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Während im September die halbe 90BPM-Schickeria auf den Markt drängt, ist in Sachen Hip relativ wenig zu vermelden. Wie immer einige gute instrumental gehaltene Sachen, dazu der König des Emo-Straßenrap-Dings und ein paar alte Bekannte in durchschnittlicher Form. Solange “Und Sonst So” diese maue Ausbeute aber wieder einmal souverän aufhängt (man höre stellvertretend Zomby, The XX, Neil Landstrumm oder Zoot Woman, ist von der von Herrn Carter unlängst proklamierten Great Depression nocht nichts zu spüren. Hip Hop Hausen:
Es fällt Anfang September zugegebenermaßen schwer, sich mit Hip Hops B-Prominenz abzugeben, wenn Chefkoch Rae gerade tatsächlich einen relativ würdigen Nachfolger für das Purple Tape rausgelassen hat, der aber erst in der nächsten Inventur zu besprechen ist, aber immerhin liefert Beanie Sigel mit “The Broad Street Bully” ein zwar nicht an “The B.Coming” heranreichendes, aber dennoch sehr solides Album abgeliefert hat. Beans bleibt ein Charismatiker vor dem Herrn und “In The Ghetto” ist einer der eindringlichsten und beklemmendsten Rap-Momente der letzten 1-2 Jahre. Ebenfalls gut, aber auch wieder nicht so gut wie auch schon, ist unser japanischer Freund DJ Honda auf “IV” unterwegs. Zu Gast wie immer ganz Rucksackhausen und erneut sticht besonders die Paarung Honda/Mos Def positiv heraus. Gefühlte 218 Jahre später bringt Large Professor tatsächlich eine autorisierte Version seiner “LP” heraus. Pflichtkauf, is’ klar, obwohl die Soundqualität der Bootlegs zum Teil gar nicht mal so scheisse war.
Weiter mit Hundezwinger Gangster Nummer 2, dem immer etwas von Kurupt überschattetem Daz Dillinger. Der hat mit “Public Enemies” mal wieder ein neues Album (oder doch Mixtape?) gemacht. Unspektakulär aber ok. Und dass ‘unspektakulär’ auch mit ‘geerdet’ und ‘erfrischend wenig effektheischerisch’ übersetzt werden kann, lernen wir dann bei der zweiten Ausgabe des “Hi-Hat Clubs”, dieses Mal mit Ebenfalls ziemlich Hip Hop- und Beat-lastig zeigt sich Tausendsassa Luke Vibert auf “We Hear You”. Wie für Vibert üblich, gibt es selbstverständlich auch hier wieder Ausreißer in andere Genres, bevorzugt in Richtung Subbass und analogem Acid-Jack, aber der Tenor ist hier durchaus eher B-Boy als 4×4.
Unterdessen hat Sa-Ra Kreativpartner Shafiq Husayn ein wie erwartet ziemlich eklektisches Album veröffentlicht dessen große Klammer der stoische Beat Detroits bildet. Der ein oder andere Gesangsbeitrag sorgt bei mir wie so oft bei Sa-Ra-Geschichten für Stirnrunzlen, unterm Strich ist “Shafiq En´ A-Free-Ka” aber wirklich eine feine Sache. Und wer es verpasst hat: “Jank Random VS Earl Leonne – The Frequency Cla$h” kaufen, da gibbet auch keine esoterischen Vocal-Ausflüge. Sehr gut drauf gepasst hätte der Kollege Shafiq auch auf die Compilation “Echo Expansion”, die einen Großteil der neuen L.A. Beat-Posse featuret und vor allem auf der A-Seite mit Beiträgen von Fly Lo, Ras-G, Daedelus, Dimlite und dem Life Force Trio schwere Geschütze auffährt. Die Rückseite fällt leicht ab, Kaufbefehl geht trotzdem raus. Mit läppischen 2 Jahren Verspätung schafft es Kaman Leungs “Lacrimal” auf schwarzes Gold und wie schon damals diagnostiziert, hat der chinesische Schwede hier aber sowas von Dubstep vorgeahnt, zum Großteil aber noch mit fetten Downtempo Hip Hop Drums. ******************************************************************** Und sonst so:
