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Booyaka, gleich noch ein starker Monat. Kaum Totalausfälle (minus Mstrkrft), mit DOOM ist unser aller bester Freund zurück, Exile zerlegt gnadenlos seine MPC, Huss & Hodn sind dem Druck gewachsen, Michachu wird das Thema des Frühjahrs, Martyn und Fever Ray brillieren, Omar-S und Innervisions mischen furios und sogar Fans von Lagerfeuer-Romantik und Garagen-Rock werden bedient. Und in der wie immer kräftig Kraut & Rüben in der Salatschüssel durchschleudernden Playlist gibt es von tiefhausigem Afrobeat-Wahnsinn über dick auftragende Disco-Stomper bis hin zum Glitch State of the Art auch wieder alles das wo volle geil ist. Mahlzeit! Hip Hop Hausen:
DOOM – all capitals no trick spelling – ist zurück und schon nach 60 Sekunden wird allen schlagartig klar, warum die letzten vier Jahre bisweilen so dröge waren. “Born Like This” ist eine Skizzensammlung, so etwas wie die Mixtape-Version von “MM Food”, und dennoch hat sie schon jetzt einen Podestplatz in der Sprechgesangssaison 09 gepachtet. Review folgt in Kürze. Wen ich zumindest fast annähernd so doll vermisst habe (HDGAL-Sprech for the win) ist Dwight Farrell, der schon Ende letzten Jahres in Miniauflage ein weiteres Count Bass D Album namens “L7 (Midlife Crisis)” veröffentlicht hat, welches ich zwar seit Monaten beständig höre, aber hier irgendwie immer vergessen habe zu erwähnen. Ein grober Schnitzer, wenngleich es den genialischen “Dwight Spitz” oder “Act your waist size” nicht ganz das Wasser reichen kann. Ebenfalls großes Tennis zelebriert Exile auf seinem Instrumentalalbum “Radio”. Natürlich schuldet auch das wieder viel der Doppelspitze Yancey/Jackson, aber man kann sich nun wirklich von schlechteren Handwerkern inspirieren lassen. Und genau wie ein Dilla oder Madlib Beattape läuft auch “Radio” durch wie ein ausgewachsenes Konzeptalbum. Pflicht!
Weiter geht’s mit Brother Alis EP “The Truth is here”, die mit ihren 9 Tracks durchaus als Album durchgeht. Nun hat Hip Hops Heino (die Alliteration musste bei aller Geschmacklosigkeit sein) leider das Problem, dass der Aigner weder seine Stimme noch die übermäßig engagierte Delivery so richtig abkann. Da der Aigner damit aber eh ziemlich alleine dasteht, heißt der Sieger hier eindeutig Ali. Bessere Noten bekommt da schon Saigons Organ. Der hingegen hat entweder das Problem, dass Just Blaze mal wieder seine Xbox für wichtiger als “The Greatest Story never told” hält oder Atlantic ihn zum transatlantischen Sklaven macht. Konsequenterweise macht sich Herr Entourage einfach mal mit Statik Selektah Luft und zwar in Form des in 24 Stunden hingerotzten “All in a day’s work”. Das ist aber überraschend hörbar geworden und zementiert nebenbei auch Statik Selektahs Status als einer der besten Beatbauer über die nun wirklich keiner redet. Durchaus vorsichtig muss man erfahrungsgemäß bei diesen ganzen posthumen Geschichten sein. Da aber mit Bun B eine zurechnungsfähige Instanz zwischen Label und Pimp C vorhanden war, ist UGK – “UGK 4 Life” eine sehr ordentliche und nie fleddernde Angelegenheit geworden. Nicht ganz so dicht wie insbesondere die erste CD des Vorgängers oder frühere Glanztaten, aber allein dieser Monster-Possecut “Used to be” ist schon bemerkenswert genug. Angenehm pietätsvoll, das Ganze.
