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Hip Hop Hausen: Zugegebenermaßen fühlt man sich schon ein Stück weit wie der ‘Leute Heute’-Außenreporter, aber am Kanye vs. Fiddy-Theater führt dann halt doch kein Weg vorbei. Der Ausgang dürfte mittlerweile bekannt sein und dass Curtis trotz allem natürlich nicht aufhören wird zu rappen, so lange die Kuh noch Milch gibt, ist auch klar.
Kommen wir also zur Musik. Aber es gab noch einen Platin-Anwärter mit neuem Album. Chamillionaire‘s “Sound of Revenge” muss man, angesichts der technischen Fähigkeiten von King Koopa, als Enttäuschung verbuchen. Zuviel Sing-Sang, zu viel Breitwand und vor allem zu viel “The Final Countdown”.
Stones Throw and you don’t stop. Nach Dr No und dem Beat Konducta schmeissen die Steinwerfer mit Percee P‘s “Perseverance” binnnen weniger Wochen gleich den dritten sicheren Kandidaten für die obligatorischen Best-of-Listen am Jahresende ins Rennen. Alles weitere hier. Ob Cadence Weapon‘s “Breaking Kayfabe” bei diesen außen vor sein wird, da es ursprünglich bereits letztes Jahr über das kleine kanadische Label Upper Class zugänglich war, möchte ich nicht entscheiden. Musikalisch spräche nicht viel dagegen. Ausführlichere Review folgt in Kürze. Atmosphere‘s B-Seiten Spielwiese lädt zum neunten Treffen ein. Dieses Mal gibt’s einen erstaunlich sommerlichen Slug ohne Depressionen. Und bei hhv noch ein flauschiges T-Shirt obendrein.
Von Ex-Emo Slug nun zur dunklen Seite. Die wie üblich miesgelaunte Army of the Pharoahs kommt auf Babygrande mit ihrem Zweitling um die Ecke. Irgendwie bin ich für diesen melodramatisch-dunklen Scheiss ohne Überraschungsmomente mittlerweile zu alt. Wenigstens kann ich aber über Celph Titled’s Punchlines noch lachen. Auch stockdunkel wird’s auf Sick Jacken‘s (ja, der von Psycho Realm) und Muggs’ Kollaboration “Legend of the mask & the assassin”. Der ein oder andere Banger lässt sich schon ausmachen, aber insgesamt hat das AOTP-Fazit auch hier Gültigkeit. Necro und ich waren noch nie so richtig dicke Freunde. Diese billige Elternschock-Lyrik in Verbindung mit seinem Hartz4 Kool G Rap Flow schlugen mir schon bei früheren Werken sauer auf. Dass er es sich mittlerweile auch noch in der Death Metal Ecke bequem gemacht hat, macht das Ganze nicht genießbarer.
Dann doch lieber ein rappender Lebkuchen. Den selbigen gibt doch tatsächlich MF Grimm ein ganzes Album lang. Kein Scheiss. Da der aber schwer kriminell ist und das Geschehen in “Candyland” spielt, darf er seinen Hip Hop Pass aber dennoch behalten. Ein dreifaches What the fuck?!? goes out to me. Wie konnte ich AZ‘s “Memphis Sessions” auf der letzten Promo-Liste übersehen? Die Idee dahinter ist mittlerweile komplett durch, aber AZ über Al Green-Songs passt eimfach. Da kann man es auch entschuldigen, dass viele der verwendeten Samples schon schwer durchgenudelt sind. Nach Styles P’s “The Ghost Sessions” bereits der zweite exzellente Cut&Paste-Job ohne Label-Zustimmung. Insgesamt solide das Debüt der, aus Edo G, Jaysaun und Slaine bestehenden Special Teamz. Leider kann das Niveau der ersten 10-15 Minuten beileibe nicht die gesamte Spielzeit über gehalten werden und die feuchten Träume, die manch einer auf Grund des Production Line-Ups (Premo, Pete Rock, Marco Polo…) gehabt haben mag, waren auch umsonst. Gerade für die Ü-21 sicher drei, vier Durchgänge wert. Diese grausige Crossover-Katastrophe “Gun in my hand” vergessen wir galant. Sind hier doch nicht bei “Judgement Night” und 1993 ist auch vorbei.
