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Ohne mich jetzt zu sehr auf biologische Glatteis begeben zu wollen, aber es ist schon einigermaßen faszinierend, wie die Musik das Wasser imitiert. Selbstreinigung deluxe. Und eben weil der Februar so schwach war, folgt jetzt natürlich ein starker März. Give it up for Mutter Natur. Dafür u.a. verantwortlich: Gonjasufi, Erykah Badu, Peter Van Hoesen, Scuba, Madlib, Kankick, Broken Bells, Toro Y Moi, Bonobo und ein indischer Drum-Machine-Derwisch aus dem Jahre 1982… Hip Hop Hausen:
Den Anfang macht aber das “Wu-Massacre”, der feuchte Traum eines jeden Neckprotectors. Auch wenn das WäWäWä wieder kräftig nörgelt: trotz der Tatsache, dass Deadlines eingehalten werden mussten und am Ende eher eine EP denn ‘richtiges’ Album vorgelegt werden konnte, ist “Wu-Massacre” immer noch besser als 90% der Anstregungen der Konkurrenz. Ausnahmekönner bleiben halt Ausnahmekönner. Auch in Zeitnot und in fortgeschrittenem Alter. Apropos: Auch die Grande Dame des unpeinlichen Hip Hop Souls, Erykah Badu, hält auf dem zweiten Teil ihrer “New Amerykah”-Reihe weiter ihre beeindruckende Form (insert super obvious bootie pun here). “Return Of The Ank” ist weniger apokalyptisch und verquer als Part 1, und vielleicht dadurch auch einen Tacken weniger brillant, aber nichtsdestotrotz bleibt Frau Badu die Gallionsfigur des Selbstbräuner ablehnenden, um seine eigene Signifikanz wissenden, tief im afro-amerikanischen kulturellen Kanon verwurzelten R&B. Ach und Madlib stiehlt natürlich dem Rest wieder die Show. So gut wir begonnen haben: das absolute Highlight des Monats liefert ein rauschebärtiger Wüstenrastaweirdo mit Surfbeat-Faible und den richtigen Freunden. Gonjasufi, den meisten vermutlich bekannt als Flying Lotus Anhängsel, debütiert mit “A Sufi & A Killer” ein Album auf Warp, das so dermaßen furios Schraddelgitarren, Hippie-Psychedelik, Bomb Shelter-Wahnsinn, Echokammer und Weird Folk fusioniert, dass einem Edans “Beauty & The Beat” nach fünf Jahren schließlich nicht mehr ganz so weit draußen vorkommt. Ein sensationeller Trip, inszeniert von Flying Lotus, Mainframe und The Gaslamp Killer und mit einem Protagonisten, der seine Stimme tatsächlich wie ein Instrument spielt.
Vor knapp vier Wochen hatte ich noch gemotzt, dass Madlibs Jazz-Exkursionen zwar meist solide seien, man nun aber doch bitte zum Wesentlichen übergehen solle. Madvillain 2 hat zwar immer noch kein Release Date, der dritte Teil der “Medicine Show”, bietet dafür aber immerhin wieder eines dieser göttlichen Stream Of Consciousness-Beatschnipseltapes, die man – eben weil die einzelnen Teile so fies schnell vorbeirauschen – endlos auf Repeat laufen lassen kann bzw. muss. “Beat Konducta in Africa” reicht hierbei zwar nicht an den grandiosen Doppelschlag “Dil Withers / Dil Cosby Suite” heran, ist aber für alle Pflicht, die es immer noch dreckig und unberechenbar brauchen. Und weil es davon genug gibt, folgt das nächste Schmankerl sofort. Kankick hat uns mit “Beautiful – Opus Of Love Deeper Than Flesh” ein, auf zwei schnieke Vinylscheiben verteiltes, Beattape geschenkt, auf das hier alle stolz wie bolle sind. Rauschende Oxnard-Beat-Poesie, die einen auf’s Neue wundern lässt, warum ihm eine Karriere wie die seiner Sandkastenbuddys Madlib und Oh No bisher verwehrt geblieben ist. Ebenfalls höhere Snare-Mathematik betrieben wird auf der zweiten “Producer”-Compilation der Kollegen von Fat City. “No 2” versammelt die zum Teil großartigen (Dabrye!) 7 Inches der letzten Zeit und liefert damit ein beeindruckendes Showcase der aktuellen Wonky-Schraubkunst ab. Mike Slott, Mono/Poly, Mr Dibiase, Eric Lau, Harmonic 313, Illum Sphere, Martyn – da ist Sachverstand vorhanden.
