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Elefantenrunde im Mai. Em, Busta, Meth & Red, Cam alle wollen sie, aber nicht alle konnten die Erwartungen erfüllen. In Rucksack-Hausen atmet man dank Finale, Big Tone, Torae, Grouch & Eligh oder Tanye Morgan auf. Beats gibt’s auch, Paul White und Testiculo Y Uno sei Dank. Ubiquity beansprucht die Funk/Soul/Jazz-Sektion fast für sich alleine und alle Discoschwofer werden dank Dimitri from Paris, Faze Action, John Daly, Babla, Buari und dem norwegischen Traumpärchen Lindstrom & Prins Thomas auch glücklich. Dazu die Exkursionen von Laurent Garnier, Nathan Fake, Luke Hess und The Field, die morbide Louderbach-Platte, der clevere Pop der Junior Boys oder Phoenix und wir haben einen Monat hinter uns, auf den man sich über den Grill hinweg durchaus mal ein “Prösterchen” zuwerfen darf. Hip Hop Hausen:
Steigen wir ein mit Herrn Mathers. Eminem ist und bleibt ein extrem talentierter Rapper, daran ändert auch “Relapse” nichts. Im Gegenteil, Em rappt sich hier sogar ziemlich oft den Arsch ab – gerne leider mit einem bizarren Akzent, gedoppelten Gräuel-Hooks und Beats von Dre straight outta Comfort Zone. Auch für Ü-20er noch leicht genießbar ist “Blackout 2”, Album Nummer Zwo des erprobten One/Two-Punchs Method Man & Redman. Die richtigen Wolkenkratzer fehlen dieses Mal leider etwas, aber unterm Strich bleibt ein durchweg solides Album, auf dem die beiden Kindsköpfe so viel Spaß haben wie eh und je und sogar Platz machen für eine gekonnte Chopped & Screwed-Sause mit UGK. In Ordnung geht auch Busta Rhymes und “Back on my B.S.”. Ganz anständige Mischung aus organischen Funk-Loops und synthetischen Pharrellismen. Aber halt, wie es sich für ein Major Label Album gehört, auch mit massiv Füllmaterial.
So, weiter mit Cam’Ron auf den ich mal wieder nix kommen lasse. Klar, die Produktionskosten von “Crime Pays” dürften sich etwa auf 35 Dollar, 3 Kilo Gras und einen All You Can Fuck-Gutschein für die beteiligten No-Name-Produzenten belaufen haben, aber was kratzt mich ein weiterer Presets-Klumpen wenn der Chef Sachen wie “I’m Roof/Ruth-less like Eazy-E” ins Mikro bellt. Wobei, ein weiteres “Get Down” oder “357” wäre schon schön gewesen. Hätte man vielleicht mal in Toronto bei Marco Polo anklopfen sollen. Genau das tat Torae und prompt hat er ein majestätisch stampfendes New Millenium Bap- Brett von Album für Duck Down am Start. “Double Barrell” ist natürlich volle Lotte anachronistisch, aber das ist schließlich nur manchmal verkehrt. Nochmal klassischer Scheiss und zwar von einem mir bisher gänzlich unbekannten Typen aus dem großen D namens Finale. Der macht seine Sache auf “A Pipe Dream & A Promise” sehr gut, die wirklichen Hinhörer liefern aber seine Zuarbeiter hinter der MPC. Flying Lotus, M-Phazes, Black Milk, Kev Brown, Nottz und the late great J Dilla – viel mehr geht in der Sparte nicht.
Überhaupt scheint der Frühsommer eine gute Zeit für die Rucksack-Fraktion zu sein. Big Tones “The Art of Ink” ist wesentlich weniger schlafinduzierend als dessen Debütalbum vor gut 4 Jahren und gerade produktionstechnisch für einige Hinhörer gut. Und weil der Warenkorb gefüllt werden will, hat auch Tanya Morgan und “Brooklynati” seine Daseinsberechtigung. Traditionsverbunden und ein bißchen zu gefällig für mein Gusto, aber die Synthi-Allergie-Fraktion schwört drauf. Unkontrollierte Jizz in my Pants-Attacken dürfte das ausgezeichnete Soulbrotha “Collector’s Item” bei allen Herren auslösen, die täglich ihre Pay Day Maxis auf Staub untersuchen. Sehr schöne Sache featuring so einiges was vor 10 Jahren noch einen Namen hatte und deren Weed Carriers.
