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So, tach die Damen und Herren, ich hab mir sagen lassen, dass man als Blogger seine Leserschaft erstmal mit völlig banalen Anekdoten aus dem eigenen Leben abholt. Ich hatte Grippe und befürchtete diese Kolumne erst später abliefern zu können, aber denkste : don’t fuck with my Immunsystem! Einen Tag am Arsch und alles wieder gut. Spätestens jetzt habe ich gemerkt, dass obige Binsenweisheit völliger Quatsch ist. Lassen wir also das Tagebuchgeplänkel und kommen zur Musik. Hip Hop Hausen:
Den Anfang macht ein todsicherer Hall of Fame-Kandidat: Pete Rock veröffentlicht sein drittes “Soul Survivor”. Etwas dubiose Gästeliste, aber dennoch ordentlich. Alles weitere hier. Ziemlich voll supi ist Frau Badus Weltuntergangsepos “New Amerykah” auf dem sich von verschlepptem Detroit Synkopen-Irrsinn bis zur irren R.A.M.P.-Verneigung alles findet. Szenenapplaus für Madlibs Flötenbiest “The Healer” und das grandiose “Soldier”. Routiniert zwischen Hip Hop und Deep Funk alternieren Egons ehemalige Schützlinge Connie Price & The Keystones auf “Tell me” und verdeutlichen vor allem eins: Die Welt braucht ein neues Big Daddy Kane Album!
Dub-lastiger hingegen das All-Star Projekt The Lions, welches ebenfalls bei Ubiquity eine Heimat gefunden hat. Warum steht das jetzt eigentlich hier und nicht unter Und sonst so? Unterdessen läuft Black Milk durch zu vehementes Homies-unter-die-Arme-Greifing Gefahr einen 9th Wonder hinzulegen. Fat Ray mag ein netter Kerl sein und schlecht ist “The Set Up” besonders beattechnisch keineswegs, aber zu viele Baustellen können gerade in der gnadenlosen Message Board-Zeit durchaus schnell dazu führen, dass das Momentum weg ist. Heißt ja nicht jeder Otis Jackson Jr. Atmoshere sind so frei ihr Weihnachtgeschenk “Strictly Leakage” für die Wachsliebhaber doch noch physisch zugänglich zu machen. Bemerkenswerter Arbeitsethos in Minnesota…
Ghislain Poirier hat leider immer noch nicht begriffen, dass ich seine bemerkenswerten Produktionen NICHT von drittklassigen Toastern und Rastafari-Schwachmaten ruiniert haben will. “No Ground Under” wäre doch so ein schönes Glitch-Electro Album, wenn er nur…ach, lassen wir das. Manche mögen sowas. Dass man Beats einfach mal in Ruhe lassen und für sich sprechen lassen muss, hat man hingegen im Hause Equinox von Beginn an zur Maxime erhoben. Zur Entscheidung, das 5”(!!!) Boxset doch in einer etwas höheren Auflage zugänglich zu machen als ursprünglich geplant, kann man Herrn Scientist nur gratulieren. Rein optisch schon ein mächtiger Anheizer in jeder Plattensammlung, kann auch die musiklaische Melange aus sinistrem Instrumental Hip Hop, IDM- + Soundtrack-Einflüssen und Electronica erneut überzeugen. Zu den Outtakes aus Edo. G. & The Bulldogs’ “Life of a kid in the ghetto” muss angesichts der Ära in der diese entstanden, nicht viel gesagt werden. Wie sollte das unveröffentlichte Material auch saugen, wenn zur gleichen Zeit sowas wie “I got to have it” dem Hirn von Edo entsprungen ist? ******************************************************************** Und sonst so:
Dass ich Hot Chip für eine ganz interessante Band halte, sollte bereits deutlich geworden sein. Wenden wir uns also Sebastien Tellier und “Sexuality” zu, was insofern ganz gut passt, als dass auch hier munter geplündert wird. Achtziger-Frankokitsch, Softporno-Soundtrack-Schwulitäten, Erinnerungen an verganene Daft Punk Balladen und ein Artwork, das man sich auf ein T-Shirt drucken und zur nächsten Bad Taste Blödelei rennen will. Weniger Synth-lastig aber auch kräftig in der Vergangenheit rumgraben tun die Herren von Vampire Weekend. Warum die gerade die nach Hot Chip am zweitmeisten gebloggte Band auf hypem sind, kann man hier versuchen zu verstehen.
Wer sich nicht bis auf die Knochen blamieren will, hat jetzt die Chance einige der signifikantesten Geniestreiche des vielleicht begnadetsten Dramaturgen elektronischer Tanzmusik der letzten 15 Jahre nachträglich und vor allem kostengünstig zu erwerben. Carl Craigs “Sessions” ist von hinten bis vorne essentiell, aber das wissen wir hoffentlich alle eh schon. Ähnlich durchtrieben und filigran, wenn auch mit etwas anderen Mitteln, agieren wieder einmal Autechre, die auf “Quaristice” natürlich wieder munter drauf los dekonstruieren, aber – zumindest bilde ich mir das ein – ab und an fast schon zugänglich geworden sind, gemessen an den eigenen Standards natürlich. Tadd Mullinix, den meisten hier wahrscheinlich eher als Dabrye bekannt, hat sein James T. Cotton – Alias wieder ausgegraben und schwingt erneut die Acid Techno-Keule. Dunkel, brodelnd und gut. Kann alles, der Typ.
Ghostland Observatory passen mit ihrem kruden Electro/Yachtrock-Crossover gut in die Zeit, aber der Sänger geht gar nicht. Glam in allen Ehren, aber ein bißchen Talent kann man doch auch erwarten. Ähnliche Kategorie, aber besserer Sänger: die Justice – Spezis von Scenario Rock, deren Sänger Mehdi Pinson allen als die Stimme auf “DVNO” bekannt sein dürfte. Und auch wenn “Histrionics” ein okayer Happen ist, bleibe ich dabei: am besten ist diese Band, wenn sie von einem Haufen bulimischer Kettenraucher durch den Fleischwolf gedreht wird. Kein Wunder also, dass man die zahlreichen Remixes geistesgegenwärtig gleich mit auf das Album gepackt hat. Anderes Thema: an sich mochte ich die balladesken Momente bei Goldfrapp immer ganz gerne, aber ein ganzes Album wie geschaffen für dramatische Slow Motion Sequenzen ist dann doch etwas zu viel des Guten. Etwas mehr Hedonismus hätte “Seventh Tree” sicher gut getan.
Die Erde ist rund, das Runde muss ins Eckige und Nick Cave ist ein toller Musiker. Das setze ich mal als bekannt voraus. Gott, sind die Streicher auf “Jesus on the Moon” schön…höre ich da ein Panflötensolo??? Zweimal okayen aber reichlich braven Indie-Schranz gibts von British Sea Power und den Glasgowern Correcto. Tut keinem weh, ist gerade im Falle ersterer auch mal richtig pompös, aber wirklich zwingend geht auch anders. Kommen wir zu Erfreulicherem: Stop – Drop – Playlist-Time. Vom “Remmi Demmi” der 08er Saison, über DITC-Throwbacks, M.I.A. im Dubstep-Gewand, 80er Mode Faux Pas, rohem Bombshelter Soul, lärmenden Arpeggios, wunderschöner Filter House-Nostalgie, Jagger Blasphemie bis hin zu endlich auch offiziell veröffentlichtem Dilla-ismus Marke Flying Lotus. 1. Lützenkirchen – 3 Tage wach kaufen Ich geh Schuhe kaufen, ‘schüss.
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