Wir werden wieder konservativer und geben Sadat X und “Wild Cowboys 2” eine Chance. Die Sequel-Falle lauert natürlich auch hier, aber man darf durchaus überrascht sein, wie nachdrücklich Herr X hier gleich zu Beginn kräftig Druck macht und so relevant klingt wie mindestens seit “Experience & Education” nicht mehr. Mit zunehmender Spielzeit verflacht das Album zwar etwas, aber gerade die hochwertige Produktion kann überzeugen. Oder bin ich mittlerweile einfach so zynisch den meisten Veteranen ein Minimal-Budget und fortgeschrittene Out-Of-Touchness zu unterstellen, um dann aus allen Wolken zu fallen, wenn dem nicht so ist? Jeden Zynismus rechtfertigen tut dann wiederum “Manifesto”, das gefühlte zehnte beliebige Album courtesy of Inspectah Deck. Der startet mit “The Champion” und Cormega zwar auch stark, aber spätestens nach 15 Minuten wird Rebel Ins’ Dilemma mal wieder deutlich: aus nicht eindeutig zu klärenden Gründen fehlt Deck einfach die Fähigkeit ein Album alleine zu tragen. Das gleiche Problem hat auch Boot Camp Weed Carrier Ruste Juxx, der sich mit Marco Polo zwar einen kompetenten Modernitätsverweigerer geangelt hat, aber auf “The EXXecution” erschreckend blutleer und belanglos durch die Polo’sche Ausschussware stolpert. Ist Duck Down eigentlich das neue Babygrande?
Die Antwort auf diese Frage konnte ich während “Land Of Make Believe”, dem dritten, ebenfalls über Duck Down erscheinenden Album der Kidz In The Hall, erfolgreich verdrängen. Keine Offenbarung, aber entspannter Post-Hipster-Rap, traditionsbewusst, aber ohne diesen verkrampften Boomtschak-Dogmatismus, der so viel mehr kaputt macht als verbessert. Ein “Ridin Down The Block” wird dennoch vermisst. Gleiche Sparte, mehr Talent: Die Damen, die Herren, his name is Curren$y. Der schickt sich langsam aber sicher an auch die True-Schooler für sich zu gewinnen. “Pilot Talk” heißt sein zweites Album, das angeblich am 30. März erschienen ist, aber auf wundersame Weise scheint niemand mehr als einige Snippets zu kennen. Ich auch nicht, aber wer Jay Electronica, Devin The Dude und Mos Def im Boot und “This Ain’t No Mixtape” gemacht hat, wird auch hiermit überzeugen. Ganz sicher. Noch mehr Talent, weniger gutes Album: Ludacris veröffentlicht mit “Battle Of The Sexes” ein – ääähm – Konzept-Album zu eben jener Thematik. “My chick bad, my chick hood, my chick do stuff yo chick wish she could”. Gebt mir ein B gebt mir ein O, gebt mir ein R, gebt mir ein I, gebt mir ein N, gebt mir ein G.
Weiter mit dreimal HipHopNotHipHop. Die italienischen Abrissbirnen Crookers haben sich mit “Tons Of Friends” wirklich keinen Gefallen getan. Das eigentliche Problem an diesem 20 Track Monstrum ist hierbei nicht zwangsweise die exorbitante Anzahl der Featuregäste, sondern vor allem die Abwesenheit jeder Spur von Stringenz. Die Stärke früher Crookers Maxis lag ja gerade darin, dass sich das Krawallduo keinerlei Illusionen machte, musikalisch mehr als ein One Trick Pony zu sein. So funktionierten diese brachialen Wobbleorgien auch bestens, bis der große “Day N Night” – Kater einsetzte. Jetzt will man, wie so viele andere Fidget Houser (Hervé, anyone?), auf einmal aber