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Viel war nicht im Januar. Ist man zugegebenermaßen gewohnt nach dem Weihnachtsgeschäft, aber außer gefühlten 50 Promos für Alben, die erst in den nächsten Monaten erscheinen werden, gabs nicht so wirklich viel in den letzten vier Wochen, zumindest auf Albumlänge. Kratzen wir mal die Reste zusammen: Hip Hop Hausen:
Was läuft da eigentlich schief? Ist nach monatelangem 16er-Schreiben und Beats anschaffen der Kopf einfach immer zu oder sind Hip Hopper wirklich so fantasielos? Also ehrlich, da lob ich mir das gute alte Lochcover, wenn ich diesen Monat wieder den Kunstkritiker gebe. Allein die ersten drei Kandidaten: Skyzoos Sidekick Torae steht da mit aufgerissenem Mund in der Booth, die Auflösung erinnert an dunkle VGA-Zeiten und so ein Logo designen dir Waldorfschüler locker in der 5-Minuten Pause zwischen Namentanzen und Blätterpressen. Furchtbar, aber wenigstens die Musik ist beachtlich. Gnadenlos reaktionär und bequem in jeden Rucksack passend, aber durchaus stimmig. Beats kommen vom Säulenheiligen aller Nostalgiker Premier und auch Black Milk und Marco Polo haben die ein oder andere 98er Hymne im Köcher. Von der Waldorfschule zum total jungen und völlig crazyen Graffitikurs im örtlichen Altenheim. Sollte tatsächlich jemand ohne Blasenschwäche und künstlicher Hüfte das Cover für Ex-Eastern Conference + Def Jux Wasserträger Yak Ballz verbrochen haben, muss der dringend seine Talente neu evaluieren. CD wurde hier aus Protest ignoriert, obwohl ich Yaks Solodebüt “My Claim” durchaus mochte damals. Ganz so hart war ich dann beim nächsten Sidekick doch nicht, obwohl auch Big Noyds “Illustrious” graphisch durchaus einiges zu wünschen übrig lässt. Und obwohl Noyd immer noch keine Alben machen kann, hat sich diese Entscheidung zumindest partiell gelohnt. 4-6 boshafte QB-Brecher lassen sich schließlich auch hier wieder extrahieren, allen voran “Posted on the block”, “Back up in this bitch”, “Ghetto” und das angenehm verschlafene “Snitches”.
Genug gemotzt über Coverartwork, kommen wir zu einem, mich selbst am meisten überraschenden, Eingeständnis: ich mag ein Album mit deutschen Texten. Es dürfte dem ein oder anderen aufgefallen sein, dass Deutschrap und ich nicht so ganz gut miteinander können, aber was Hulk Hodn & Kurt Hustle alias Huss & Hodn auf ihrem, dank der tollen Menschen von HHV jetzt auch auf Vinyl erschienen, Album “Jetzt schämst du dich” veranstalten, muss ich emphatisch gutieren. Weder Zeigefinger noch Gossenromantik, unpeinlich auf p.c. scheißend und mit Beats wie man sie eher von Count Bass D oder Kankick erwarten würde. Macht Spaß, Label-Bias mal ganz bei Seite gelassen. Wenn ich schon die Deutsch-Phobie für Januar kurzfristig bezwungen habe, kriegen halt Dynamite Deluxe auch noch ihre Chance, schließlich fand man die in Teilen der Adoleszenz doch auch recht dufte. Und auch wenn Samy an sich immer noch ne okaye Type zu sein scheint: man bleibt halt nicht 16 und über die erstaunlich professionellen Hochglanz-Produktionen will man jetzt im Zweifelsfall doch eher Harlem Ebonics, alternde Hustler oder N.O.R.E. hören. Und selbst denen würde ich unterstellen, dass sie schon bedeutend bessere Beats gepickt haben. Im Februar findet Deutschland dann wohl wieder ohne mich statt. Sagt nicht, ich hätte es nicht versucht! Eher was für die Ü-20-Fraktion dürfte Pete Philly & Prerequisites Machwerk “Mystery Repeats” sein. Ich wage an Hand einiger Snippets jetzt mal kein Urteil, aber der tiefe Jazz-Bass klingt ganz angenehm.