Hezekiah schließt sich den Kaiser Chiefs an und prophezeit einen Aufstand. So ein reißerischer Titel passt eigentlich gar nicht zu Hezekiah’s Verschlafenheit und der zurückgelehnten Haltung, die sich Rawkus seit der Wiederauferstehung zu eigen gemacht hat. Früher hätte man sowas auf einer Superrappin’ Compilation wahrscheinlcih abgefeiert, heute hakt man es unter ‘tut keinem weh’ ab und widmet sich größeren Herausforderungen. Bestenfalls durchwachsen muss man leider Havoc‘s Solodebüt “The Kush” nennen. Zu viele Weed Carriers, die sich vors Mikro drängten, wenn der Boss mal eben versuchte, die Herzen der stolzesten Frauen im, äh, Herzchenpullover zu brechen, zu viele uninspirierte Beats und Ansagen, die über Plattheiten wie “Get off my dick” nur selten hinausgehen. K.O.-Sieg in der ersten Runde für “Return of the Mac”. Die gesamte Pitch Black Crew sollte eigentlich jeden Abend in den D&D Headquarters vorbeischauen und Premo das Studio mit der Zahnbürste sauber machen. Ohne den hätte dieser doch eher mäßig talentierte Verein weniger Zuhörer als Slayer auf SWR-4.
Es soll Leute geben, denen dieses Dipset-Ding mittlerweile schwer auf die Eier geht. Ich gehöre nicht unbedingt dazu und dementsprechend kann ich Hell Rell‘s “For the Hell of it” durchaus etwas abgewinnen. So ignorant wie befürchtet/erwartet, leidet das Album aber stellenweise unter der sehr gleichförmigen Produktion. Schnell vergessen sollte man hingegen die Existenz dieses unsäglichen, von Raekwon abgesegneten, Desasters Ice Water. Kann man ja verstehen, dass man als alter Wu-Platzhirsch auch mal die Homies ranlassen will, man sollte jedoch nicht erwarten, dass das irgendjemand außerhalb des Freundeskreises gut findet. Viel besser die von Fat City Records liebevoll zusammengestellte Beatschmied-Vorstellung “Producer No1”. Unter anderem darauf zu finden: das fantastische “For the D”, das Guilty Simpson hoffentlich auch für sein eigenes Album benutzen wird, sowie das stolpernde “Donuts with Sprinkles” vom Riesentalent Samiyam.
Gar nicht so unglücklich bin ich darüber, dass mir noch niemand Swizz Beatz’ “One Man Band” und Will.I.Am‘s “Songs about girls” zugesteckt hat. Ich ahne Schlimmes. Eine Promo für Stones Throw Goldkehlchen Georgia Anne Mulrow und unseren Esoterik-Cheech Dudley Perkins hingegen kann mir gerne jemand zukommen lassen. Das könnte Spaß machen.
Im Instrumental-Bereich darf man sich über Sixtoo‘s Druminferno “Jackals and Vipers in Envy of Man” freuen. Equinox mausert sich immer mehr zur Instrumental-Instanz. Auch die schnieke Picture Disc-Preview zur in Kürze erscheinenden Geburtstags-CD “One Year and a Day” kann man wieder ungehört in den Warenkorb legen. Sehr schade, dass Blockhead seiner Ankündigung treu geblieben ist und “Uncle Tony’s Coloring Book” nur in kleinem Rahmen veröffentlich hat. Bisher in Deutschland kaum zu kriegen und ob sich daran noch was ändern wird, muss man leider auch bezweifeln. Eine journalistische Auseinandersetzung ist dennoch bereits erfolgt.