Mit Dubstep im ursprünglichen Sinne relativ wenig zu tun hat Zomby, aber wenn für bleependen Experimental-Grime mit 8-Bit-Obsession weiter diese Schublade herhalten muss, kann ich damit leben. “One Foot Ahead Of The Other” ist nicht ganz so skizzenartig wie Zombys jüngste Hyperdub EP, aber dennoch nie so richtig ausformuliert. Vielleicht liegt aber genau in diesem Fragmentarismus die große Stärke des Minialbums. Fliegen nur so an einem vorbei, die knapp 30 Minuten. Wahnsinnstyp! Das inoffizielle zweite Zomby Album des Monats liefert der mit Fug und Recht unter ‘Legende’ abzuheftende Neil Landstrumm mit “Bambaataa Eats His Breakfast” ab. Die beiden Rapbeiträge sind nicht ganz so zwingend wie beispielsweise der grandios rülpsende Opener “The Coconut Kestrel”, aber wer nur einen Funken für die futuristische neue britische Beatschule übrig hat und wie ich schon lange auf ein Kollaboprojekt von Rustie und eben jenem Zomby wartet, muss das haben. Nochmal Legende, nochmal Planet Mu. Jega, angeblich der Hauptgrund für die Gründung jenes Labels, hat sich mal eben eine neunjährige Auszeit gegönnt um im Spätsommer 09 mit “Variance” nun leider doch antiquiert zu klingen. Fiese Breakbeats, viel Noise, viel Gefrickel, viel verblichener IDM-Pathos. Wie der Großonkel von Clark etwa.
Und wo ich heute so großzügig beim Verteilen von Ehrendoktorwürden bin: ja, auch Vladislav Delay geht als Semi-Legende durch, hat er doch mit “Entain” mindestens einen definitiven Klassiker avantgardistischer elektronischer Experimentalmusik im Führungszeugnis stehen. “Tummaa” heißt das jüngste Baby und auch hier entzieht sich der Finne wieder gekonnt jeglicher Schubladisierung. Für Fans von Fennesz, Basic Channel, Autechre, Stockhausen und Bach, sach ich mal jetzt so. Und weil es vom Habitus so schön passt gleich weiter mit Squarepusher. Dessen “Solo Electric Bass 1” ist genau dies – eine improvisierte Live-Session mit dem Lieblingsinstrument des Herrn Jenkinson. Erstaunlich abwechslungsreich, aber in der Retrospektive wahrscheinlich dann doch eher so ein Ding für Die-Hard-Fans. Einen hab ich noch für die Feuilletons-Fraktion: Die Geburtsstunde von Ambientkrautfusion, die 1977er Kollaboration von Cluster & Eno wurde mal vor kurzem wiederveröffentlicht. Ideales Anschauungsmaterial für alle die mit Ambient immer noch Ali G. Zoten verbinden.
Auf “Kompakt 10” bin ich immer wieder an Kozes eröffnendem Beitrag “Forty Love” hängengeblieben, so dass der Rest hier mal unbehandelt bleiben muss. Wer aber einen satten Topspin samplet, kriegt von mir schonmal aus Prinzip die volle Zehn. Und auch auf der nächsten House/Techno-Compilation bin ich gleich so auf dem Opener hängen geblieben, dass der Rest bisher noch kaum inspiziert wurde. Ist ja auch legitim bei Sampler, nä? So oder so: Massive Wowzers Richtung DJ Sneak, der mit “Some More” genau eine jener überaus zielgerichteten 90s-House-Bomben zwischen Chicago und Paris raushaut, wie sie mittlerweile fast nur noch der Mann persönlich raushauen kann und darf. Zu finden auf Cecilles “Somero 2009” übrigens. Eine nach wie vor etwas zwiespältige Angelegenheit ist “Temporary Pleasure”, das zweite Werk der Simian Mobile Disco. Durfte der elitäre Techno-Historiker nach den vorab geleakten Tracks durchaus auf das angekündigte chicagoifizierte Puristenbrett hoffen, ist das Endprodukt doch fast noch poppiger als das Debüt geworden – zahllosen Gesangsbeiträgen sei Dank. Braucht wahrscheinlich noch ein paar Anläufe bevor ich die demonstrative Seichtheit zu schätzen weiß, hat bei “Audacity of Huge” aber dann schlussendlich doch auch funktioniert.