beweisen, dass man auch Dancehall, Dubstep, Neptunes-Hop, Cumbia, Baile und alles andere was bei drei nicht von Mad Decent gesignt wurde, im Köcher hat. Genau das funktioniert aber leider gar nicht. Gleich zum nächsten Sorgenkind. Nicht, dass ich ein großer Fan des Debüts gewesen wäre, aber was Dan Le Sac & Scroobius Pip auf “The Logic Of Chance” abliefern, ist dermaßen “Original Pirate Material” in scheisse, dass man das Debüt beinahe fest drücken will. Hoffnungslos anachronistische D&B-Dampfwalzattacken ruinieren kontemplative Passagen, Mike Skinner-Catchiness geht in dümmlich-dogmatischen P.C.-Ansagen verloren, Hadouken!-Plastikgrime beißt sich mit “Holier Than Thou”-Backpackism. Beinahe alles was schief gehen könnte, tut dies auch. Back to the drawing board, please. Besser drauf hat den Genre-Rudelbums Damon Albarn, der es immer wieder schafft mit neuen Gorillaz Alben zwar den Zeitgeist zu reflektieren, aber doch nicht zu offensiv konstruiert zu wirken. So suhlt sich “Plastic Beach” nun in dark-wavigem Disco-Boogie statt Larger-Than-Life-Pop, aber erneut auf eine Weise, die liebevoll und nerdig statt A&R-Roundtable-wichsig daherkommt. Wenn man sich dann mal vergegenwärtigt, dass Albarns erklärtes Ziel gute Popmusik ist, muss man erneut konstatieren, dass er eben dies wieder geschafft hat. ******************************************************************** Und sonst so:
Gute Popmusik? Das würde mittlerweile sicher auch Bonobo unterschreiben. Zu weit weg ist Simon Green mittlerweile von Post-Shadow’scher Downtempo-Collagen-Streberei. Während es sich “Days To Come” aber etwas zu bequem in der Ayurveda-Songwriter-Lounge gemacht hatte, ist “Black Sands” wesentlich kantiger und zeitgemäßer. Besonders gut ist Green erstaunlicherweise sogar dann, wenn er den tiefen UK-Wackel-House eines Four Tet oder Floating Points kanalisiert, wie auf den angesteppten Uptempo-Schmeichlern “Eyes Down” und “1009”. Und weil’s so schön reinpasst: gestatten, Toro Y Moi. Und weil er so Recht hat zitiere ich hierzu einfach mal den Kollegen Hinz: “Peu á peu stellt sich heraus, dass diese elf Dreiminüter auf “Causer Of This” als Songs bloß verkleidete Tracks sind und somit irgendwie die Nahtstelle zwischen Animal Collective und Floating Points bilden. Wer will kann darin auch Versatzstücke von J Dilla, Flying Lotus, Phoenix oder einer French House-Band seiner Wahl entdecken. “Causer Of This” ist einer dieser stilistischen Hybride, die musikbegeisterten Hörern viel Freude bereiten wird. Gebt dem Album ein bisschen Zeit, es könnte dein neues “Person Pitch” werden.” So ist es, tolles Album. Wer sich ganz weit aus dem Fenster lehnen will, kann bei Toro Y Moi eventuell auch noch Spuren des trockenen Ethio-Jazz des Großmeisters Mulatu Astatke erkennen. Der erfährt bekanntlich seit Broken Flowers seinen achtundfünfzigsten Frühling und seit er in eine Arbeitsbeziehung mit den Stones Throw/Now Again Psych-Jazzern The Heliocentrics einging, hat auch der einfälltigste Peanutbutter Wolf Cheerleader den Meister auf dem Schirm. Gut so, auch “Mulatu Steps Ahead”, veröffentlicht über Strut, hat erneut all die neugewonnene Aufmerksamkeit absolut verdient.
