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Madlib wird ungeduldig, Elzhi hält es klassisch, GZA wird immer älter, The Game und die Re-Up Gang reden Stuss, Tittsworth, SMD, autoKratz und Rex the Dog hauen auf die Kacke, Damon Albarn macht jetzt in Oper, Lindstrom und Dusk & Blackdown bedienen deine eskapistische Ader und die Gitarrenfraktion tut was sie immer tut. Hip Hop Hausen:
Als erstes verleiht Madlib in Form seiner Madvillain – Remixes seiner Ungeduld Ausdruck. Wenn der dicke Maskenmann partout nicht aus dem Quark kommen mag um endlich den “richtigen” zweiten Teil nachzulegen, schließt sich Otis eben 4 Stunden länger im Bombshelter ein. Ähnlich wie schon “Perseverance: The Remixes” gelingt es Herrn Jackson auch hier wieder Impulse zu setzen, selbst die lose Struktur des Originals wurde durch zahlreiche Interlude-Fetzen eindrucksvoll nachempfunden. An das beinahe schon als epochal zu bezeichnende Original reicht dies aber freilich dennoch nicht ganz heran. Weiter geht’s mit einem, der auf meiner “Bitte Madlib anrufen”-Liste unter den ersten 10 steht: Slum Villages Elzhi liefert mit “The Preface” abgezockten NY meets Detroit-Boom Boom Clap ab. Einige Finten und Stolpersteine hätten gut getan, aber wer will angesichts Elzhis überragender Sprechgesangs-Fähigkeiten wirklich klagen? Mit “Pro Tools” endgültig im Spätherbst seiner Karriere angekommen ist Wu-Chefphilosoph GZA/Genius. Nicht dass er einem nicht mehr diese wohligen Schauer das Rückgrat hinunterjagen könnte, aber es bleibt das Gefühl, dass Herr Grice mittlerweile viel lieber Schach spielen will als sich weiter im Studio zu quälen. Bei den Verkaufszahlen auch kein Wunder…
Jene noch locker unterbieten kann Vordul Mega, was nicht nur deswegen schade ist, weil jemand der entscheidend dazu beigetragen hat “The Cold Vein” zu einem der besten Hip Hop Alben dieses Jahrtausends zu machen, 7 Jahre später nicht völlig vom Radar verschwinden sollte, sondern vor allem auch weil “Megagraphitti” wirklich ein ordentliches, grimmiges Low Budget Album geworden ist. Ebenfalls völlig untergehen tun seit dem famosen “When rappers attack” und dem Leak Brothers-Projekt mit Cage neue Alben von Tame One, was jedoch nicht nur an mangelhafter Promotion liegen mag, sondern vor allem auch daran, dass Tame sich soviel Leaky Leak durch die Synapsen geschossen hat, dass Sorgfalt und Ambition mittlerweile nicht mehr unbedingt auf der Agenda stehen. “Da ol´ Jersey bastard” ist ein Schritt in die richtige Richtung, still hingerotzt as fuck, aber zumindest nicht mehr so 3Minuten-Terrinen-mäßig wie “Spazmatic” oder “O.G. Bobby Johnson”. If Immortal Techniques Holier than thou-Attitüde is getting on your Sack, say Hoooo! Ich weiß ja nicht, aber heißt ‘politisch’ heute automatisch ‘paranoid’? Immerhin dürften Asta-Cordhosen und Attac-Kreismitglieder ihre Freude an “The Third World” haben. Ich wunder mich hingegen, was der Typ macht, wenn Pretzel Bush nicht mehr im Amt ist.
