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I don’t need no Prolog for this sheeeeeet, also gleich in die Vollen: Hip Hop Hausen:
Was läuft da eigentlich schief? Einer der wenigen wirklich interessanten Rapper der neu(er)en Generation verschwendet sein Talent mit einer popligen Tour CD??? Hallo?! Drauf geschissen, ich behandle Elzhis “Euro Pass” CD einfach als “richtiges” Debütalbum; eines, das seinen Tag Team-Ergüssen mit T3 mindestens ebenbürtig ist. Zum Großteil von Black Milk produziert, trägt hier ein eleganter Ästhet gelassen Detroits Fackel weiter. Etwas ungeiler dann Album Nummer 2 der Ivory League-Connection Kidz in the Hall “The In Crowd”, obwohl sich zwischen langatmigen Little Brother-Schnarchern und ungelenken Lupe/Kanye/Common Pop-Appeal-Versuchen auch Großartiges wie “Drivin’ down the block” findet. Dass J-Live wesentlich besser fährt, wenn er sich fremdproduzieren lässt, beweist wieder einmal “Then what happened?“. So ganz wird er seinen Titel “Poor Man’s Posdnous” auch hiermit nicht los und an seine exzellenten ersten beiden Alben kann der Highschool-Lehrer auch nicht ganz anknüpfen, aber alle die freiwillig die Schuhe ausziehen, wenn sie eine Wohnung betreten, werden hiermit erneut glücklich werden.
Gleiche Kategorie: Buckshot & 9th Wonders zweite Zusammenarbeit auf Albumlänge “The Formula”. Für mehr als ein kurzes Anskippen hat es bisher nicht gereicht, aber Kollege Högerle, das alte Weichei, findet die gut. Twin klingt wie Nines autistischer Bruder und Party Arty auf Ritalin. Klassisches Guestspot-Organ halt. Nicht die besten Voraussetzungen ein Album alleine zu tragen. Ganz schafft er dies auf “The Grimey Collection” erwartungsgemäß auch nicht, trotz tatkräftiger Unterstützung des nach wie vor traumwandlerisch sicheren Produzenten-Duos Sid Roams. Wechselt man aber die Perspektive und betrachtet “The Grimey Collection” eher als Sammelsurium denn als vollwertiges Album, bleibt mindestens eine halbe Stunde prächtiges QB-Reibeisen-Entertainment übrig. Aus unerfindlichen Gründen ist Bun Bs zweites Soloalbum “Trill” bei mir bisher durchgerutscht. Eingefleischte Südstaatler beklagen eine Abkehr vom Mutterschiff, andere loben “Trill” in den höchsten Tönen.
Kommen wir zu einem der Highlights, dem allein schon mangels Distribution wohl ein ähnliches Schicksal droht wie Elzhis Tour CD. Flying Lotus’ Gschpusi Samiyam hat auf “Rap Beats Vol. I” 24 Beat-Skizzen versammelt, die erahnen lassen, warum der Herr immer wieder in einem Atemzug mit den anderen großen Nachwuchshoffnungen Flying Lotus, Hudson Mohawke, Rustie oder Gaslamp Killer genannt wird. Dass Kode 9 schwer auf dessen stolpernde, synkopierte Drums und herrlich unsaubere Vintage-Synthies abgeht, war klar. Die 12” für Hyperdub kommt. Und einer für die Grime-Fraktion: Jammer teast sein Album mit “Are you dumb Vol.3”. Wiley, Skepta, Benga, JME, Dizzee und Cottie geben sich die Klinke in die Hand. “Wooooo Oiiiiii bombaclat shat up shat up shat up shat up” In Sachen kompilieren immer noch eine Klasse für sich: die Damen und Herren von Soul Jazz. Dieses Mal haben sie sich wieder Wobble-Basslines und Techstep angenommen, im Gegensatz zur “Box of Dub”-Reihe gibt es auf “Steppas’ Delight” aber auch hektische Ausflüge ins Grime-Terrain. Warum zur Hölle ist aber ausgerechnet “Gully Brook Lane” nur auf der 2CD zu finden?
