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Aigners Top 100 Tracks of 2009

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75) Marianne Faithful & Nick Cave – The Crane Wife 3

Herr Cave gibt den Haucher, die Faithful die mit all ihrer Lebenserfahrung Contenance bewahrende Leidende und wir sind so ergriffen, dass wir fast vergessen haben, dass das ja “nur” ein Cover ist.

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74) Curses! – The Deep End (Holy Ghost! Remix)

Nochmal DFA, dieses Mal beim Rearrangieren einer relativ mauen Nummer des notorischen Booty-Bass-Addicts Curses! aka Drop The Lime. Die beiden New Yorker von Holy Ghost! holen sich Juan MacLeans und James Murphys Lieblingschanteuse Nancy Whang ins Boot und nicht nur deswegen ist “The Deep End” so etwas wie das 09er-Pendant zu “Happy House” geworden. Nicht ganz so überragend freilich, aber immer noch verdammt gut.

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73) Nina Kraviz – Free

Frauen habens immer noch nicht so ganz leicht in der Produzentenszene. So muss sich auch Nina Kraviz immer noch Fragen danach gefallen lassen, wer das denn alles für sie ghostproduced. Ne, das macht die alles selbst, Ehrenwort. Wir glauben das und staunen über so viel analoge Wärme aus dem kalten Moskau und verneigen uns vor einem furiosen Crescendo.

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72) Funkineven – Mad Swing

Die Engländer. Schmeißen wieder alles in einen Topf und am Ende schmeckt das auch noch. “Mad Swing” klingt wie ein Studio-Outtake für ein neues Erykah Badu Album, nur dass sich die Sa-Ra-Posse dieses Mal mit Floating Points zusammengetan haben, noch mehr Parliament und Prince gehört haben und im Briefing mit der Vorgabe “spacey futuristic shit” abgespeist wurden. Ziemlich sensationell, das Ganze und wenn Neo-Soul jetzt so klingt, bin ich Fan.

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71) Louderbach – Shine

M_nus eklatante Stagnationstendenzen zu attestieren, gehört seit mindestens zwei Jahren zum guten Ton. Schön also, dass Troy Pierce mit seinem technofizierten New-Wave-Projekt Louderbach dem stumpfen Bassdrum-Terror entkommt und dabei auch noch ein hittiges Joy-Division-kurz-vor-New-Order-Gerät wie “Shine” abfällt.

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70) Nacho Patrol – Africaspaceprogram

Danny Wolfers’ aka Legowelts mit fast schon diebischer Freude vorgetragener Tribut an den Space Jazz der späten Siebziger, eingespielt auf Vintage-Synthesizern. Die bei der ersten Nacho Patrol Veröffentlichung zelebrierte Farce, hier handele es sich um einen obskuren Soundtrack aus dem Jahr 1977, konnte er zwar nicht aufrechterhalten, Episode Zwei klingt dafür aber rein soundästhetisch noch authentischer als der Einstand.

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69) Karizma – Drumz Nightmare

Schön zu sehen, dass die britische Bass-Szene rechtzeitig zum großen Dubstep/House/Garage/UK-Funky/Grime/Wonky/Dilla-Hop-Gangbang Karizma wiederentdeckt hat. Der Amerikaner kann und konnte das nämlich alles schon immer. Und mit “Drumz Nightmare” wurde man daran aber so was von nachdrücklich erinnert.

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68) LCD Soundsystem – 45.33 (Theo Parrish Remix)

Theo wäre nicht Theo, würde er in das sehr hittige Original nicht einige Falltüren einbauen. Mit 110 BPM durchaus Slo-Mo-House kompatibel, schafft Parrish hier ein komplexes, aber für den aufgeklärten Floor überaus tanzbares 10-Minuten-Epos, das den hedonistischen Grundton des Originals kongenial mit Detroit’scher Hypnose vermählt.

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67) Culoe de Song – The Bright Forest

Innervisions hatte in den letzten Jahren einen regelrechten Afrikafetisch entwickelt, es ist also nur folgerichtig, dass das interne Highlight der Saison endlich von einem afrikanischen House-Produzenten gestellt wird. “The Bright Forest” ist – ja, man kommt einfach partout nicht um dieses Adjektiv herum – ‚’deep’. Sau-deep. Eine streicherlastige, enorm dicht komponierte Elegie, die so viel tiefer geht als jedes Bongo-lastige Minimal-House-Tool.