Illuminati-Geschwurbel und “Behold a pale horse”-Rhetorik völlig unverdächtig: die Re-Up Gang. Wer durchgehend “Lord Willin” + “Hell Hath No Fury”-Brillianz erwartet, wird vom Albumdebüt der Virginia-Connection um Ab-Liva, Sandman und den Gebrüdern Thornton etwas enttäuscht sein, aber dazu fehlte hier auch das Budget. Wer sich an State of the Art-Shittalking und unauffälligen, aber effizienten Beats erfreut, kommt hieran jedoch nicht vorbei. Von Jayceon Taylor alias The Game mag man halten was man will, dass er es aber versteht, Alben zu konstruieren, die nicht nach 1,5 Durchgängen in den virtuellen Papierkorb oder die oberste Regalecke verbannt werden, lässt sich nicht leugnen. Auch “LAX” lässt sich so viel besser genießen als das Gros der Major-Veröffentlichungen, Namedropping-Onanie und deutliche Überlänge hin oder her. Die auf Killer Mikes “Pressure” demonstrierte Form früher Tage kann Ice Cube auf seinem eigenen Werk “Raw Footage” nicht ansatzweise halten. Schade aber absehbar.
Von Ice Cube zu dem Mann, der diesen bei N.W.A. vertrat: Arabian Prince, der lange in der Versenkung verschwundene Gott des Jheri Curl bekommt von Peanutbutter Wolf eine liebevolle Anthologie gestellt. Rollende “Planet Rock”-ismen, herrlich anachronistischer Electro-Boogie und die Einsicht, dass sich 80% des hier vertretenen Materials in (fast) jede Art von DJ-Set einbauen ließe. 303s und Korg sind für K-Def auch auf “Beats from the 90s” hingegen ein Fremdwort. Stattdessen gibt es klassische K-Def Beats, locker swingend und trocken pumpend. Ähnliches gilt für DJ Premiers “Beats that collected dust”. Der Titel ist wohl das, was man self-explanatory nennt. Und weil an Works-of-Mart Beats eh noch nie ein Weg vorbeigeführt hat, geht hier der Befehl ‘Eintüten!’ raus. ******************************************************************** Und sonst so:
Wie erwartet mächtig auf die Kacke haut Tittsworth bei seinem Full Length-Einstand “12 Steps”. Plakative Bmore-Break-Galore, sleazy R&B, Electro-Versatzstücke und die Booty Hop Rasselbande um Pase Rock & Kid Sister: bleiben wir mal bei den Anglizismen und sagen: what you see is what you get. Weniger “urban” kommt erwartungsgemäß Simian Mobile Discos “Sample & Hold” daher: TechHouse, Dubstep, psychedelische Electronica, Manchester Rave, “Italians do it better”-Styles und dezent Angebratztes (Oxymoron?) – ich mag so was. Für Silberlingskäufer eine feine Sache, für die Vinyl-Fraktion eher überflüssig: autoKratz’ “Down and out in Paris & London”, eine Werkschau des bisher recht überschaubaren Schaffens der britischen Dance-Rock Kombo. Die Tatsache, dass Eingeweihte nix neues zu hören bekommen, macht Sureshots wie “Reaktor” oder “Pardon Garcon” natürlich nicht schlechter.
autoKratz’ temporärer Label-Kollege Rex the Dog veröffentlicht mit der “Rex the Dog Show” ebenfalls eine Zusammenfassung seines Schaffens der letzten Jahre, angereichert mit neuem Material. Freuen darf man sich über fiesen Eurodance, bollernden Hau-Druff-House und seinen alten Überremix von The Knifes “Heartbeats”. Wesentlich filigraner zu Werke geht einer der Vorstandvorsitzenden der gehypten Space Disco-AG: Lindstroms “Where you go, I go too” ist gleichzeitig fluffig-leicht und ungemein dicht. Dass der erste Song in seiner Dauer Villalobos meets Pink Floyd Dimensionen heraufbeschwört, dürfte bereits bekannt sein. Absolut supere Geschichte, das. Wo DFA draufsteht ist auch DFA drin, selbst wenn diese schnieke 2CD “Nobody knows anything” streng genommen auf das Konto der Berliner von Supersoul Recordings geht. Italo Disco, 4×4, verschachtelte Elektronik und angetrancetes Gewaber…wie bei den großen Buchstaben aus NY auch.