Wechseln wir in die Verriss-Ecke. War Calvin Harris’ Erstling mit seinem feixenden Lausbubencharme vor gut zwei Jahren noch ein sehr kurzweiliger Mitgröhlspass, so hat der gute Calvin sein Pulver auf “Ready For The Weekend” nun aber eindeutig verschossen. Was damals noch erfrischend dilettantisch und unbekümmert klang, ist jetzt glattgebügelter Jingle-Pop für “Taff”-Einspieler. Weiter mit der nächsten, noch viel viel schlimmeren Horroshow. Auf David Guetta einzuprügeln ist ja nun fast so einfallsreich wie Weltfrieden gutfinden, aber es hilft halt alles nichts: “One Love” ist Brechreiz verursachender, Solarium gegerbter Prolldissen-House mit dem Who-Is-Who der Ringtone-Mafia an den Vocals. Und wenn sich nochmal jemand dermaßen an Kraftwerk vergeht wie der Franzose auf “When Love Takes Over” brauch ich ‘ne Reha. Wer ganz dringend noch ein Mitbringsel für den fünften 29. Geburtstag von Nagelstudio-Mandy braucht, liegt hier goldrichtig. Nicht ganz so magenverstimmend wirkt “Romborama”, wenngleich der bedingungslose Bratz-Terror der Bloody Beetroots nun wirklich auch nicht der Weisheit letzter Schluss sein kann. Hinzu kommen dann noch halbgare Exkursionen in die Hip Hop-Abteilung und der extrem prätentiöse Dim Mak-Habitus. Also letztlich schon auch ungeil, das Ganze.
Auch gerne abgewatscht werden die Norweger Datarock für ihre plakative 80s-meets-New-Rave-Formel. Dem will ich mal halbherzig widersprechen und stattdessen “Red” einen respektlosen, wunderbar synthetischen Partyspass heißen. Und eine Verneigung vor Molly Ringwald kann auch nie schaden. Nach Stuart Prices zuletzt häufig gruseligen Arbeiten ist die dritte und nun wirklich überfällige Zoot Woman Platte eine willkommene Rückkehr zu besseren Zeiten des Thin White Duke. “Things Are What They Used To Be” bekennt sich ohne Rücksicht auf Verluste zur großen hedonistischen Pop-Pose und wenn das all die anderen Synthrocker so hinkriegen würden, müsste die Blogosphäre auch nicht im Sekundentakt Abgesänge auf die Generation Kitsune singen. Hits, Hits, nichts als Hits hier. Zoot Woman’sches Niveua nicht ganz erreichen die DFA’ler von Yacht, auch wenn “See City Lights” eine nette Scheibe tanzbaren Disco-Rocks darstellt für den DFA gerade in den Gründerjahren das Patent hatte. Weil sich James Murphy aber reichtzeitig neu aufgestellt hat und gerade die housigeren Sachen die Reputation des Labels in den letzten Jahren aufrecht erhalten haben, wirkt das hier schon fast etwas zu nostalgisch.
Joakim ist ein Guter. “Milky Ways” legt nach dem unbequemsten Start in ein Tanzflur-orientiertes Album seit langem mit Joakims typischer Mischung aus Pysch-Anleihen, Disco-Shuffles, Krautrock-Mindstate und Distortion so los, wie man das von dem Franzosen haben will. Und dass er dabei wesentlich verspielter zu Werke geht als seine zahlreichen französischen Busenfreunde, ist ja eh bekannt. Und so ist “Milky Ways” vielleicht sogar für zauselbärtige Neu!-Fans spannender als für discodust-RSS-Abonnenten. Dass Beardo-House, Sofa-Disco und Indie-Pop durchaus harmonieren können, demonstriert das Nordlicht Diskjokke auf seiner Remix-Sammlung “Dislocated”. Metronomy, Bloc Party, Lykke Li, Foals, Lindstrom und andere bekommen hier einen mal lässig-balearischen, mal funktional-pumpenden New-Disco-Anstrich. Nach wie vor für mich die Sahneschnitte: dieser großartige “Heartbreaker” Remix aus dem letzten Kalenderjahr. Knutschen will man mal wieder Göteborgs charmanteste 80s-Kitsch-Queen Sally Shapiro. “My Guilty Pleasure” ist zuckersüßer, unschuldiger Electro-Pop mit Italo-Einschlägen, wie ihn in dieser unaufgeregten Art wohl nur die Skandinavier hinkriegen können. Robyn ohne Pomp, Lykke Li mit mehr Synthies.