Von Afrika nach Indien. Da will uns die Bombay Connection gerade weismachen, dass ein Inder namens Charanjit Singh Chicago und Acid House produziert hat, bevor es diesen überhaupt gab. “10 Ragas to a Disco Beat” soll 1982 produziert worden sein, also Jahre bevor die Belleville Three, DJ Pierre und Konsorten ihr Patent anmeldeten und nach Manchester exportierten. Die Debatte um die Authentizität geht vielleicht am Kern vorbei, “10 Ragas to a Disco Beat” benutzt zwar die selben Roland-Sounds und auch Ansätze der mäandernden Bassline-Modulationen, eine reinrassige Acid-Platte programmierte Charanjit Singh aber nicht. Dafür aber eine sehr, sehr spannende Protohouse-Platte, die mit ihren unkonventionellen Sounds nicht einfach an die Kraftwerk-Verneigung von Cybotron oder Italo/Hi-NRG-Sounds anknüpft, sondern wirklich einzigartig klingt. Pflicht, nicht nur für Historiker. Lustigerweise fühlte sich ein Poster drüben bei djhistory bei Singhs Platte an die Musik von Cobblestone Jazz erinnert. Die haben sich für “The Modern Deep Left Quartet” wieder ihren Spezi The Mole ins Boot geholt, was man der Platte aber nur bedingt anhört. Die ein oder andere tiefe Midtempo-Loop-Schleife hätte gut getan. Insgesamt aber dennoch ein solides Album, jenseits früher Großtaten, aber dennoch ein weiterer, schöner Beweis, dass sich Live-Musizieren und Macbook-Frickelei nicht ausschließen. Den Charakter einer Jam-Session hatte Prins Thomas’ kosmischer Kraut-Disco-Entwurf eigentlich schon länger, dass er sich mit seinem Tag Team-Partner Lindstrom auf deren Zweitling vor knapp einem Jahr dann aber doch zu sehr in ausuferndem Tangerine Dream-Wettwichsen verzettelte, lässt sich gerade wenn man das wesentlich fokussiertere Solodebüt jetzt in den Händen hält, nur noch schwer wegdiskutieren. Auch hier wird den Stücken mächtig Raum zu Atmen gegeben, auch hier ist der Norweger oft näher dran an einem Glas Rotwein mit dem mächtig gealterten Woodstock-Onkel als an pulsierenden Tanzfluren, aber selten hat man das Gefühl, dass hier alles zu arg aus dem Ruder läuft. Schön verpeilte Psych-Disco-Platte, im ursprünglichsten Sinne balearisch.
Nochmal Jamming, nochmal freigeistige, organische Tanzmusik. Das Trio Wareika schafft es auf “Formation” irgendwie Villalobos’ Ethno-Percussion-Minimalismus mit angejazztem dOP Freak-House zu vermählen und sogar eine unpeinliche “Riders On The Storm” Coverversion, inklusive Vocals (!), einzustreuen, ohne dass es volkstümelt. Runde Sache, trotz fieser Kanten. Wem das alles nicht weit genug geht, kann sich ja mit der neuen To Rococco Rot Platte vertraut machen. “Speculation” klingt wieder so, als hätten Tortoise einen Techno-Schnupperkurs in Detroit besucht und sich dann doch wieder für Can statt Carl Craig entschieden. Postrocker: hier sie gehen. Aber das weiß ja eh schon jeder. So, nächste Institution. Autechre haben nach zig Fake-Leaks die korrekte Version von “Quaristice” in den Läden stehen. Man lässt es etwas ruhiger angehen, Melodiebögen sind keine bloße Einbildung mehr, man schreitet auch gerne ohne Beats durch postmoderne Soundkulissen. Solide Arbeit, keine Frage. Aber die Begeisterungsstürme bleiben, zumindest bei mir, jetzt auch schon eine ganze Weile aus.
Weiter mit mehr Grautönen und Subbass. Mit reichlich Verspätung wirft Planet Mu die Überreste eines geplaten zweiten Vex’D Albums aus den Jahren 2006-2007 auf den Markt. “Cloud Seed” rollt den düsteren, industriell scheppernden, aber nie populistisch wobblenden Trademark Sound des ehemaligen Duos auf und erstaunlicherweise ist das Material sehr ordentlich gealtert, obwohl sich Dubstep seither gefühlte zweihundertmal neu erfunden hat. Der These der Kollegen von Resident Advisor, dass das hier mit besserem Timing Burial den Rang hätte ablaufen können, will ich vehement widersprechen, dafür fehlt hier einfach diese faszinierende transzendentale Melancholie, aber ordentlich ist “Cloud Seed” schon. Auch wenn ich mir 2010 dann doch lieber Mount Kimbie, Untold, Pangaea, Deadboy oder einen der anderen Heilsbringer anhöre. Oder eben Ramadanman. Der mischt für UK Bass-Verhältnisse auch schon relativ lange mit, richtig angekommen ist er jetzt aber endgültig mit seinem Hessle Audio-Sixpack. Ähnlich wie zuvor Pangaea, weiß der Co-Founder mit diesem Minialbenformat bestens umzugehen und präsentiert sich sehr facettenreich. Die scheinen’s grad einfach nicht verkacken zu können, da drüben bei Hessle. Ähnliches gilt für Hotflush, das Connoisseurslabel von Paul Rose aka Scuba aka SCB. Der Chef persönlich veröffentlicht dort im März bereits sein zweites, das Debüt um Längen schlagendes, Album. “Triangulation” ist ein brillant produziertes Kleinod, das perfekt die Brücke zwischen dem housigen Garage Sound eines Joy Orbison, dem abgebremsten Liquid D&B von dBridge und Instra:mental, der rhythmischen Komplexität eines Shackleton, James Blake’scher Weirdness und der Techno-Geradlinigkeit der Berliner Dubtechno-Achse schlägt. Essentiell und ein totsicherer Kandidat für die Jahresbestenlisten.