Problemlos erwerben kann man seit Mitte September hingegen die überfällige Reissue zum fast schon legendären Diplo & Tripledouble Psych-Rock/Soundtrack-WirrWarr Mix für Money Studies. Auch nach 5 Jahren noch fantastisch und jetzt als Super-Duper-Special-Edition neu aufgelegt. Richtig, richtig gut auch das Debütalbum von Malcolm Catto’s Band The Heliocentrics. Und wenn der Waschzettel so Recht hat wie hier, spare ich mir doch die Arbeit: Im August unterschlagen: Das erneut kräftig funkende und herrlich Horns-lastige neue Werk der Staten Islander Budos Band. Daptone Records hat die Bläser-Competition aber auch dermaßen im Griff…Wo wir grad beim Thema Daptone sind:
Wir bleiben funky, aber mit deutlicher Boogie und Jazz-Affinität, personifiziert durch Kon & Amir. Die beiden Über-Digger veröffentlichten gerade eine hörenswerte Compilation auf BBE mit genau diesen Schwerpunkten. Ebenfalls immer am Wühlen ist Radio-Legende Gilles Peterson. Der kommt pünktlich zum Monatsende mit dem zweiten Teil seiner America-Reihe an. Dass man sich auf Mr. Worldwide geschmackstechnisch verlassen kann, sollte mittlerweile bekannt sein. Zum Schluss darf man sich in der Hip Hop-Ecke gerne noch über Kano‘s extrem lustloses “London Town” echauffieren. Mit wenigen Ausnahmen (u.A. das bärenstarke “Product of my Environment”) hat das Londoner Ausnahmetalent hier jeglichen Schwung verloren und versucht sich an Stelle von State of the Art-Grime und Jigga-Swagger an Bubblegum-Hop und unausgegorenen Club-Anbiederungen. “Kano wins” gibt es 2007 leider nur bei Mortal Kombat zu hören. ******************************************************************** Und sonst so:
Fangen wir mit Boys Noize‘s Brachial-Elektro Brett “Oi Oi Oi” an. Wer es gern subtil und clever hat, kann sich gerne einen Kräutertee kochen und auf Matthew Herberts nächstes Album warten. Der Rest spackt gefälligst ab, als würde es kein Morgen geben. Die Details hier. Weniger brutal hingegen Modeselektor‘s “Happy Birthday”. Herrlich versponnene 70 Minuten bei der die Adjektive “elektronisch” und “beatlastig” schon die einzige Konstante bilden. Gomma bringt mit Rodion‘s “Romantic Jet Dance” wahrscheinlich das richtige Album zur richtigen Zeit heraus, wobei die Digitalism und Justice-Vergleiche Quatsch sind. Das hier ist viel cheesiger und vor allem viel mehr Italo. Ob Rodion auch im Albumformat funktioniert oder doch eher der EP-Typ ist, habe ich noch nicht entschieden. Bis zur kommenden ausführlicheren Review sollte diese Frage aber geklärt sein. Besonders hervorgehoben wird definitiv darin sicher auch “Fisico”.
Ähm, ok. Eine Best-of CD nach einem Album? Das kennt man sonst eher aus der Ecke Bro’Sis aber sei’s drum. Bei Trentemøller hat das angesichts der zahlreichen großartigen Vinyl-only Remixes sogar fast schon Berechtigung. Auf CD 1 mixt sich der Tüftler durch das eigene Oeuvre, auf CD 2 gibt es unter anderem den vorzüglichen Royksopp Remix und “Konichiwa Bitches” wird für Tarantinos nächste Klamotte zurecht gemacht. Super und mitnichten überbewertet. Ja, ich weiß schon: Arthur Russell ist heilig und jegliche Kritik outet mich als Vollgas-Spacko aber egal: Das jüngst wieder-veröffentlichte Dinosaur L Album “24->24 Music” gibt mir irgendwie nicht so ganz viel. Schön discoid, was angesichts des Entstehungszeitraums auch nicht verwundert, aber ne, das ist kein Karrierehöhepunkt. Burnt Friedman hat noch nicht ganz diesen Säulenheiligenstatus, aber ihm ans Bein zu pinkeln, dürfte ähnlich verpönt sein. Da trifft es sich ganz gut, dass ich “First Night Forever” noch gar nicht gehört habe und dementsprechend auch in kein Fettnäpfchen tapsen kann. Steve Spacek gibt sich die Ehre, wird schon passen.