Rüber an die Westküste zu Grouch & Eligh. “Say G & E” muss man dufte finden weil die a) über hhv erscheint und b) Flying Lotus und Blu featured. Bevor mir hier jetzt mangelnde Objektivität vorgeworfen wird, schnell weiter nach Japan. Dort legt Kero One mit “Early Believers” wieder mal ein Album vor, das Soul, R&B, Funk und Hip Hop fusioniert und trotz fähiger Mitarbeiter irgendwie nicht Recht in Tritt kommen will. Sofort präsent sind Testiculo Y Uno aka Twit One und Hulk Hodn, mit deren “Hi Hat Club” MPM seine neue Beattape-Reihe launcht. Dreckig, rau, sample-lastig und sure to be eingetütet.
Noch beeindruckender ist “The Strange Dreams of Paul White”, eine furiose Beat-Exkursion des Engländers Paul White, der sich eindeutig von den Herren Yancey und Jackson inspirieren ließ, dabei aber die neue englische Schule nie aus dem Blick verliert. Tolles Debüt. Zum wiedergenesenen Vadim und “U can’t learn Imaginashun” muss sich noch jemand in der Review-Sparte austoben, ich will mir da nach 3 Minuten Snippets-Geskippe noch keine Meinung anmaßen. Außer vielleicht, dass “Beijos” ohne Gypsy Kings-Geheule eine Sensation von einem Beat wäre. Mittlerweile sind wir fließend in soulige Gefilde übergesiedelt, wo Alice Russell mit “Pot of Gold” weiterhin das macht, was sie schon immer machte und was einige ihrer besser vermarkteten britischen Kolleginnen zu Millionärinnen gemacht hat. ******************************************************************** Und sonst so:
Booker T erreicht zwar nicht unbedingt die Klasse seines Altersgenossen Al Green, aber “Potato Hole” ist ein passables Update seines klassischen Hammond-Funks der späten 60er. Funky geht auch Nino Moschella zu Werke, auf “Boom Shadow” deutet er aber auch immer wieder dezente Broken-Breat-Fragmente an und räumt Vocals viel Platz ein. Nicht so meine Baustelle, aber die Ubiquity-Dauerkartenbesitzer dürften zufrieden sein. Die Schönheit dicker Bläser führt uns das Hypnotic Brass Ensemble mal wieder vor Augen. Muss man vermutlich live sehen, aber auch auf Platte eine Riesensache.
Viel geblasen (no pun intended) wird auch auf Nomos “Invisible Cities”, wenngleich hier mehr arty-fartiness durchklingt als beim Hypnotic Brass Ensemble. Schon schön. Noch jazziger wird’s dann bei Robert Mitchell 3IO, der mit “The Greater Good” Gilles Peterson schwer begeistert hat, mir aber mit zu viel Barjazz und einem Hang zu Downbeat-Gedudel etwas die Energie aussaugt. So, Reissue-Time. Buaris “Disco Soccer” aus dem Jahr 1977 wurde wiederveröffentlicht und klingt in etwa wie ein Mayfield Soundtrack mit dickem Foxtrott-Gestampfe drunter. Gei-eeeeel, aber was hat das mit Fußball zu tun?
Noch superer ist dann gar Babla & His Orchestra und “Babla’s Disco Sensation”. Die wurde auch frisch re-ge-issued und “Ghar Aya Mera Pardesi” dürfte aufmerksamen Disco und Breaks-Nerds u.a. als Intro zu Metro Areas immer noch sensationellem Fabric Mix bekannt sein. Psych-Bollywood-Disco, geiler geht nicht. Ebenfalls discoid geht wieder einmal Dimitri from Paris vor. “Disco Trippin” widmet sich der Kunst des frühen Dub-Mixes. Viel Synth-Pop auch dabei und wer hätte gedacht, dass selbst Wham! im Dub-Mix plötzlich spielbar werden. Die Kollegen von djhistory.com lassen hingegen neue Kräfte an altes Material ran. “Le Disco: Telemusic Remixed” betraut Edit-Größen wie die Idjut Boys, Faze Action, Mark E, Prins Thomas oder Toby Tobias mit dieser Arbeit und auch wenn das nach 19 Tracks etwas zu gefällig wird, durchaus ein gelungenes Unterfangen.