Gleich weiter zum nächsten legendären Duo. Camp Lo halten sich mit dem Mixtape “Stone and Rob: Caught on tape” souverän über Wasser. Sogar Styles P und Pete Rock strampeln mit. Gebt denen ein angemessenes Budget und die hauen nochmal ein Uptown Saturday Night raus. Und die nächste Bromance folgt auf dem Fuss. Huss & Hodn melden sich mit “Der Stoff aus dem die Regenschirme sind” und der Analyse “Hip Hop ist wie Hitlerjugend/Eine Bewegung die im Stillstand ausartet” zurück. Natürlich ist das ziemlich genau “Jetzt schämst du dich” Pt.2 aber alles was das Debüt auszeichnete, findet sich auch auf dem Nachfolger. Anachronistisch, ehrlich und immer noch so necessary. Wir bleiben in Poldi City. Das Fleur Earth Experiment legt mit “Soul des Cabots” seinen ersten Longplayer vor und was für die letztjährige EP galt, gilt auch heute: unpeinlicheren, tief im Hip Hop verwuzelten, Soul in deutscher Sprache hatten wir seit – ääääh – eigentlich noch nie. ******************************************************************** Und sonst so:
Dälek waren mir stets etwas zu bemüht und anstregend. Und weil auch “Gutter Tactics” klingt wie eine überfrachtete El-P meets Trent Reznor – Operette, wird sich daran in absehbarer Zeit auch nichts ändern. Bisweilen kann auch “Black Diamond”, das Debüt der omnipräsenten Kudoro-Sensation Buraka Som Sistema, mit seinem ADS-Habitus die Nervenstränge etwas überreizen, aber tief im Herzen ist “Black Diamond” eh mehr Single-Compilation als Album. Das macht aber nüscht, wenn man Hits wie die Posse-Cut Dampfwalze “Sound of Kudoro”, das völlig irre “Kalemba” oder “Yah!” im Gepäck hat. Natürlich eher “With Lases” als “Kala”, aber das reicht ja schon. Kommen wir zu Unerfreulichem. “Fist of God” ist ein Dokument der Aoki-sierung amerikanischer Tanzmusik, ein seelenloses Hochglanzpaket voll mit peinlichen Allgemeinplätzen, billigen Presets, der immer gleichen Synthie-Melodie und unausgegorenen Rapbeiträgen. Immerhin aber machen die Vorboten des Unheils, das urkomische “Bounce” und der Nascar-Electro von “Vuvuvu”, immer noch Spaß. Der Rest ist Redundanz.
Eine wesentlich bessere Figur in der Bratz-Sparte macht da schon Zombie Nation, der sein mittlerweile sechstes Album “Zombielicious” mit allerhand angefunkten Disco-Sperenzien auflockert und vor allem mit “Seas of Grease” fast schon an Oizos “Patrik 122” anknöpfen kann. Sehr sauber produziert das Ganze und selten so Abfahrts-geil, dass das zuhause gar keinen Sinn mehr machen würde. Eine zwiespältigere Angelegenheit ist Royksopps drittes Album “Junior” geworden. In den schlechteren Momenten übermotivierter Euroravepop, dann aber auch immer wieder mit lichten Momenten wie den Kollaborationen mit Karin Dreijer Andersson (The Knife, Fever Ray) oder Lykke Li. Und das fast Moroder-ige “Royksopp Forever” erinnert dann fast wieder an die Zurückgelehntheit des Debüts. Und gleich nochmal Ravepop. Filthy Dukes’ “Nonsense in the Dark” ist ein okayes 80s-Derivat, ergänzt um dicke Synth-Wände und einen unbändigen Rampensau-Willen. Gut für einige veritable Gröhlmomente, aber so richtig brauchen tut man das nicht.
Cleverer gehen es da schon Whomadewho an, deren “The Plot” gerade für die Indiekid-turned-Tanzflurderrwisch-Meute so einiges hergibt, ohne dabei jemals ins Formelhafte abzudriften. Ich bevorzuge die Remixes, aber das hatten wir ja schon. Weiter geht’s mit der vielleicht seltsamsten Pop-Platte des Frühjahrs. Michachu nennt sich die britische Dame, “Jewellery” ihr, von Chefexzentriker Matthew Herbert inszeniertes Album. Die Genre-Schublade bleibt für’s erste geschlossen, hilft eh nur reinhören. Lohnt sich – sagt jeder und ich auch. Apropos ‘seltsam’: das war Karin Dreijer Andersson eigentlich auch schon immer. Die krude Mischung aus Mystizismus, bösartigem Techno, kryptischer Lyrik, Feminismus und großartigem Pop-Songwriting machte schon The Knife zu einem der bedeutsamsten Acts des noch jungen Jahrtausends und auch ihr Soloalbum als Fever Ray fesselt wieder von Beginn an. Etwas weniger 4×4-lastig als im Verbund mit ihrem Bruder geht Frau Andersson hier zu Werke, ohne jemals ihre elektronischen Wurzeln aus dem Auge zu verlieren. Ein klaustrophobisches, aber schönes Album.
So, weil es gerade passt, werfen wir einen Blick in die elektronische Mix/Compilation-Kuschelecke. Besonders hervorgetan hat sich dort DJ Koze mit seiner, schon ausgiebig gefeierten Remix-Schau “Reincarnations”. Aber auch der von einem Kollegen einigermaßen treffend als der J Dilla der Housemusik bezeichnete Omar S weiß mit seinem Beitrag zur Fabric-Reihe zu begeistern. Vor allem dann, wenn man erst später auf das Großmaul aus der Mutterstadt “Detroit” aufmerksam wurde und noch einige Lücken im Back-Catalogue schließen muss. Hat nämlich nur eigene Stücke verwendet. Und wehe da brüllt jetzt jemand ‘Villalobos’. Dann gibt’s Haue. Tut der manierlichen Clubszene aber gut, so ein Swagger-Typ. Brillant auch “The Grandfather Paradox”, eine Geschichtsstunde über den Minimalismus in der kontemporären Musik. Verantworltich hierfür zeigte sich die heilige Innervisions-Dreifaltigkeit Henrik Schwarz / Ame / Dixon. Von Yusef Lateef und Raymond Scott zu Richie Hawtin und Robert Hood. Ganz groß.
