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Richard Terfry (Buck 65), Hip-Hop Experimentalist aus der kanadischen Einöde und Joëlle Phuong Minh Lê (Greetings From Tuskan), mysteriös-nebulöses Electronic-Wunderkind aus der Hauptstadt Belgiens, haben sich niemals getroffen und werden dies auch in Zukunft vermeiden. Trennen tut sie nicht nur der Atlantik und einige tausend Kilometer Entfernung, sondern vor allem die entschiedene Auffassung, sich gerade durch die Distanz näher sein zu können als ohne. Zugegeben, es klingt nach einem dezent gestörten Verhältnis. Bekommt man jedoch mit “More Hearts Than Brains” das Erstlingswerk der beiden Avantgardisten zu hören, wird ersichtlich, dass die entstandene Einzigartigkeit der Kollaboration auf anderem Wege kaum eine Chance gehabt hätte. Nie zuvor in den vielen Jahren, die Terfry im Musikgeschäft mittlerweile auf dem Buckel hat, wirkten seine Verse so rein, so unverhohlen, so intim. Die vielmals gescholtene Anonymität des Internets beflügelt plötzlich die Intimität und Vertraulichkeit zweier Seelenverwandter und um mit Torch zu sprechen, ist schließlich „Unwissenheit die Basis von Philosophie“. Aus Brüssel werden nun die Beatskizzen per Datenfluss nach Kanada transferiert, wo sich Buck in seinem bequemen Ohrensessel in träumerisch-illusorischer Romantik verliert, um anschließend das vervollständigte Soundpaket zurück über das Weltmeer zu schicken. So in etwa muss man sich den Arbeitsprozess von Bike For Three! vorstellen. Rausgekommen ist dabei ein 15-Track starkes Album, dessen elektronische Produktionen die Wortgewalt Bucks in ein ganz neues, wie angegossen sitzendes Gewand kleiden und dessen Abneigung gegen Schubladendenken und langweilige Einlinigkeit zu teilen wissen. Die Beats der Belgierin mit vietnamesischen Wurzeln verbinden Downtempo-Strukturen mit aufpeitschenden „nach-vorn“-Momenten und klingen demnach nie gleich, nie monoton, immer gereizt und emotionsgeladen, facettenreich und stets intelligent zusammengesetzt. Somit folgen Bike For Three! ihrer ganz eigenen Philosophie von Hip Hop und scheinen mit ihrem Label Anticon, auf dem schon einige von Bucks Erstlingswerken erschienen, den idealen Partner zum Vertrieb ihres unkonventionelles Projekts gefunden zu haben. Auf dem Fahrrad für drei ist neben Buck und Joëlle noch ein Sattel frei geblieben, auf welchen nun, seit die Platte in den Läden steht, jedermann gerne aufspringen darf. Christoph Hermann |