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66) Huss & Hodn – Die Frage bleibt offen

Ein verschlafenes Easy-Jazz-Sample, Retrogott’sche Valium-Delivery und eine derart lässige Unterwanderung gängiger Habitat-Klischees, dass man durchaus von Schmunzeln zu Prusten übergehen kann. “Where U At?” – “Das ‘ne gute Frage, aber ich will doch nur rappen” – “Why you wanna go and do that, love, huh?” – “Pfffff”. Wer sagt denn man bräuche 12-fach Multis?

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65) Linkwood – Falling

2009 war auch das Jahr in dem ich mir eine mittelschwere Boogie-Obsession gegönnt habe. Da trifft es sich gut, dass einem Linkwood und weite Teile seines “System” – Albums das bisweilen anstrengende Suchen nach Instrumental- und Dub – Versionen irgendwelcher schlecht becoverter Platten aus dem Jahre 1983 temporär erspart hat und gerade mit “Falling” einen Track abliefert, der zwar auf eine komische Art und Weise sehr modern, aber eben auch wie eine obskure Prelude-meets-Chicago-Connection B-Seite klingt. Im Hauptseminar würde das wahrscheinlich unter ‘retro-futuristisch’ verhandelt.

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64) Jesse Rose – Well Now

Der Fidget-Zug hat letztes Jahr mächtig an Schwung verloren, die meisten Protagonisten verloren sich in bestenfalls halbgaren Hip Hop- und Dubstep-Crossover-Versuchen oder nervigen Redundanzen. Besser gemacht hat es einer der Paten: Jesse Rose produzierte nicht nur ein hörbares Album, sondern hatte auch stets das richtige Gespür für die passende Single-Auskopplung. “Well Now” ist ein, auf einem Blues-Sample basierender, Schweinsgalopp Marke ’extra funky’, der beweist, dass es auch vielversprechende Wege aus dem Wobble geben kann.

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63) Falty DL – Made Me Feel So Right

“Love Is A Liability” war das bessere Album, “Bravery” hatte aber mit diesem melancholischen Faux-Burial-Stepper den bis jetzt faszinierendsten Falty DL Track zu bieten. Was relativ einschmeichelnd beginnt, entwickelt sich zu einem hinterhältig vertrackt torkelnden Cold Turkey-Trip.

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62) Simian Mobile Disco – Cruel Intentions (Maurice Fulton Remix)

“Temporary Pleasure” entpuppte sich, zumindest für mich, noch nicht mal als das. Mediokre und irgendwie seelenlose Tech-House-Stampfer über die dann die internationale Indie-Hitparade croonen durfte – ne, das war nix. Immerhin beweist man aber bei der Auswahl der Remixer ein gutes Händchen. Der in seiner Konstanz fast schon penetrant geniale Maurice Fulton schneidert Beth Ditto hier ein discoides Electrofunk-Gewand, mit Hilfe dessen “Cruel Intentions” endlich zu dem großen Popsong wird, der er vorher nicht sein durfte.

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61) House of House – Rushing to Paradise

Die Mutter aller Piano-Orgien der letzten 12 Monate. Das Duo aus New York gönnt sich hier 13 Minuten um aus einem klimperigen House-Tune eine Pathosbombe – inklusive veeeeery-80s-Vocals – sondergleichen zu machen. Schweineteuer und sofort ausverkauft, aber halt schon Pflicht. Man will seinen Kindern später ja auch mal erklären, dass sich Musik damals noch so viel Zeit genommen hat und dann trotzdem im (metaphorischen) Stadion ankommen konnte. Doof nur, dass alles, was danach gespielt wird, immer so mickrig wirkt.

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60) The Big Pink – Dominos

Ach Britpop war schon schön. Manchmal. Dass man mit einer Mischung aus Verve-Pathos, Shoegazertum und My Bloody Valentine heute immer noch zu Hypemonstern werden kann, verwundert mich etwas, spielt im Fall von The Big Pink aber auch keine Rolle. Die haben nämlich mit “Dominos” einen der wenigen Indie-Gassenhauer geschrieben, der mich auch nach Monaten nie angefangen hat zu nerven.

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59) Eddie C – Let Your Mind

Eddie C hat es bisher eher gemütlich angehen lassen. Gepflegt Ski fahren in der kanadischen Heimat, die örtlichen Bars beschallen und im stillen Kämmerlein an Musik werkeln. Weil sich mittlerweile aber eine veritable Downtempo-House-Szene gebildet hat, ist Eddie C einer der Männer der Stunde. Das dürfte daran liegen, dass seine Tracks im Grunde Soulmusik sind, die sich, von der Kickdrum geführt, ganz sachte auf die Tanzfläche schieben. Unerhört beseelt und fast immer, wie auch im Falle von “Let Your Mind”, mit einem Wahnsinns-Vocal-Sample bestückt.

