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Madlibs BBE-Album überwindet endlich “Detox”-Status, Kool Keith und Kutmasta Kurt reanimieren Doktor Untergang, Ruck & Rock machen was sie am besten können, Produzentenalben flattern im Minutentakt rein, Raphael Saadiq führt die Ronsonifizierung der R&B Szene fort, Koushik, Metronomy und Morgan Geist brillieren, Mike Skinner wird erwachsen, Peter, Bjorn & John kacken auf Erwartungshaltungen undundund – die Damen, die Herren, das war der September: Hip Hop Hausen:
Komplizierter als erwartet gestaltete sich der Akklimationsprozess an Madlibs “WLIB AM: King of the Wigflip”, aber nach gut und gerne 15 Anläufen scheue ich mich nicht mehr zu diagnostizieren: standesgemäß überzeugend. Eine ausführlichere Rezension folgt in den nächsten Tagen. Versprochen. Etwas schneller ging es bei Kool Keith & Kutmasta Kurts “Dr. Doom 2”, auf dem nicht nur Dr. Octagon beerdigt wird, sondern auch über stoische Beats Gagaismus zelebriert wird, als hätten wir immer noch 1999. Herrlich. Und noch ein Flashback: Heltah Skeltah flexen sich auf “D.I.R.T.” in feinstem “Blackout!”-Stil durch 265.125 Punchlines in 50 Minuten. Die Produktionen müffeln manchmal etwas nach der Napster-Ära, aber das kratzt beim konstanten Vierzeiler-Rewinden eh nicht.
Termanology (Album: “Politics as usual”) würde wahrscheinlich sein gesamtes, mit Premo, Large Pro, Nottz, Alchemist, Buckwild, Hi Tek & Pete Rock durchaus als sensationell zu bezeichnendes, Produktionsteam gegen ein Zehntel der Mic-Präsenz von Ruck & Rock geben. Money can’t buy charisma. Und Big Pun war nicht nur physisch das vierfache von Term. Wo wir gerade bei Menschen wären, auf die besonders gerne Haterade getrunken wird: Was macht DJ Khaled eigentlich außer “We the best” bzw. “We global” brüllen und die N-Bombe bei jeder Gelegenheit zu droppen? Ach richtig, Alben kompilieren, das mittlerweile dritte heißt – Trommelwirbel – “We global” und ist…gar nicht so scheisse. Klar, dickfelgig und Bobbes-bouncig, aber auch der Traum jedes “Urban”-A&Rs. Wenn nur Khaled nicht wäre… Ill Bill hat für “The Hour of Reprisal” endlich wieder Premier für einen Beitrag gewinnen können, aber dieser ganze White Trash Thuggery-Habitus liegt mir dennoch schwer im Magen. Für 16-Jährige bestimmt eine Offenbarung. Der Nächste, bitte.
50.000 Flocken soll Thes One angeblich in sein Studio gesteckt haben, dem neuen People Under The Stairs Album “Fun DMC” hört man das jedoch kein bißchen an. Ob das nun gut oder schlecht ist, ist schwer zu sagen. Manchmal geht das Gähnen los, manchmal lehnt man sich genüsslich zum gewohnten Frisco BBQ-Rap zurück. Vielleicht sollte jemand den beiden bei Gelegenheit mitteilen, dass man nicht überall Ende September auf Balkonien noch brutzeln kann und P.U.T.S.-Release Dates eher Richtung Juli schieben. Der Herbst scheint im Zeichen des Produzentenalbums zu stehen, vor den noch kommenden Alben von Jake One und DJ Babu, legt DJ Revolution mit “King of the Decks” vor. Unfassbare Kratzer und extrem starke erste 15 Minuten trösten über die unweigerlich einsetzende Ermüdung angesichts der beinahe stalinistisch durchgehaltenen Keep it real-Dogmatik hinweg. Jaja, die anderen faken den Funk und sind nur in it for Jamba, wissen wir doch alles schon. Auch DJ Design lädt sich für “Jetlag” jede Menge Indie-Prominenz ein und ähnlich wie Revolution, gelingt es auch ihm nicht ganz den Spannungsbogen aufrecht zu erhalten. Aber das verzeiht man gerade bei De Facto-Compilations ja gerne mal. Und fünf, sechs Tracks sollte sich jeder in beiden Fällen locker zusammensuchen können.