Kommen wir zu einem der überzeugendsten Technoalben der letzten fünf Jahre, das die karge Berghain- und Sandwell District-Ästhetik fantastisch konzentriert, gleichzeitig aber auch oft entschleunigt und damit noch mehr unter die Haut geht. Weite Stellen von “Entropic City”, dem Album von Peter Van Hoesen, klingen wie ein auf -8 gepitchter Atomreaktorkurzschluss, Metallschlieren verlieren sich in tiefen Detroit-Akkorden, die Bassdrum weist den Weg aus der so oft zitierten Kreativkrise kontemporärer Techno-Sounds. Besser schnell hinhören, bevor einen am Jahresende die Gewissheit überkommt, ein Genre-Highlight verpasst zu haben. Und wer Namen braucht: Delsin-meets-Echospace-meets-Hardwax-meets-Regis-meets-John-Carpenter. So finster geht es auf “Crash Test”, dem Debütalbum von Martin Buttrich nicht zu. Ähnlich wie sein Busenfreund Loco Dice, versteht Buttrich das Albumformat nicht als schöde Maxianeinanderreihung, sondern bemüht sich auch Sofa-kompatibel zu programmieren. Passabler House, mir aber irgendwie etwas zu teutonisch perfektionistisch. Bratze hingegen raven auch auf Album Nummer Zwei konsequent gegen Sophistication. “Korrektur Nach Unten” ist eines dieser typischen Synthpunk-Infernos, das man aus dem Hause Audiolith genau so erwartet. Fünf Kurze vor Magenentleerung vermutlich in Ordnung, daheim sehr unangenehm.
Etwas weniger frontal operiert der New Young Pony Club. “The Optimist” schielt auf die gestriegelte Indie-Disse, Erbrochenes auf den schicken Vintage-Leibchen ist hier aber ungern gesehen. Eine sauber produzierte 80s-Zitatehölle, mit mindestens sechs potentiellen Hitsingles. Im Waschsalon bestimmt ok. Wobei, da wäre das neue Stereo Total Album (“Baby Ouh!”) eigentlich die bessere Wahl. Da muss man, auch wenn man sich dieses Mal ganz fest vorgenommen hat, das alles jetzt endlich mal abzukanzeln, doch immer wieder schmunzeln. “Du Bist Gut Zu Vögeln” und so. Ganz im Kitsune-meets-Kylie-Pop angekommen sind Goldfrapp mit “Head First”. Bißchen arg glatt. Hoffen wir mal auf einen erneuten Animal Collective Remix als Heilsbringer.
Mit derlei Effekthascherei hat Will Oldham natürlich nichts am Hut. Der veröffentlicht als Bonnie Prince Billy & The Cairo Gang schon wieder eine neue Platte (“The Wonder Show Of The World”), die – ohmyfuckinggodwhuutyesindeed – zwanzigste. Abgezockter Folkcountryrock, komplett unprätentiös und wie immer sehr, sehr schön. Mit Prätentionsvorwürfen muss sich Danger Mouse mittlerweile auch kaum mehr herumschlagen, zu deutlich hat er in der letzten Dekade klargestellt, wie ernst es ihm mit dieser Indiepop-Sache ist. Jetzt hat er mit The Shins-Frontmann James Mercer als Broken Bells einen zuckersüßen Pop-Entwurf vorgelegt, der sich relativ traditionsbewusst gibt und nur manchmal Gnarls Barkley’sche Ausflüge unternimmt. Schöne Frühstückstischplatte :nosarcasm: Eine Spur dicker auftragen tut dann aber Maximilian Hecker, der sich auf dem extrem umständlich betitelten “I Am Nothing But Emotion, No Human Being, No Son, Never Again Son” ganz dem erleuchteten Troubadour-Klischee hingibt und sich dabei ausgerechnet eine japanische Prosituierte als Muse ausgekuckt hat. Mir doch etwas zu demonstrativ weinerlich, das Ganze. Aber was ein schicker RAF-Bart, Herr Hecker! ******************************************************************** Playlist: 1) Actress – Maze (Long Version) kaufen ******************************************************************** ******************************************************************** |