Apropos Faze Action: die legen außerdem ein Album namens “Stratus Energy” vor, aus dem vor allem die Single “Goodlovin” mit großartiger Percussion heraussticht. Housiger und deeper geht es in John Dalys Disco-Kosmos zu. “Sea & Sky” verbindet den Zeitlupen-Zugang eines Mark E mit dem kosmischen Chic von Lindstrom und trifft damit zumindest bei mir ziemlich ins Schwarze. Letzterer kollaboriert auf “II” erneut mit Busenfreund Prins Thomas und heraus kommt ein vergleichsweise trippiges und introvertiertes Krautrock-meets-Balearic-Disco-Epos, für das man sich 80 Minuten freischaufeln sollte.
Noch eklektischer gibt sich die französische Legende Laurent Garnier auf “Tales of a Kleptomaniac”. Hypno-Techno, tiefer House, dezente Dubstep-Anleihen, Tribal-Percussion, Hip Hop Beats und Gast MCs – a true Wundertüte. Schmeckt nicht alles geil, aber satt werden tut hier jeder. Etwas geradliniger als erwartet legt Nathan Fake auf “Hard Islands” los. Natürlich ist das alles hier immer noch mehr Aphex Twin als Jeff Mills, aber ab und an verlässt der IDM-Posterboy auch mal all zu verschlungene Pfade und brettert los. Klingt nach frühem Warp und das geht immer als Kompliment durch. Eine ähnliche emotionale Tiefe weisen die Dub-Techno Exkursionen von Luke Hess auf. “Light in the Dark” ist relativ straight und dennoch weit davon entfernt bloßes 4×4 Futter zu sein.
So, wir bleiben bei maschineller Wärme. Kritikerliebling The Field stellt sich mit “Yesterday & Today” der schweren Aufgabe nach “From here we go sublime” keinen Knick in der Formkurve diagnostiziert zu bekommen, was ihm beinahe gelingt. Besonders das versponnene Cover “Everybody’s got to learn sometime” hat es mir ziiiiiiemlich angetan. Bisweilen erinnern die flirrenden Arrangements gar an einen floor-fixierteren Four Tet. Leider kalt lässt mich Kiki und “Kaiku” auf Bpitch Control. Ziellos programmiert sich der Wahlberliner einmal quer durch die Tech/House-Zitateküche und ist dabei etwas zu bemüht auch das Wohnzimmer nicht aus den Augen zu verlieren. Meh. Bessere Arbeit liefern Troy Pierce und Gibby Miller ab. Der Louderbach – Zweitling “Autumn” klingt als hätten Joy Division ihre Gitarren fallen gelassen und wären nach Berlin gezogen. Morbider Synth-Pop kombiniert mit Minimal-Sensibilitäten. Warum das ausgerechnet zu dieser Jahreszeit veröffentlicht wird, weiß keiner, bleiben tut aber ein tolles Album für die Heizkörper-Saison.
Apropos Synth-Pop: Wer da 2009 vom State of the Art faseln will, kommt an “Begone Dull Care” aka Album Nummer Drei der Junior Boys nicht vorbei. Ganz groß. Quer durch die Cheese-Historie zitieren sich anschließend die Chicks on Speed, wobei sie sich auf “Cutting the Edge” keinen Gefallen mit dem Format getan haben. 2 CDs voll plakativen Ironisierens sind dann doch etwas zu viel. Auf 40 Minuten getrimmt macht das aber durchaus immer noch Spaß. Noch plakativer geht es erwartungsgemäß auf Bloc Party “Remixed” zur Sache. Besonders der bratzige Dreischlag zu Beginn lässt einen im Heimtest ausgelaugt zurück, aber wer will schon Villains und Herve Remixes hören, während er Nudeln kocht? Also mea culpa und alle die noch Gassenhauer-Material für die nächste Indie-Dance-Party suchen, dürften hier glücklich werden. Auch wenn vieles hier ganz schön nach “Anschlusszug verpasst” klingt.