Auch auf dem alten Kontinent wird munter in die Booth gebeten. Der Franzose Frankie Numi verschiebt auf “Never ending, always building in Jazz, Soul & Funk” die Parameter aber etwas mehr in Richtung Post-Native-Tongues-Gefilde. Ach und wer Count Bass D auf seinem Album hat, ist ein guter Mensch. Und noch machmal ein Produzenten-Showcase: Kid Sublimes “Rappin’ blak” lohnt sich allein schon auf Grund des Camp Lo-Beitrags und der Dilla-Hommage “A cry for Detroit”. Gute Zeiten für Goldketten-Verweigerer. Auch in “Johnson & Johnson”, der Kollaboration von Blu & Mainframe, kann sich die Bedroom-Producer-mit-Schulabschluss-Fraktion genüsslich wälzen. Organisch und traditionsbewusst.
Nach Kollaborationen mit E-40, Busy P und Snoop darf man durchaus überrascht sein, dass Murs’ neues Album “Murs for President” doch recht konservativ ausgefallen ist. Wollte da nicht einer ursprünglich raus aus der 9th Wonder-Ecke? Crossover, Rückzieher, kackegal, ich mag den Typ. Etwas enttäuscht muss man von T.I. und “Paper Trail” nach dem Premium-Paket “Swagger like us” und Just Blazes All-Inclusive-Urlaub “Live your life” schon sein. Hatte er auf “Swagger like us” noch engagierte Backpfeifen an seine Gäste verteilt, wirkt ein Großteil von “Paper Trail” halbherzig. Und auch die musikalischen Unterlagen wirken gegen vergangene Großtaten wie “What you know” doch reichlich hölzern. Lässig zwischen Timbos sleazy Tech-R&B, Spank Rock’schem Booty Hop, der Abgeklärtheit einer Santogold und dem Alles-Geht Habitus einer M.I.A. bewegen sich die Damen von Yo Majesty auf “Futuristically speaking…”. Es bleept, bounct, rockt – ohne ganz an die genannten Vorbilder heranzureichen. Dennoch: ein kurzweiliger und respektloser Einstand.
Wesentlich geerdeter hingegen Circle Researchs “Why?”. Ein solider Beitrag zu der europäischen Beatschule, die mit den hierfür typischen Schwenkern Richtung Funk, Soul und Swing. Was bei Circle Research eher mitschwingt, wird auf Raphael Saadiqs “The way I see it” ganz explizit inszeniert: Seele. Und weil Soul, den Herren Ronson und Remi sei Dank, mittlerweile wieder klingen will wie eine Stax-Compilation, unterscheidet sich “The way I see it” auch signifikant von den bisweilen überslicken Vorgängern. Ok, ein etwas zu offensichtlicher Businessmove aber eine äußerst souverän inszenierte Demonstration immensen Produktionstalents. Ach und Jigga Mayne und Joss “Will Fuck for Beats” Stone sind auch mit von der Partie. Immenses Produktionstalent zeichnet auch Koushik Gosh aus. “Out my window” ist großartiger Psych-Pop, eine instrumentale Tour du Jour; trippig, leicht und dennoch nie Gefahr laufend in zu gefälliges Lounge-Territorium abzudriften. Erwartungshaltung mehr als erfüllt. ******************************************************************** Und sonst so:
Ähnliches gilt für Metronomy, die mit dem grandiosen Ethno-Synth-Pop Manifest “Nights out” ihr eh schon tolles Debütalbum und zahlreiche Remix-Arbeiten mal locker in den Schatten stellen. Ein todsicherer Kandidat für meine Jahres Top 10. Dort ebenfalls einen Platz ergattern könnte Metro Area-Mastermind Morgan Geist, der erneut viel mit Junior Boy Jeremy Greenspan zusammengearbeitet hat und mit “Double Night Time” nicht nur Detroit ein Denkmal setzt, sondern auch Techno, Pop und Songwritertum so virtuos verbindet wie wenige vor ihm. Und auch Mike Skinner weiß mit “Everything is borrowed” zu überzeugen. Klar, 2-Step spielt leider schon seit längerem bei The Streets keine Rolle mehr, aber unser Lieblings-Geezer ist nach dem eher blassen Vorgänger endgültig zum Songwriter gereift.
