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Hip Hop Hausen: Okäse, das war nix. Zumindest in Sachen Langspielrillen herrschte im Mai doch eher gepflegte Langeweile.
Gut, wir hatten Jazzy Jeff und sein grundsolides, aber etwas zahnloses “Return of the Magnificent”, welches mit “Practice” bewies, dass sich mehr Rapsongs mit Allen Iverson Pressekonferenzen kreuzen sollten. Außerdem noch einen gewohnt sarkasmusfreien KRS-1 über staubtrockenes Boom Bap-Gewitter von ze won än only Marley Marl. Beattechnisch Pflicht und wie man den selbigen reitet, weiß der Alte auch noch, aber diese grenzdebilen “Holier than thou”- Predigten strengen auf Dauer halt doch an. Zu Unrecht beinahe vergessen hätte ich Babus Beattape für Nature Sounds. Geschmackvoll selektiertes und garantiert risikofreies Headphonefutter. Auch Babus Dilated-Spezi Evidence liefert mit den “Red Tape Instrumentals” eine bodenständige Sammlung alter und neuer Beats ab. Der Einnickfaktor ist hier aber deutlich größer als bei Babus Beitrag. Bahamadias bisher nur in Australien erschienenes Album kann nun auch hierzulande erworben werden. Hat man aber nicht arg viel verpasst. Gibt’s irgendwo eine “Bring back Premo” – Petition, die ich unterzeichnen kann? Beim Stichwort Premo kommen wir aber zu einem erfreulicheren Thema: dem Single und losen Tracks – Angebot.
Seit ein, zwei Wochen kann man auf Grund dieser Mafia Commons “Finding” Forever bereits als Volltreffer verzeichnen. Etwa die Hälfte des Albums geistert irgendwo zwischen .blogspot.com und /forum/php. herum und wenn der Rest auch nur annähernd an “The Game”, “The People” oder “Misunderstood” heranreicht, steht ihr gefälligst alle am 31.07. bei hhv.de in der Schlange. Ähnliches lässt sich auch jetzt schon über Pharoahe Monch und sein seit Ewigkeiten erwartetes “Desire” sagen. Die Presse durfte schon und was der Mönch technisch noch vorzuweisen hat, ist beängstigend. Auch die deutliche Gospelfärbung wirkt nicht gekünstelt, so dass ich durchaus damit leben kann, dass hier einer eindeutig Commons Fanbase ansext. Etwas gewöhnungsbedürftig hingegen, dass er auf “Body Baby” den Cee-Lo 3000 in sich entdeckt hat, aber ihr werdet es ihm danken, wenn eure Freundin dies mit einer spontanen Lapdance-Einlage gutiert. Im Mixtapesektor geht diesen Monat nichts über Lil Waynes von DJ Benzi inszeniertes Remix-Showcase “None Higher”. Die Weezy F Baby – Affäre dürfte hiermit endgültig überstanden sein. Welche Blüten akuter Daniel Dumile-Mangel treiben kann, zeigt dieser bizarre MF Doom- Wunschzettel. In den Worten des anderen großen Weirdos: I don’t believe you! Andere Rubrik, gleiches Fazit: In der Rentenspalte tut sich im Mai The Game hervor, der verkündet sein drittes sei gleichzeitig sein letztes Album. Yeah right… Die Chance ein weiteres “Nothing like it” von Kanyeeeze auf den stattlichen Leib geschneidert zu bekommen, hat sich Beanie Sigel wohl mit seinen abfälligen Kommentaren zu dessen und Skateboard Ps Garderobe verbaut. Da sage nochmal einer, Rapper könnten sich in Interviews nicht eloquent ausdrücken. Das vielleicht beschissenste Video in der unendlichen Reihe beschissener Hip Hop Videos hat New Yorks nächste Mixtape Hoffnung Uncle Murda gemacht. Aber wenn er in Zukunft weiter auf Tracks mit Fabo und Jiggaman gastiert, kann er sich nächstes Mal bestimmt richtige Plastikbitches leisten und muss nicht die lokalen Hoodrats anbetteln für ihn zu wackeln. Lauryn Hill hat leider immer noch nicht wieder alle Latten am Zaun, aber immerhin tut sie sich wieder musikalisch hervor. Getourt wird auch kräftig, von AG über Brother Ali bis hin zu Nas beackern zahlreiche Haudegen den alten Kontinent. Letzerer verspielt allerdings mit dieser Aktion kräftig Sympathien. Dafür haben De La Soul gar Prince Paul und Black Sheeps Dres im Gepäck. Und ich habs verpasst. Menno. Und sonst so:
Mark Ronson führt nach den einigermaßen fantastischen Alben für Lily Allen und Amy Winehouse seinen Siegeszug als Danger Mouse der 07er Saison mit seinem Coveralbum “Version” fort. Stör’ dich nicht daran, dass das auch deiner Tante und ihrem Friseur gefallen würde und gib dich dem großen Retrosoul-Schick hin. Everybody’s darling Amy ist im übrigen auch mit drauf. Dass die völlig durch die Decke gehen würde, war ja klar, aber in den Tagesthemen einen Bericht über ihren UK-Tourauftakt zu sehen, ist dann doch etwas surreal. Thematisch ähnlich aber weniger plakativ und leider auch weniger zwingend: die beiden Funksausen von den Bamboos und der Lefties Soul Connection. Vermisse auf letzterer Etwas mit der Durchschlagskraft von “Organ Donor” oder “Bouncing Ball”, aber für die Partykeller-Fraktion ist das natürlich trotzdem Pflicht. In der elektronischen Ecke wartet alles auf die Justice/Simian Mobile Disco/Digitalism/Kitsune 4-Front Anfang Juni, aber auch die Alben von Kathy Diamond und Kalabrese sorgen bei Kritikern für Begeisterung. Ersteres ist eine süße Discokugel, gebacken von Maurice Fulton und Kalabreses Albumtitel ist so gut wie programmatisch. Alles drin im “Rumpelzirkus”, von Lo-Fi Folkfunk über clickenden Minimal Techno, zusammengehalten von – exakt – rumpelnden Drums. Oh und auch Apparats Electronica gone Krautrock-Experiment namens “Walls” verdient in diesem Kontext eure Aufmerksamkeit. Von Südenfed hingegen muss ich mir selbst erst noch anhören. Blogfavorit Surkin tut unterdessen was für die CD-Käufer und schenkt ihnen eine Compilation mit Vinyl-only Zeugs, ohne dabei aber die Bedürfnisse der Wachsliebhaber zu vergessen. Dass Hot Chip nichts falsch machen können, weiß man eigentlich. Logisch, dass sie sich mit ihrem Beitrag zur legendären DJ Kicks-Reihe erneut keine Blöße geben und einen angenehm offenen Mix irgendwo zwischen Audion und Ray Charles abliefern. Unterdessen macht SebastiAns furioser“Killing in the name” Remix weiter kräftig Lärm und ruft sogar die LA Times auf den Plan. Langspielrille dann Ende des Jahres auf Ed Banger. Apropos Remix: Bird Petersons Wu Tang Vergewaltigung brennt auch im Mai noch lichterloh. In der Gitarrenpopschublade finden sich Travis, Wilco und Elliott Smith. Auch mir geht irgendwann mal die Zeit aus, so dass ich mich hier mit einer Plattitüde der schlimmsten Sorte aus der Affäre ziehen muss: bestimmt toll, wenn man so was mag. Gleiches gilt für die letzten Monat unterschlagenen Kings of Leon, Bright Eyes, Blonde Redhead und Coco Rosie. Studentenkneipenrumhänger und Werbefuzzies können eh schon mitsingen.
Björks “Volta” ist mittlerweile auch raus und die ersten Durchgänge enden mit dem gleichen Resümee wie bei jedem Björk Album: Was zur Hölle soll das? Zwei Wochen später macht das schließlich Sinn, auch wie immer. Wobei die ganz große Euphorie, abgesehen vom großartigen “Innocence”, immer noch aussteht. Unterdessen beweist das Battles All Star Team, dass hochtechnisches Klampfenzupfen und Schlagzeugstrebertum nicht nerven müssen, sondern anspruchsvoll unterhalten können. Außerdem kann man endlich Erlend Oye und sein Whitest Boy Alive-Projekt auf Vinyl kaufen. Danke dafür! Ansonsten hoffen wir, dass sich der Papa zu einer vierten Stromberg Staffel überreden lässt, die The Office Sommerpause bald überstanden ist, irgendein deutscher Sender die letzte Sopranos Staffel kauft, Pocher den werten Manuel nicht vom Bildschirm mobbt, die hingerotzte letzte King of Queens Staffel noch Fahrt aufnimmt und King James auch Duncan & Ginobili 25 am Stück einschenkt. Jetzt aber Schluss mit diesem Unfug hier, ich könnte in dieser Zeit schließlich eine T-Mobile Pressekonferenz oder den Transfer von Maradona, Cantona und Pele zu den Bayern verpassen. |