Mark Stewart releast als Claro Intelecto nun schon eine ganze Weile klassischen, düsteren Dub Techno irgendwo zwischen Basic Channel und Juan Atkins. Die “Warehouse Sessions” wurden nun praktischerweise auch auf CD kompiliert. Für Quereinsteiger zu barsch, für Eingeweihte ein Traum. So, das nächste ganz ganz große Highlight. Martyn macht auf seinem Albumdebüt “Great Lenghts” genau das, was auch schon jeden seiner Vinyl-Only Tracks und Remixes zu einem solchen Spektakel machte: er fusioniert melodiösen Deep House mit kratzbürstigem Detroit Techno und den unendlichen Tiefen des Dub. Dazu noch jede Menge stolprige 2-Step-Rhyhtmen und trippige Samples – Killerplatte perfekt. Unterdessen gönnt sich Planet Mu eine kleine Dubstep-Auszeit und veröffentlicht mit Remano Eszildn und dessen “R-Tracks” eine bleepige Electronica-Platte im frühen Warp-Stil, die auch immer wieder mit fiesen Electro-Uppercuts aufwartet. Retrofuturismus oder so.
Etwas gediegener geht es bei Doudou Malicious zu, einem in London residierenden Exil-Pariser. “French Recipes” ist ein solides Minimal Album. Nicht mehr, nicht weniger. Richtig aufregend wird es dann wieder beim neuesten Clou von DC Recordings. Higamos Hogamos sind Toby Jenkins und Steve Webster und ihr gleichnamiges Album ist verkiffter, discoider Psych-Kraut-Rock wie man ihn derzeit eben nur auf DC hört. Klingt nach Düsseldorf anno 1972. In die selbe Epoche kann man auch Hjaltalin einordnen, nur dass auf “Sleepdrunk Seasons” brav am Lagerfeuer gesungen wird, anstatt in der Garage Acid zu schmeißen. Ein irgendwie sehr skandinavisches Folkalbum, das – wie könnte es anders sein – unweigerlich Assoziationen an Sigur Ros hervorruft. Wobei Arcade Fire und Joanna Newsom eigentlich näher dran wäre.
Ganz anderes Thema: General Elektriks. “Good City for dreamers” ist eine recht fluffige (Oh Gott, schon wieder dieses schreckliche Adjektiv) Angelegenheit geworden. Sehr vintage im Sounddesign, könnten hier alle fündig werden, denen Gnarls Barkley etwas zu hittig war. Ähnliches gilt für Mocky, der auf “Saskamodie” seinem Kollegen Jamie Lidell folgt und sich an die Fixpunkte Soul und Bar-Jazz hält. Bekömmlich, aber auch ein bißchen langweilig. Deftiger eingeheitzt wird wiedermal bei Kissogram. “Rubber & Meat” ist trotz seines vehementen Einheizergestus nie plump und vor allem stets – noch so ein verbotenes Wort – groovy.
Ebenfalls zurück melden sich Peter, Bjorn & John mit “Falling Out”, welches weder verweigert wie “Sea Side” noch “Young Folks” Übercatchiness bietet. Aber gerade diese weniger offensichtlichen Sachen waren ja auch schon auf “Writer’s Block” die heimlichen Gewinner. Gute Arbeit. Über Will Oldham und sein Alter Ego Bonnie Prince Billie muss man eigentlich nicht mehr viele Worte verlieren. Auch “Beware” ist ein typisches Oldham Album, ehrliches Gefolke und diese markante Stimme – passt. Als ausgewiesener Polly-Apologet lasse ich selbstverständlich auch auf das manchmal etwas zusammengewürfelt anmutende zweite Album von PJ Harvey und John Parish nichts kommen. “A Woman A Man walked by” ist meist dann gut, wenn jene Polly weniger hysterisch agiert und sich eher in Beth Gibbon’scher Agonie suhlt.
Neues auch aus Portland. Die Decemberists geben sich auf “The Hazards of Love” ziemlich opulent, bisweilen sogar theatralisch. Sehr schön: das torkelnde “Won’t Want For Love (Margaret In The Taiga)”. Wenn man Peter Doherty (jawohl, der Schmalspur-Kurt dieses Jahrzehnts besteht jetzt auf ein ‘R’) und dessen erstes richtiges Soloalbum “Grace/Wastelands” mal von all diesem ekligen The Sun-Morast befreit, bleibt ein ziemlich traditionsbewusstes Indie-Album mit bluesigem Touch und dezenten Vaudeville-Anleihen über. Geht schon in Ordnung, mir aber dann doch zu bieder. Dann doch lieber J.J. Cale und “Roll on”, wenngleich der alte Wüstenfuchs freilich auch keine Blaupause für New Millenium-Songwritertum gepinselt hat. Braucht er bei dem Arsch voll an Charisma aber auch gar nicht. Solides Album, um sich mit Vaddern über Lehman Brothers und Schalke zu unterhalten. ******************************************************************** Playlist: 1) Culoe de Song – The Bright Forest kaufen ******************************************************************** ******************************************************************** |