Zu TV on the Radios “Dear Science” traue ich mich nach anderthalb Durchgängen noch nichts zu sagen. Solange muss ein knappes “vielversprechend” erstmal reichen. Ob am Ende ein ähnlich masturbatorisches Fazit stehen wird, wie bei 98% der Journaille mag ich aber bezweifeln. Unter “so ziemlich best shit ever” scheint dort momentan nichts akzeptiert zu werden. Weniger gut meint es die Öffentlichkeit hingegen mit den Friendly Fires, deren Debüt für XL zappeligen Disco-Indie auffährt. Klingt eher nach New York als nach London. Das Rad erfinden andere neu, aber in Ordnung gehen tut das schon als Soundtrack für vier Pils. Mein liebster Message Board-Eintrag der letzten Wochen: “The new Peter, Bjorn & John album leaked. Where the fuck are the vocals?” Tja, mein Guter, es gibt keine. Und wer sich nach einem solchen Überhit wie “Young Folks” dazu entscheidet, ein rein instrumentales Kraut-Rock Album namens “Seaside Rock” zu veröffentlichen, kriegt von mir schon aus Prinzip eine Laola-Welle spendiert.
Weiter geht’s mit Okkervil Rivers “The Stand-Ins”. Eine recht biedere Indie Blues-Vorstellung, bis zum abschließenden “Bruce Wayne Campbell Interviewed on the Roof of the Chelsea Hotel, 1979”, das nicht nur mit einem Beömmel-Titel, sondern auch mit einer herrlich cheesigen Pianolinie und Mariachi-Gitarren ausgestattet wurde. “Your Anchor” ist das sage und schreibe neunte Album von Lackthereof und neben Danny Saims gewohnt eindringlicher Stimme fallen besonders die sehr druckvollen Drums positiv auf. Eine Pärchen-Platte. Händchen halten lässt sich bestimmt auch zur Neuen der Kings of Leon, die auf den Namen “Only by the night” hört. Mich stört die typische Nähe zu Stadionrock-Gewichse leider immer noch. Trotz den gemeinen Bono-Ismen der Könige: Der Drummer ist großartig.
Keine Ahnung warum ich Lykke Lis “Youth Novels” bisher vergessen hatte hier zu erwähnen, aber angesichts des Vinyl Releases vor wenigen Wochen kann das ja noch rechtzeitig korrigiert werden. Und weil Lykke Li Schwedin ist, ist ihr Debüt automatisch lässiger und sexier geworden als der ganze andere WG-Küchen-Pop der letzten Zeit. What “Made of Bricks” was supposed to be, irgendwie. Von schwedischer Leichtigkeit zu schottischer Schwere. Mogwai deklinieren auf “The Hawk is howling” wieder einmal alles durch, was schlecht gelaunte Post-Rocker so in petto haben müssen. Größenwahnsinnige Pianoflächen, vorsichtiges Zupfen, Orgel-Bombast, hypnotische Synths, morbide Gitarren – kennt man halt alles schon. Bevor ich mich mangels Kompetenz um Kopf und Kragen rede: Ich habe keine Ahnung ob Metallicas “Death Magnetic” eine gute Platte und eine “Return to Form” geworden ist, weil die Herren Hetfield, Ulrich & Hammett und ich seit Anfang der 90er komplett getrennte Wege gehen (jawohl, Kindergarten-Aigner was a Headbanger!). Einige Auskenner behaupten aber immerhin man habe zumindest die tiefen Tiefen von “St. Anger” hinter sich gelassen.