In Sachen Phoenix traue ich mich dann mal zu prophezeien, dass es fast unmöglich sein dürfte “Wolfgang Amadeus Phoenix” nichts abgewinnen zu können. Das ist schließlich lässiger, abgeklärter und vor allem zeitgemäßer Pop mit einem unwiderstehlichen, discoid-funkigen Groove. Und der Beweis, dass es für The Whitest Boy Alive doch noch Konkurrenz gibt. Schraddeliger gibt sich Jarvis Cocker auf “Further Complications”. Cocker holt sich Steve Albini ins Boot und verschreckt die Harmonie-Suchtis mit rauher, manchmal fast noisiger Rockmusik. Weiter mit der, nach Animal Collective, wohl meist gefeierten Weird-Folk-Combo Grizzly Bear. Wie schreibt Kollege Hinz: “»Veckatimest« ist eine Liebeserklärung an das vom Aussterben bedrohte Format des Albums. Was hier von Ed Droste, Daniel Rossen, Chris Taylor und Christopher Bear über mehrere Ebenen an Verweisen, Querverbindungen, Seitensträngen, Motiven und Wiederaufnahme von Motiven, an Simplizitäten und Kunstvollem geboten wird, lässt sich nicht in vier Minuten vermitteln.”
Vielleicht noch einen Tacken seltsamer geriert man sich bei Black Dice. “Repo” ist eine noisige Kollage aus Gitarrenschlieren, verhuschten Samples, nonchalanten Vocals und WahWah-Wahnsinn. Weniger unbequem kommt Herrn Herrens drittes Savath & Savalas Album über Stones Throw daher. “La Lama” ist schön Psych-lastig – ein Umstand der dazu beiträgt, dass sich das Album nicht in ätherischer Ambient-Schwelgerei und Downtempo-Romantik verliert. Ambient kann auch als Stichwort für Coldplay-Producer Jon Hopkins und dessen Solodebüt “Insides” benutzt werden. Aber natürlich passiert hier noch mehr. IDM/Warp-Electronica, Singer-Songwritertum, fragile Beats – viel drin, für mich aber summa summarum nicht ganz zwingend. Hoffentlich liest das der Langenfeld nicht, der schwört nämlich drauf.
Und nochmal Electronica: Die Compilation “Not Given Lightly” auf Morr Records nimmt sich satte 2 Stunden Zeit um den Trademark-Sound des Labels herauszuarbeiten. Für Frickel-Romanciers sicher ein Traum. So, gen Ende ziehen wir das Tempo nochmal an, zunächst mit Album Nummer drei des Bierbebens. Indie-Dance-Punk und Electro-Pop auf Shitkatapult mit hochrangigen Gästen und cleveren Lyrics. Ganz nett für’s Küchenradio. Abschließend poliert uns Caspa mit seinem Trademark Proll-Step noch ordentlich die Fresse. “Everybody’s Talking Nobody’s Listening” wobblet ziellos vor sich her und klingt ärgerlicherweise auch sehr billig. Ein Album, das Zyniker leider genug Zündstoff liefert ihre “Dubstep brettert sich in die Bedeutungslosigkeit”-Diffamierungen an den Mann zu bringen. Dass die vermutlich noch nie eine Hessle Audio oder Apple Pips-Platte gehört haben, weiß ja keiner. ******************************************************************** Playlist: Zum Schluss noch die Aigner’sche Playlist. Disco-Grooves, Wackeldackel-Hop, lässiger House und viele Edits – Sommer halt: 1) John Talabot – Korlee kaufen ******************************************************************** ******************************************************************** ******************************************************************** |
