Ja, ich gebe es zu: ich habe die Schnauze allmählich voll von diesem “Neues Album? Keine Ahnung, laden wir uns doch ein paar Bläser ein und gehen Funk”-Kalkül. Die Ergebnisse sind meist amtlich, aber immer gleich im Dreischlag? Wenn aber ein solcher Kurswechsel bei jemandem wie eine natürliche Entwicklung erscheint, dann bei unseren Freunden von der Insel The Herbaliser. Wobei, selbst die Bezeichnung “Kurswechsel” wird “Same as it never was” (hört auf zu lügen) nicht wirklich gerecht. Die ziehen dieses Soundtrack-Funk Ding mit Hip Hop-Sprenkeln doch schon ewig durch, nur dass dieses Mal der Sampler eingemottet wurde und echte Menschen im Studio musiziert haben. Nicht dass das dem bisherigen Ouevre Entscheidendes hinzufügen würde, aber bei soviel Sonnenschein will man schließlich nicht zynisch sein. Wer in der Grillsaison nach Herbaliser bereits mit leeren Händen dasteht, kann seinen Kopf mit Time Machines “Life is expensive” aus der Schlinge ziehen. Ugly Duckling in unpeinlich, People under the Stairs mit mehr Dampf. Weiter mit James Pants’. Frau Pfaff schreibt: “80er Disco, Electro-Boogie, New Wave-Einflüsse, Soundeffektgeballer, Hip Hop Beats mit nettem Singsang und viele Synthies lassen das Debutalbum “Welcome” des Neu-Stones Throwlers zu einem stimmigen und nie langweiligen Ohrenschmaus werden” – dem wäre nichts hinzuzufügen meinerseits. ******************************************************************** Und sonst so:
Ganz ganz glattes Glatteis: Legenden, bei denen man sich insgeheim manchmal wünscht, sie wären schon 20 Jahre tot, damit sie ihr monumentales Lebenswerk nicht noch nachdrücklich ruinieren, fühlen sich berufen auch weit über ihren Zenit hinaus noch Alben zu machen. The motherfucking Reverend Al Green belehrt uns Blasphemiker mit “Lay it Down” jedoch eines Besseren. Executive Producer ?uestlove inszenierte ein schlicht wunderschönes Soul-Album im ursprünglichen Sinne. Das böse R und ungeliebte B müssen ebenso draußen bleiben wie Shuffle-Drums, Pro-Tools und sonstiges nach 1976 erfundenes Teufelszeug. Wow. Wow. Wow. Teufelszeug ist selbstverständlich auch auf dem zweiten Teil von “New Orleans Funk” Tabu. Was auch nicht weiter verwunderlich ist, angesichts der Reife des Materials. Kompiliert hat – klar – Soul Jazz. Und weils grad so heimelig geworden ist mit Hammondorgel und Bläsersätzen: The Apples tuten und blasen sich auf ihrem Debütalbum “Buzzin about” durch Deep Funk Standards, ohne ihr letztjähriges Sensationscover “Killing” übertreffen zu können.
Jazziger geht’s bei Madlibs Kollaboration mit Azymuths Mamao unter dem Namen Jackson Conti zu. Dass Madlib bei jeder Gelegenheit betont, wie sehr ihn der Latin Jazz von Azymuth geprägt hat, macht “Sujinho” zur Herzensangelegenheit. Aber mal ehrlich: wollen wir nicht einfach dieses verdammte BBE Solo-Album, Madvillainy II, Supreme Team oder eine erneute Quasimoto Rückkehr? Ich mag Dose One nicht. Diese Abneigung ist dann auch Schuld daran, dass ich mich noch nicht an das neue Subtle Album “Exiting ARM” herangetraut habe. Dabei ist doch Jel immer noch für die Musik zuständig… Von Jel und Dose One ist es dann auch nur ein Katzensprung (man erinnere sich an 13 & God) nach Bayern zu The Notwist. “Neon Golden” liegt lange zurück und auf “The Devil, You + Me” geben sich die Gebrüder Archer und ihre Mitstreiter vor allem sperrig. Offensichtliche Hits und Electronica-Elemente sucht man vergebens auf dieser stillen aber fordernden Platte.