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58) Ramadanman – Revenue (Untold Remix)

Untold ist mit seiner ultra-perkussiven Interpretation von Dubstep in den letzten sechs Monaten zu einem der meist-gehypten Produzenten auf der Insel aufgestiegen. Während er sich, und dafür mögen mir seine unzähligen Apologeten vergeben, auf seinen jüngsten Releases machmal etwas verfranste, stimmt auf “Revenue” alles. Und mit Ramadanman stellt einer das Rohmaterial zur Verfügung der es mindestens genauso verdient hat hier Erwähnung zu finden.

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57) Bullion – Time For Us All To Love

Bullion hat in seiner jungen Karriere bisher alles richtig gemacht. Und während virtuos gechoppter Dilla-ismus immer herzlich willkommen ist: sein bisher mutigstes und wahrscheinlich bestes Stück ist eine zähe Psych-House-Nummer, die im B-Boy-Gewand an der Hintertür anklopft. Ich rede mir immer noch ein, dass Panda Bear mit einem strammen 4×4-Beat so klingen würde.

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56) Lee Fields – Ladies

Call me bekloppt, aber irgendwie klingt Soul heute einfach besser, wenn die Leadstimme von einem Ü50er übernommen wird. Die Inbrunst mit der Lee Fields hier der Damenwelt huldigt, käme bei einem Mayer Hawthorne beispielsweise nicht halb so ehrlich rüber. Und technisch besser als das ganze Gemüse ist Herr Fields obendrein auch noch.

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55) Redshape – Man Out Of Time

Der Mann mit der (roten) Maske verbindet äußerst geschickt die rohe Berghainer Schule mit beeindruckenden Ambientfiguren, Live-Drums und der Tiefe der Motor City. Fast alle seine Stücke zeichnet eine latente Melancholie aus, die unter kaltem Stahl hervorblitzt. So unzweideutig wie auf “Man Out Of Time” ist er dabei aber selten. Schade eigentlich, obwohl auch der Rest seines Oeuvres keineswegs zu vernachlässigen ist.

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54) Beautiful Swimmers – Swimmers Groove

Sleazy Boogie aus Washington, D.C. von einem Duo, dessen eine Hälfte zuvor als Food For Animals sperrigen Avantgarde-Electro-Hop veröffentlicht hat und gerade erst als Maxmillion Dunbar eine sehr, sehr feine EP über Ramp in den Läden hat. Weniger dogmatisch als Dam-Funk und mit weniger kalifornischer Sonne in den Membranen, aber genau dieser etwas klinischere Zugang hat im Boogie-Revival 2009 noch gefehlt.

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53) The Field – Everybody’s Got To Learn Sometime

Seltsamerweise scheint sich die Presse ausgerechnet auf “Everbody’s Got To Learn Sometime” als Schwachstelle auf The Fields zweitem Album eingeschossen zu haben. “Zerstört den Fluss”, “Schon viel zu oft gecovert worden”, “Musikalisch nicht halb so imposant wie die Eigenproduktionen”, “Ich will keine Vocals auf Technoplatten” undsoweitereceterapp. I declare Bullshit und kriege hiervon immer noch Gänsehaut.

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52) Jose James – Blackmagic (Joy Orbison Remix)

Ohne jetzt zu viel zu verraten, aber Mr. Orbison ist eine jener Doppelnennungen und somit Regelverstoß Nummer Eins innerhalb des selbstauferlegten “Ein Track pro Künstler”-Dogmas. Weil Jose James aber auch ein ganz ein Guter und entscheidend mitverantwortlich dafür ist, dass Orbisons “Blackmagic”-Überarbeitung so dermaßen packend geworden ist, bitte ich um Sanktionsfreiheit. “You messin’ with my emotion, you messin with the way I feel about you” – einer der wenigen, dem ich heutzutage mit gutem Gewissen das Prädikat ‘Riesensänger’ verleihen würde. Ach, und weil er sich immer beschwert, hier nie namentlich erwähnt zu werden: ich grüße hiermit den Herrn Dring, der das auch ganz doll feiert.

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51) Manuel Tur – Stay (Extended Instrumental Mix)

Der Essener Manuel Tur hat mit “0201” eines der besten elektronischen Alben des Jahres veröffentlicht, voller organischer Grooves, Sample-Türmen und unprätentiösen Late Night-Headphone-Tracks. Stay ist noch eines der tanzflurorientierteren Stücke, dabei aber auch so verdammt deep und elegant, dass das Schimpfwort ’DJ-Tool’ ganz, ganz weit weg ist.

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——— 100-76

——— 50-26

——— 25-01

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