Dusk & Blackdown veröffentlichen mit “Margin’s Music” eine geniale Melange aus Dubstep, Grime, 2-Step, Electronica und östlicher Folklore. Die Wundertüte des Monats. Signifikant berechenbarer bleibt George Evelyn aka Nightmares on Wax, der sich auf seinem gefühlten 40. Album vor allem selbst zitiert und eine geradezu penetrant unaufdringliche Fangopackung aus der Lounge-Hölle abliefert. Anticons Alias hat sich dem Hip Hop auf “Resurgam” noch weiter entsagt als zuvor. Stattdessen trifft die Unaufgeräumtheit eines Four Tet auf die maschinelle Kälte früher Boom Bip Produktionen. Prima zum Aspirin schlucken und Arte ohne Ton-Kucken.
Und gleich nochmal Anticon: Zach Hills “Astrological Straits” ist vor allem eins: ein heilloses Durcheinander. Man hört Prog-Rock Tortur, Garagen-Vocals und vor allem Drums, Drums, Drums. ‘Konfus’ und ‘unbequem’ sind nicht notwendigerweise schlechte Adjektive in Plattenrezensionen, aber hier leider synonym für ‘überambitioniert’ und ‘zäh’. Besser machen es Jamie Hewlett und Damon Albarn, deren Oper Monkey – “Journey to the west” zwar ohne visuelle Unterstützung der rote Faden abgeht, die aber gleichzeitig einige spannende Soundtrack-Fetzen zwischen Jean Michel-Jarre, Alain Gourager und der Eröffnungsfeier in Peking bereit hält. Von der Anime-Oper zu den Klaxons dieser Saison. Besonders gut gefallen dürfte Late of the Pier dieser Vergleich nicht, aber die Parallelen sind zu offensichtlich: masturbatorisches Lob vom NME, die Remix-Elite reißt sich um LOTP-Aufträge und der eigene Soundentwurf macht sich Indie-Sensibilitäten, Neon-Euphorie und hinterfotzigen Arrangements zu eigen. Lederjacken-Checkertum auf durchweg hohem Niveau.
Auch gut: Pop Levis “Never Never Love”. Warum genau weiß ich auch nicht, aber irgendwie weniger einheitsbreiig als ein Gros der aktuellen Gitarrenschrubber-Fraktion. Etwas biederer kommt Conor Obersts Solo daher. Die volle Emo-Klatsche und einige Country und Dad-Rock-Ausflüge…Geheimratsecken-Musik halt. Auf den schönen Richard lass’ ich hingegen nix kommen. Klar ist The Verves “Forth” vor allem Ausdruck eines längst veralteten Brit-Pathos, aber was soll man machen, wenn einen diese Stimme einfach immer wieder um den Finger wickelt?
Die Langspielrille des Credibility-Albtraums Alexander Marcus ist da und hätte Jürgen Drews 1983 ein Album mit Trio aufgenommen, wäre “Electrolore” schon 25 Jahre zuvor geboren gewesen. Und so offensiv peinlich dieser Ralph Lauren meets Michel Friedmann Lackaffe ist, so arg Spaß macht es seine verpassten Malletouri-Erfahrungen nachzuholen in dem man bierselig Zeilen wie “Papaya, Papaya, Coconut Banana” anstimmt. Wer sich außerdem endlich auch mal fühlen will wie einer dieser pickligen Counterstrike-Daddler, kann sich die Amokläufer-Atmo mit Slipknots “All hope is gone” ins abgedunkelte Kinderzimmer holen. Von mir erwartet hoffentlich niemand diesem Album mehr als 15 Sekunden Aufmerksamkeit geschenkt zu haben. Warum sollte man auch, wenn man stattdessen Großmeister Brian Wilson beim Musizieren lauschen kann? “That lucky old sun” ist kein Geniestreich wie “Smile” aber dennoch Pflicht. In meiner Tenniswelt ist spätestens seit Montag auch wieder alles in Ordnung, kommen wir also abschließend zum Playlisten-Dschungel, indem sich erstmalig ein recht alter Song auf die Pole Position gedrängt hat. ******************************************************************** Playlist: 1. In Flagranti – Business Acumen (Original + Holy Ghost Cover) kaufen ******************************************************************** ******************************************************************** |











