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10) Chromeo – Fancy Footwork Ach, sind sie nicht zu vergöttern, die beiden Spackomaten aus Kanada? Schieben uns bierernst das “Beat it”-Intro unter, legen Police Academy-Sirenen drunter und hauen dann mit ihrem mühelosen und nie forciert wirkenden P-Funk (‘P’ for Porno) so auf die Kacke, dass Rick James in der Player’s Lounge bei Jesus oben den 2-Step tanzt und ich zum Friseur rennen will um mir einen zünftigen Jheri Curl stehen zu lassen. 9) The Cool Kids – 88 “Black Mags” wäre die akzeptiertere Alternative gewesen, aber egal: “88” ist noch eine Spur besser. Der erste Cool Kids Track der Run DMC-ismen über schicken “Hell Hath No Fury”-Minimalismus stellt und richtig forsch nach vorne geht. Was nicht heißt, dass “Black Mags”, “One Two” und “I rock” nicht auch Riesensauereien wären. Gott, das Album muss her, am besten gestern. 8) LCD Soundsystem – Someone great He did it. James Murphy hat DEN Moment auf “45:33” tatsächlich noch verbessert. Mit großartigen, zwischen Nonchalance und Wehmut schwebenden Vocals. Und so fantastisch der Rest von “Sound of Silver” auch war, das hier ist einfach nur majestätisch. All hail King James. 7) Saigon – Come on baby (remix ft. Jay-Z) Zwar fehlt hier die bereits legendäre Zeile, die zu dem hier führte, dafür wartet der Remix aber mit einem Gastvers des laut Saigon “Greatest of all time” auf. “The world’s most underrated” lässt sich kräftig anstacheln von Jiggas Präsenz und reitet dieses von Just Blaze so unglaublich clever gesetzte Steven Tyler Vocal-Sample so was von in Grund und Boden. Stadion Hip Hop wie er besser nicht gemacht werden kann. 6) Rage against the machine – Killing in the name of (SebastiAn remix) SebastiAn, zum Dritten. Die elektronische Abrissbirne. Zack de la Rocha, die Gitarren, die schon 1992 in jedem Jugendhaus ertönten und maximal übersteuertes Gebratze. Anscheinend innerhalb weniger Minuten in einem Hotel entstanden. 5) Burial – Archangel Auch auf die Gefahr hin als völlig übergeschnappt zu gelten: gibt es irgendjemanden der Burial momentan das Wasser reichen kann bei dem was er tut? Wie der hier die Brücke schlägt zwischen UK-Garage & 2-Step Nostalgie und futuristischer Mood Music, so melancholisch und doch so vor Energie-berstend, das spottet solch lächerlich korsetthaften Einordnungen wie Dubstep oder Electronica. Neben den beiden Franzosen mit dem Kreuz das große Thema meines Musikjahres 2007. 4) M.I.A. – Bamboo Banga / Paper Planes Klassisches Unentschieden: Next Level Tanzflurmusik zwischen Baltimore, London und Atlanta, bei der ‘Hummer’ auf ‘Power’ gereimt wird vs The Clash mit Pistolenschüssen und Kassengeklimper. Den Mythos ‘Eargasm’ selbst erlebt als bei “Bamboo Banga” bei 1.40 Min die Drums richtig reinkommen. 3) Jay-Z – Success (ft. Nas) DIE Sensation auf einem fast durchweg sensationellen Album. No ID schmeißt die billige Hammond Orgel an und dreht sie krätig durch den Fleischwolf. Jay killt in den ersten beiden Versen alles, unter anderem mit Ansagen wie “To be honest, I was happier when I was piss poor” und gerade wenn man sein Glück nicht mehr fassen kann, meldet sich Nasir zu Wort und ringt Herrn Carter fast noch ein Untentschiden ab (“Google Earth ‘Nas’, I got flats in other continents”). Viel mehr geht nicht. 2) Trentemøller – Moan (Vocal remix ft. Ane Trolle) Wer hat eigentlich behauptet Computermusik würde kalt klingen? Mir stehen die Nackenhaare gleich nach dem ersten Takt zu Berge und wenn Ane Trolle anfängt zu hauchen, muss ich gar jegliche Emo-Anwandlungen in mir mit Gedanken an Bier und Monster Trucks bekämpfen. Dass man dazu dann sogar noch tanzen kann, setzt dem Ganzen die Krone auf. Die größte Wirkung entfaltet “Moan” in der epischen 7-minütigen 12”-Version, aber um erahnen zu können, was für ein Geniestreich Trentemøller gelungen ist, reicht auch die 3,5 Minuten Video-Version. R.I.P. Leika. 1) Justice – D.A.N.C.E. Boo Hoo, what a surprise…NOOOT. “Genesis”, dieses Pathosmonster mit den billigen Arcade-Ballersounds und der hoffnunglos übersteuerten Bassline, das “Simon Says” wie “Don’t worry be happy” erscheinen lässt, gibt mir auch nach dem 500. Durchgang noch genügend Adrenalin um auf der Stelle mit Valujev in den Ring zu steigen. Und “Waters of Nazareth” fährt mir immer noch so in den Magen, dass ich nach 10 Sekunden Blut spucke. Aber hier muss man sich auch etwas vom größeren Kontext leiten lassen und wer würde gegen einen Song argumentieren wollen, auf den man selbst von pickligen,euphorisierten Chemiestudenten angesprochen wird? Dessen Video in den nächsten 5 Jahren etwa 2315-mal kopiert werden wird? Einen Kinderchor, der so im Ohr hängen bleibt, dass daneben “Young Folks” und “Crazy” wie Aphex Twin erscheinen? Dessen Melodie selbst dein CDU-Landtagsabgeordneter mitpfeifen würde? Eben. Et Justice pour tous. ******************************************************************** TEXT + AUSWAHL: FLORIAN AIGNER ******************************************************************** |