Ich hingegen habe meinen Metal gerne elektronisch verfremdet. Womit wir beim nächsten Programmpunkt wären: Ed Banger veröffentlicht ein umfassendes SebastiAn Remixpaket. Was man davon zu halten hat, steht hier. Headbangertum und Elektro-Gebratze noch ein Stück weiter treibt T. Raumschmiere, der auf “I tank you” wie gewohnt auf die Kacke haut. Wie schon auf dem Vorgängeralbum, driftet die Raumschmiere leider zu oft in 90s Crossover-Grausamkeiten ab. Da hat jemand das eigene Motto “The Front Row is not for the Fragile” falsch verstanden. Wie man es besser macht, wissen nicht nur die Franzosen, sondern auch Alex Ridhas Berliner Instanz Boys Noize Records. Die veröffentlichen mit “BNR Vol.1” einen repräsentativen Überblick über den extensiven 12”-Backkatalog. Dürfte sich für Wachsliebhaber, die es satt haben, sich alle 8 Minuten vom Sofa zu erheben, eventuell auch lohnen.
Was The Faint mit Boys Noize Records zu tun haben? Rischtisch, die erste Single-Auskopplung aus “Fasciinatiion”, das rotzige “The Geeks were right”, wurde dort von der halben Belegschaft durchgenudelt. Das ganze Album bleibt nicht immer auf dem selben Niveau wie die Zahnspangen-Versteher-Hymne, aber so darf Basslinien-lastiger Rock mit E-Attitüde heute durchaus klingen. Ebenfalls gelungen darf man das Bomb the Bass Comeback “Future Chaos” bezeichnen. Seeeehr viel Radiohead, Various Production und Portishead meine ich durchzuhören. Von trippigem Electronica-Rock zu Wobble Hop und Grime Step. Matty G legt mit “Take you back” einen Longplayer vor, der in etwa so klingt als hätte der “2001”-Dr. Dre ein Dubstep Album mit Afrika Bambaataa aufgenommen. Nur nicht so geil halt. Egal, Dubstep mit Hip Hop-Ästhetik haben wir trotzdem viel zu selten.
Ebenfalls fest im Hip Hop verwurzelt ist 7 Samurais “El Mundo Nuevo”, dessen lässiger Latin-Lounge-Funk klimatisch ein, zwei Monate zu spät kommt. Ich würde mich tendenziell eher als undogmatisch bezeichnen, aber was auf “Cash Remixed” passiert, geht nicht. Die Junkie XL-ifizierung von “Get Rhythm” oder “Country Boy Sonny” stößt derart sauer auf, dass selbst die durchaus interessanten Neubearbeitungen der Midnight Juggernauts, Apparat oder Machine Drum schnell wieder in Vergessenheit geraten. Ein Extra-Pfui auch an Snoops “I walk the line”-Verhunzung. Ähnlich blasphemisch mag man es finden, dass sich Menschen wie Peaches, Don Rimini, Diplo, Aaron LaCrate, Mr Flash oder Breakbot an unsterblichen Klassikern wie “Bust a move”, “Runnin” oder “Sittin on chrome” vergangen haben. Pustekuchen! Die “Delicious Vinyl Rmxxology” schenkt Freude und Adrenalin. Und was Hot Chip aus “Passin me by” machen, sollte man gehört haben. Weil dir mittlerweile selbst dein Onkel schon Diesels SFW-Spot geforwardet hat, muss darüber auch nicht mehr viel gesagt werden und wir können direkt zur, wie üblich nicht als rigide DJ-Chart meinerseits misszuverstehenden, dieses Mal recht discoid ausgefallenen, Playlist übergehen. ******************************************************************** Playlist: 1. Plastique de Reve – Resist kaufen ******************************************************************** ******************************************************************** |