Da kuckt man sich mal die alten Kolumnen durch und stellt prompt fest, eines der bisherigen Lieblingsalben im Gitarrenpop-Sektor bisher unterschlagen zu haben. MGMTs “Oracular Spectacular” ist hippiesker Prog-Folk mit Pop-Attitüde. Animal Collective mit Struktur, Caribou mit mehr Gitarre, ein Flaming Lips/Stones/Zombies-Rudelbums. Und die Casio Synthie-Melodie in “Time to pretend” schon jetzt das “Young Folks”-Pfeifen für 08. Apropos Animal Collective: Die veröffentlichen mit der “Water Curses” EP Restmaterial aus den Recording Sessions für “Strawberry Jam”. Aufgeräumter und eher was für die treue Fangemeinde. Ähnlich wie MGMT hat Sam Sparro mit dem Titeltrack seines Albums “Black and Gold” einen unwiderstehlichen Ohrwurm in der Hinterhand. Der Australier wärmt sämtliche Tanzmusikstandards der letzten Jahre auf, von slicken aber glücklosen Prince-Anleihen, 80s Synth-Pop über den Hochglanz-R&B der Herren Timberlake/Mosley – auf Albumlänge verklebt dann aber alles zu Oberflächlichkeiten. Schade um Sparros mächtiges Organ.
Santogold gelingt es hingegen wesentlich besser, alt und neu zu verknüpfen. Wie bereits erwähnt, hätte ich mir etwas mehr Elektronik gewünscht, aber unterm Strich hat Sandi White ein sehr, sehr solides Debüt vorzuweisen. Ach, jetzt reichts aber mit diesen Konsens-Röhren aus England. Duffys “Mercy” ist dir bestimmt schon entgegengeplärrt während du im Supermarkt die Kroketten aus der Gefriertruhe gezogen hast. Handwerklich ist das ja tadellos, aber so langsam gehen mir diese Alben auf die Eier, die es schnöseligen Baby Boomern erlauben, sich selbst vorzugaukeln musikalisch noch voll auf der Höhe der Zeit zu sein. Abspeichern unter “Weihnachtsgeschenk für die lärmende Tante”. Career-Suicide? Da hat sich Scarlett Johansson in den Olymp der
Im Gegensatz zu Frau Johansson ist Adem schon beinahe als Cover-Haudegen zu bezeichnen. “Takes” versammelt nun Adems Frühstück in Südfrankreich – kompatible Neuinterpretationen der Smashing Punpkins, PJ Harvey, dEUS, Björk etc. Leider gelingt es ihm nur äußerst selten, den Nummern etwas zwingend Neues hinzuzufügen. Der Rest ist Jose Gonzales mit weniger superer Stimme. Da schau her: Alex Turner scheint mit den Arctic Monkeys doch noch nicht ganz ausgelastet zu sein. Ergo: schnell eine weitere Band gründen und mit dem geschätzten Saufkumpanen Miles Kane (The Rascals) in Windeseile ein Album als The Last Shadow Puppets hinrotzen. Und das ist wider Erwarten richtig gut geworden. Mehr Blues, mehr Bowie und dass David Axelrod eine große Inspiration gewesen sein soll, will man fast glauben, wenn man “The Age of Understatement” hört. Die Stimme ist sowieso großartig. Spielverderber dürfen noch anmerken, dass das sogar schon Mitte April veröffentlicht wurde. Schon qua Label unter Hipster-Rock abgespeichert: Das Debütalbum der Cazals auf Kitsune. Für “What of our future” gilt dann leider ähnliches wie für “Homecoming” von den Teenagers: Die 12“s sind dank spannender Remixes wesentlich besser als die Langspielrillen.