Wer sich von Frau Shapiro etwas mannigfaltigere Einflüsse und einen Duettpartner gewünscht hätte, kommt bei den Newcomern von The XX voll auf seine Kosten. Das erinnert oft an die famose Italians do it better-Kapelle The Chromatics mit etwas stärkerer Gitarrensozialisation. Prettay awesome und vollkommen unpeinlich. Den Bogen etwas überspannt für mich “Humbug”, das etwas zu bemüht anders klingende dritte Arctic Monkeys Album. Doom- und Stoner-Rock ist prinzipiell nicht die schlechteste Idee aber irgendwie wirkt das doch etwas zu inszeniert um richtig schlüssig zu sein. Aber auf Spaghetti-Western-Gitarren lass ich trotzdem nix kommen. Julian Plenti ist hauptberuflich Vorarbeiter bei Interpol und hört dort auf den Namen Paul Banks. Solo wird er dann zu Julian Plenti und obwohl man prinzipiell nie genug von dieser Stimme kriegen kann, ist “Is Skyscraper” eines dieser irgendwie überflüssigen Ego-Projekte, die weder das typische Oeuvre zwingend weiterspinnen, noch so anders wären, dass man viel verpasst.
In my bescheidener Opinion besser ist Modest Mouses Outtakes-Album “No One’s First And You’re Next”. Klar, dass bei solchen Überbleibseln nicht das nächste “Float On” oder “Paper Thin Walls” zu finden ist, aber besonders “Satellite Skin” ist schon wieder einer dieser besonderen Modest Mouse-Momente. Auch “Hombre Lobo: 12 Songs Of Desire” reiht sich ganz gut in das Eels ‘sche Oeuvre ein. Satter Sixties-lastiger Rock, viel Blues. Geht klar. Eigentlich wollte ich ja “Sticks & Stones” schonmal aus Prinzip scheisse finden, weil Jamie T. sowas wie der deutsche Peter Fox ist, ein Typ auf den man ständig von Menschen angesprochen wird, denen Musik gewöhnlich so wichtig ist, wie Brunch, Capoeira und Milchkaffee. Und auch wenn mich dieser krude Genre-Rudelbumms nicht wirklich berührt und man nie das Gefühl los wird, mal wieder mit Mike Skinners spießigem Bruder zu verkehren, so kann man auch als Ignorant den ein oder anderen Ohrwurm nicht wegdiskutieren.
Zum Thema Gizelle Smith & The Mighty Mocambos hat Kollege VDV schon den Nail auf den Head getroffen. Weiter also mit Jan Delay. Der reiht sich mit “Wir Kinder Vom Bahnhof Soul” international eher im Mittelfeld des großen Vintage Funk-Revivals ein, aber schön ist das schon, wenn man bei Rewe einkauft und dort auf einmal ein dickes Curtis Mayfield-Riff durch die Miniboxen plärrt. Als nächstes dann aber bitte wieder Neuerfindung und ein Dixie Blues meets Speed Metal-Projekt, ‘k? Zum Schluss gleich nochmal Everybody’s Herzileins. Das Kollektiv von Fat Freddys Drop hat mit “Dr. Boondigga & The Big BW” ein neues Album aufgenommen, mit dem man sich erneut routiniert zwischen die Stühle Dub, Funk, Broken Beat und Lounge setzt. Schwören viele drauf, mir läuft primär “Wild Wind” gut rein. Für die abschließende Krönung in Form einer Chartposition in Aigners munterer Hitparade der letzen 4 Wochen reicht’s dann aber doch nicht. ******************************************************************** Playlist: 1) Mark E – Formed kaufen ******************************************************************** ******************************************************************** ******************************************************************** |














