch das Ganze.
Für „Greedy Bitches“ wurde Redman aus dem Def Jam Vorruhestand geholt und ich bin mir nach seinem Gastspiel immer noch sehr sicher, dass ein neues Redman Album in 2007 eine feine Sache wäre.
Ob das von Hi Tek’s letztem Album bereits bekannte „Josephine“ zweitverwertet und um einem Trife 16er erweitert hätte werden müssen, lässt sich sicherlich bezweifeln. Dass es von der Qualität her auch hier kein bisschen abfällt, aber nicht.
Anschließend dann ein okayer Trife Solotrack mit Solomon Childs an der Hook, bevor mit dem Monster „Blue Armor“ erneut wieder die Abrissbirne zum Einsatz kommt und alles geplättet wird was nicht bei Drei auf den Bäumen ist
Der Motown Throwback – Soul von unserer Lieblingscrackhure Amy Winehouse, auf deren „You know I’m no good” Ghost gleich darauf gastiert, hätte hier oder bei den Briten mit dem richtigen Video und geschickter Promo , um mich mal in A&R Phantasien zu ergehen, durchaus das Potential zum Indie – Smashhit in der Tradition von „The Seed“ oder „Crazy“.
(Wem das so zusagt wie mir, MUSS sich im Übrigen unbedingt Frau Winehouses neues Album „Back to Black“ rauslassen).
Da die beiden letzten Tracks „Gotta hold on“ und der „Back like that“ Remix nun wirklich nur überflüssig sind, endet das Album für mich mit dem epischen „Alex“, für das Doom seine Signature Stotterdrums ausgepackt hat und uns endlich wieder mit einem nicht bereits veröffentlichten Beat beglückt. Der psychedelische Soundtrackvibe des Beats geht eine perfekte Symbiose mit einer der wirrsten Ghost Geschichten ever ein. Ein unglaublicher Abschluss, der die eh schon unfassbar hohen Erwartungen an „Swift & Changeable“ nochmals potenzieren sollte.
Insgesamt also viel Killer, bisschen Filler und die Tatsache es mit DEM Rapper des Jahres 2006 zutun gehabt zu haben.
F.Aigner
‘More Fish’ im HHV-Shop
|