Der Fall Madlib gegen Madlib hingegen ist schon geschlossen, wer die Akte Percee P – “Perseverance Remixes” einsehen will, folgt diesem Weg. Gewohnt eklektisch geht das eingespielte 45er-Team Shadow & Cut Chemist (ja, letzterer hat tatsächlich einen Lehrer in Juno gespielt) zu Werke. “The Hard Sell” ist eine Rarität in diesen Ableton + Serato-Zeiten: Live gemixt mit echten Platten. Das ist gut so, aber leider nicht mehr ganz so zwingend wie noch “Brainfreeze” oder “Product Placement”. Daumen hoch, dass sich zwischen Sample-Sektionen und “Apache”-Verneigungen auch sowas wie Various Production findet. Mit Clutchy Hopkins’ Ubiquity Debüt “Walking Backwards” konnte ich mich leider noch nicht auseinandersetzen, aber da braucht man wahrscheinlich keine Bedenken haben, dass das scheisse wird. ******************************************************************** Und sonst so:
Wie ich zu Cat Powers zweitem Cover-Album “Jukebox” stehe, habe ich noch nicht endgültig entschieden. Hat halt diese eindringliche Stimme und selbst “New York, New York” kommt gar nicht so überpeinlich wie erwartet, aber das alles ist so arg zahm. Nett und so, aber irgendwie werde ich das Gefühl nicht los, dass sowas in der Jura-Lerngruppe zum Brunch läuft. Der Nettigkeit völlig unverdächtig: Warps Frickler Clark, der auf “Turning Dragon” zuverlässig die alte IDM/Warp-Tradition wahrt. Irgendwo zwischen Aphex Twin, Autechre, Amon Tobin, Villalobos und Oizo, ergo wahnsinnig sperrig, aber gerade längerfristig sehr belohnend. Teaser gibt’s auch. Gitarren statt Sample-Amokläufe gibts bei Nada Surf und deren Neuer “Lucky”. Brav und sehr hornbrillig, aber charmant. Nur dass sich alles immer so nach
Unsre Kölsche Jung Tocadisco hat auch ein Album gemacht, “Solo” heißt es und ist gar nicht so clubgeil, wie man vielleicht erwartet hätte. Eher so Eintopf, aber durchaus gut abgeschmeckt. Fast schon mehr Pop als Electro, die Warmduscher-Gitarren sind bäääh, ansonsten aber angenehm erwachsen. Zu Struts Wiederauferstehung in Form der Compilation “Disco not Disco” schreib ich außer “schon gut” jetzt mal nüscht, weil ihr euch hier eh das ganze Album anhören könnt. “Launderette” ist fantastisch. Ach, ich wollte doch nichts sagen, kacke. Die Prog-Streber von Mars Volta haben auch was Neues. Hört auf den Namen “Bedlam in Goliath”. Ich mag die immer noch nicht. Der Gesang ist masturbatorischer Hair Metal-Blödsinn, die Musik ambitioniertes Kreiswichsen. Noch finsterer wirds wenn die Latino-Keule geschwungen wird. So und weil wir jetzt 2008 haben und das Internet definitiv noch mehr Listen braucht, gibt es ab jetzt immer noch eine kurze Auflistung der Tracks, die bei mir im jeweiligen Monat am meisten hoch und runter gelaufen sind. Keine Sorge, was noch nicht offiziell erschienen ist, wird früher oder später schon käuflich zu erwerben sein. Hier also die Januar-Edition: 1. Zomby – Spliff Dub (Rustie remix) kaufen ******************************************************************** |