Mark Stewarts (Pop Group, so viel Allgemeinbildung muss ich voraussetzen) Album “Edit” liegt jetzt mittlerweile auch schon einige Monate hier rum und wartet darauf besprochen zu werden. Aber irgendwie lässt sich die Schreibblockade nicht lösen. Ist das jetzt geil oder ungeil trotz/wegen Marks Nimbus? Entscheidung noch einmal vertagt. Leierkastenpop / Variete / Trip Hop Beats / kryptische Promseminarlyrik / Kirmesgeträller / Folkgezupfe – gehört auf Eva Jantschitschs aka Gustavs (“Rettet die Wale”, ihr erinnert euch) “Raus aus der Stadt”. Manchmal etwas zu betont exzentrisch, aber wenn du damit nicht die kleine Schwarzhaarige aus der Brecht-Vorlesung rumkriegst, soll es wohl einfach nicht sein. Und sie hat es doch getan: Ellen Alien veröffentlicht mit “Sool” endlich die Platte, die ihrem Ruf als Grande Dame des kalten Berliner Minimalismus gerecht wird. Dass ich die etwas songorientierte Ellen von “Orchestra of Bubbles” doch lieber mag, ist ja mein Problem.
Das Get Physical Flagschiff Booka Shade macht jetzt in IDM? Stimmt so gar nicht, aber dennoch dominiert auf “The Sun & The Neon Light” nicht mehr so sehr die Allzweckwaffe 4/4. Was nicht heißen soll, dass Walter Merziger & Arno Kammermeier nicht immer noch furiosen Thinking Man’s Techno produzieren können, wenn sie denn wollen. Aber dieser muss sich im Gegensatz zum Vorgänger “Movements” doch stärker dem Leitmotiv unterordnen. Und das heißt hier eindeutig: kopflastiges Gesamtkunstwerk. Martin Gore und Boards of Canada fahren im Hühnerstall auf Apparats Motorrad. Organischer Lounge House kommt von Loco Dice auf “7 Dunham Place”, manchmal verträumt, manchmal Chicago, immer hypnotisch. Ganz ganz super: Padded Cells “Night must fall”. Außer den Chicken Lips und The Glimmers fällt mir grad niemand ein, der so verdammt leichtfüßig Funk, Disco, Techno, Dub und Indie-Songwriterei verbindet.
Dass die Noiserocker von Health schon immer eine gewisse Tanzaffinität auszeichnete, konnte man bereits nach deren Erstling erahnen, so dass auch niemand arg verwundert sein dürfte, mit “Disco” jetzt ein Remixalbum in den Händen zu halten. Die Neubearbeitungen reichen von experimenteller Electronica, über trashigen Synthpop, verspielte Bit-Tunes bis hin zu bräsigem Arpeggio-Knarz. Das wirklich Außergewöhnliche: “Disco” ist ein in sich geschlossenes, am besten in seiner Gesamtheit zu konsumierendes Album. Und noch ein Remixalbum. Alter Ego lassen das letztjärige “Why not?!” von u.a. Modeselektor, Koze, Joakim, Supermayer, Tim Deluxe und Carl Craig durch den Fleischwolf drehen und nennen das Ganze dann “What’s next?”. Die 12”-Fraktion kennt den Großteil schon, CD-Käufer lernen, dass der Titeltrack absolut unkapputbar ist. Ed Bangers “Ed Rec Vol.3” wurde an anderer Stelle bereits ausführlich besprochen. Hier sei nur noch angemerkt, dass sich Mehdis “Pocket Piano” besonders nachhaltig in meinen Gehörgängen eingenistet hat. Zum Schluss wie immer die 20 meist gefeierten Tracks der letzten 4 Wochen in Casa Aigner: 1. Sety – Sweet & Sour (Guillaume & The Coutu Dumonts Remix) kaufen So, mal kucken, was Materazzi dieses Mal so parat hat
Die
sind eh zu Hause geblieben und vor denen
brauchen wir ja traditionell keine Angst zu haben. ******************************************************************** ******************************************************************** |




