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_Nachdem wir im letzten HHV-Magazin die Lieblings-Vinyl-Stories von Alex Barck und Stefan Leisering von Jazzanova vorgestellt haben, verschlägt es uns dieses Mal in die Welt des Hip-Hop-Journalismus: Mit Falk »Hawkeye« Schacht und Dennis Kraus geben die Macher von »Mixery Raw Deluxe« und der Backspin ihre Geschichten zum Besten.
Falk „Hawkeye” Schacht Isaac Hayes »Tough Guys O.S.T.«, Stax 1974 Anfang der 1990er Jahre gab es einen »Ramschmillionär« namens Werner Metzen, dessen Resterampekette sich über ganz Deutschland erstreckte. Er vercheckte Sonderposten und Konkursware zu Tiefstpreisen und brachte es damit auf einen weißen Rolly Royce und ordentlich Bling am Körper. Seine Berühmtheit wurde u.a. auch dadurch gesteigert, dass er einen grenzdebilen Hohenzollernspross mit einem verantwortungsvollen Job im Logistik-Bereich betraute (er durfte bei Metzen fortan Ware von links nach rechts schieben). So besuchte ich aus Neugierde den ersten Ramschmarkt meines Lebens in meiner Heimatstadt Hannover. In erster Linie an Artikeln vorbeischlendernd, die kein Mensch braucht, sehe ich plötzlich einen ca. 1,20 Meter hohen Container mit rund zwei Quadratmetern Grundfläche, dessen Seitenwände aus Gitter waren. Der Container war von unten bis oben voll mit Vinyl. Gekrönt wurde der Stapel von etwa 200 LPs des »Tough Guys«-Soundtracks von Isaac Hayes, und Herr Metzen wollte wirklich nur 50 Pfennig pro Platte. Ich bin mir sicher, dass er das Vinyl zu einem unsäglich geringen Kilopreis gekauft hatte. Ich war 19 Jahre jung, unschuldig und kaufte in völliger geistiger Umnachtung genau EINE Platte. Zuhause stellte ich dann voller Stolz fest, dass ich das Sample zu Geto Boys‘ »Mind Playing Tricks On Me« gefunden hatte. Rund ein Jahr später war ich dann mit dem Blitzmob in Dessau, wo die Jungs einen Auftritt in einem Freibad hatten. Rick Ski baute damals einen Verkaufsstand auf – er betrieb zu der Zeit den Toxic Underground Equipment-Vertrieb. Als er seinen Plattenkoffer öffnete, kam als erste Platte der »Tough Guys«-Soundtrack zum Vorschein – zum Preis von 25 D-Mark. Innerlich schrie ich »NEIN«, so wie es Homer Simpson tun würde. Am nächsten Tag suchte ich sofort wieder Metzens Billigschuppen auf – natürlich waren alle Platten weg.
Dennis Kraus Wolfgang Maus »Children Of The Universe«, EMI Electrola 1979 »Children Of The Universe« habe ich in den letzten Monaten immer wieder zu Hause aufgelegt und zunehmend schätzen gelernt. Ich bin ein Freund schöner Klänge und dieses von Bassist Wolfgang Maus (so heißt er wirklich) produzierte Album ist gerade auch in der Hinsicht ein echter Leckerbissen. Aber nicht nur – Songs wie »Time And Space« oder »Children Of The Universe« sind wunderbar zeitlos und könnten, mit anderen Drumsounds bestückt, vom Ding her auch gestern irgendwo entstanden sein. Kennengelernt und bekommen habe ich die Scheibe durch meinen Kollegen Mitch Mackis. Der Typ handelt mit Platten und hat ein unglaubliches Talent, extrem seltene, bekannte wie unbekannte Knaller-Alben zu Kleinstpreisen aufzutun. Regelmäßig hält er mir irgendwelche Cosmic-, Disco, Soul-, Rock- oder Was-weiß-ich-was-Alben unter die Nase, die er für ein paar Euro gekauft hat und für astronomische Summen wieder losschlägt. Da er derzeit selbst keinen Plattenspieler hat, landen viele der Platten zum Abhören erst Mal bei mir. Ich darf gar nicht daran denken, was für derbe Scheiben schon auf meinem Plattenteller gelegen haben, um am Ende an irgendwen verkauft zu werden. Aber ich sehe einfach nicht ein, für eine Platte 100 Euro und mehr zu zahlen – egal wie geil sie ist. So freuen sich eben irgendwelche Sammler aus Japan und sonstwoher über seine Entdeckungen. Von dieser unglaublichen deutschen Scheibe, die sich irgendwo zwischen Disco, Jazz und Soul bewegt und wegen ihrer englischen Vocals locker als UK- oder US-Produktion durchgehen würde, hatte Mitch aber gleich ein paar. Eine davon hat er mir geschenkt. Realisierung: Jan Simon |