Leider redundant das erste µ-ziq Album seit drei Jahren. Wäre zu den großen Warp-Zeiten aber sicher ein Bringer gewesen. Die gruseligsten Momente von Franz Ferdinand, kombiniert mit den ersten Gehversuchen deiner örtlichen Talking Heads-Coverband und einer Prise Bon Jovi Haarspray-Glam – so in etwa muss man sich VHS or Beta‘s “Bring on the Comets” vorstellen. Hände weg! Wesentlich geschmackssicherer wildert sich das Go!Team auf seiner neuen Platte “Proof of Youth” durch die Musikgeschichte der letzten 30 Jahre. Der Vorgänger hatte mehr Hits und machte auch insgesamt mehr Spaß. Kann man aber trotzdem noch guten Gewissens 15 Euronen für abdrücken.
Die kuscheligen Isländer von múm haben den Weggang Kristín Valtsdóttirs wider Erwarten ganz gut verkraftet und kommen auf “Go go smear the poison ivy” mit einem soliden, wenn gleich auf weit weniger raffinierten, Album um die Ecke. Devendra Banhart sollte man eigentlich aus Prinzip eine reinwürgen. Was dem verschrobenen Waldschrat im Moulin Rouge-Zwirn in den letzten Jahren von den einschlägigen Medien die Eier gekrault worden sind, ist schon ein wenig ekelhaft. Aber was will man machen, die ganzen Indie-Schnösel haben letzlich doch Recht. Der Weirdo mit dem Zauselbart ist halt einer der wenigen noch verbliebenen Troubadoure bei dem man nicht zwangsweise an Lagerfeuer und Live Aid denken muss. Auch sein jüngstes Album “Smokey Rolls Down Thunder Canyon” macht da keine Ausnahme. Nur an das Spanisch werde ich mich nie gewöhnen. Auch wenn er so etwas wie der Jack Johnson für Nicht-Sportstudenten geworden ist, Jose Gonzales darf und muss man schon mögen. Bißchen schade, dass sein nach wie vor bester Song das Sony-erprobte The Knife-Cover bleibt, aber dennoch finden sich auf seinem neuen Album “In our Nature” auch wieder jede Menge gelungener Eigenkompositionen.
Genau das Richtige für die pünktlich zum Monatswechsel zuschlagende Herbstgrippe ist PJ Harvey‘s “White Chalk”, auf dem Frau Harvey die E-Gitarre im Schrank lässt und sich stattdessen lieber auf dem Piano begleitet. Manchmal zu viel Tori Amos, ab und an zuviel Metapherngeschwurbel, aber die alte Polly würde mich mit Rotz in der Nase und Bazillen im Hirn eh nur überfordern. Das vermeintliche Soloalbum von Kevin Drew ist de facto ein reguläres neues Broken Social Scene Album mit dem feinen Unterschied, dass die beiden schlagkräftigsten Argumente (Leslie Feist + Emily Haines) sich dem losen kanadischen Verbund zu widmen, hier leider fehlen. “Too beautiful to fuck” ist trotzdem ein super Titel. Gutmensch Manu Chao hat auch was Neues anzubieten. Kann ich nix zu sagen. Fans dürften aber wieder zufrieden sein. Gestorben wird leider auch im September. Neben Pavarotti hat es auch Funk-Legende Bobby Byrd erwischt. Damn shame. Zum Abschluss noch eine praktische Lebensweisheit: Furze nie in der Gegenwart von Tom Cruise. |
















