spacer
spacer spacer

K.I.Z.

»Sexismus gegen Rechts«

Das Berliner Sarkasmus-Quartett spaltet seit 2005 ganz Deutschland mit seinen extraordinären Polemik-Exzessen und der provokativen Selbstverherrlichung. Nach dem großen Durchbruch mit “Hahnenkampf” wollen Tarek, Maxim, Nico und DJ Craft nun mit ihrem dritten Album noch einen Schritt weiter gehen. Weniger Fleisch, mehr Politik. Der Titel “Sexismus gegen Rechts”, der letzten Veröffentlichung auf dem legendären Royalbunker Label, brach schon vor dem Release eine Lawine der Diskussionen an. Doch der einzige Aspekt gegen Rechts spiegelt “Straight Outta Kärnten” wieder, der wohl gewagteste Track der Satire-Könige. Auch wenn der Großteil der Tracks dem Albumtitel nicht ganz angemessen darstellt, steht dem Hörer ein weiteres Bombardement Schwarzen Humors bevor.
Trotz des auffallenden Zuwachs an Gesangseinlagen gibt es durchaus Parallelen zum Vorgänger. Die sozialkritische Auflehnung im Zusammenspiel mit zynischen Sinnbildern von “Wenn es brennt” wird auf “Selbstjustiz” entschärfter re-released. “Einritt” ist dementsprechend der Nachfolger von “Pogen”, genau wie “Preisschild” der von “11. Plage”. Auch wenn die Produktionen nicht weit vom Vorgänger abweichen, gibt es einige Ausflüge in andere Regionen. So bescheren uns die vier Stimmungskanonen mit “Halbstark”, und dessen noch humorvolleren Tai Jason Remix, einen Sommerhit als Cover Song der Yankees aus den 60er Jahren. Die Chaoten freuen sich auf den Punkrock-Abreißer “Klopapier” und mit “Hurensohn Episode 1” wird eine alte Tradition fortgesetzt. Besonders die metaphorische Offenbarung mit Sido über das kleine Stück des Mannes und die R’n‘B Persiflage “Ringelpiez mit Anscheißen” lassen keine Superlative dieses maßlosen Humors mehr finden.
“Ich kann mich bis heute nicht zwischen Wu-Tang und Metallica entscheiden.” definiert das musikalische Gedankengut im sentimentalen Teil des Albums am besten, bis zum Schluss mit “Töten” eine typisch K.I.Z.‘sche Zerstörung nochmal alles demoliert.
Leider zünden einige Tracks nicht richtig, wer sich also zu sehr an “Hahnenkampf” krallt, wird eine Eingewöhnungsphase brauchen. Letztendlich haben die “Klosterschüler im Zölibat” hiermit aller Wahrscheinlichkeit nach die umstrittenste, aber auch einer unterhaltsamsten Platten des Jahres in die Umlaufbahn geschossen.

Tony Kunstmann

‘Sexismus gegen Rechts’ im HHV-Shop