spacer
spacer spacer

DJ Mujava

»Sgubu Sa Pitori«

Die Welt rückt musikalisch näher zusammen, das wissen wir nicht erst seit Baile Funk oder Afrobeat. Derzeit wenden sich die Augen der Musikwelt vermehrt Richtung Südafrika. In dessen Hauptstadt Pretoria ist auch ein gewisser DJ Mujava zu Hause.
»Township Funk« ist überall. Sogar in die Tagesrotation von Radio 1 hat sich diese infektiöse Synthie-Line jüngst geschlichen. Selbst wer sich zwingt nur einen Blog pro Tag anzusurfen, dürfte mittlerweile locker ein halbes Dutzend Remixe und Edits des so simplen wie genialen Europa-Debüts des 25-jährigen auf dem Rechner haben. Mittlerweile bei den Säulenheiligen von Warp Records untergekommen, wird DJ Mujava für diese sechs Minuten von allem was Rang und Namen hat vergöttert. Und dennoch weiß in Kontinentaleuropa niemand so richtig Bescheid über jenen Jungspund, der in seiner südafrikanischen Heimat schon seit acht Jahren für Furore sorgt. Zeit also einige Fragen in Richtung Pretoria zu schicken.

HHV: Dein letztes Album hieß »Sgubu Sa Pitori« (deutsch: Der Sound von Pretoria). Inwiefern beeinflusst dich die Stadt denn?

DJ Mujava: Pretoria hat einen gewaltigen Einfluss auf mich. Es ist schwer zu beschreiben, wie das genau abläuft. Mich inspirieren einfach die Menschen hier. Und wenn sie sich auch noch für meine Musik interessieren, ist das das Größte. Es gibt viele Leute in Pretoria, denen es viel bedeutet, dass ich den ganzen Gemeinden in Pretoria durch meine Musik eine Stimme gegeben habe und das spornt mich ungeheuer an.

HHV: Viele Hipster prophezeien, dass Kwaito und Pitori die beiden nächsten großen »Ethno«-Dinger sein werden, nach dem ganzen Baile-Funk-Hype vor einigen Jahren. Schwingt da bei dir auch eine gewisse Skepsis mit oder freust du dich einfach, dass Südafrika jetzt endlich die Aufmerksamkeit bekommt, die es verdient hat?

Ach, ich mache mir da keinen Kopf. Ich bin einfach nur dankbar, dass sich jetzt auch Menschen außerhalb Afrikas für meine Musik interessieren. Südafrika musste lange warten bis es am Drücker war und wir ernten jetzt einfach die Früchte all der harten Arbeit, die wir seit Jahren in unsere Musik stecken.

HHV: Hast du ein Problem damit, dass die Medien immer allem, was nicht in die gewohnte europäische oder nordamerikanische Ästhetik passt, sofort diesen World Music-Stempel aufdrücken?

Oh ja, damit habe ich ein großes Problem. Sie sollten einfach vorher ihre Hausaufgaben machen und sich mit den unterschiedlichen Arten afrikanischer Musik vertraut machen. Und das nicht nur, weil es spannend und fremd ist, sondern auch weil sie dadurch viel über Afrika und seine verschiedenen Regionen lernen würden, anstatt alles unter einem Begriff zusammenzufassen. Es gibt hier so viele verschiedene Völker und Kulturen, dass eine derartige Reduzierung einfach nicht angebracht ist.

HHV: Gesetzt den Fall man könnte nur fünf Alben aus seinem Südafrika-Urlaub mitnehmen, welche sollten das deiner Meinung nach sein?

DJ Menace »Coffee«, DJ Bobo »Ayoba«, DJ Nonsense »Township Flavour«, DJ QT Quantised Mix 3 und DJ Fistaz »Mixwell Impressive«.
Diese fünf Alben verkörpern eindrucksvoll Pretorias Vielschichtigkeit und obwohl sie sehr unterschiedlich klingen, halte ich sie dennoch allesamt für relativ zugänglich.

HHV: Wie hast du eigentlich reagiert, als Warp Records dir mitteilte, dass sie »Township Funk« lizenzieren wollen?

Oh Mann, ich konnte es kaum glauben. Ich war total überwältigt, als sie bei meinem eigenen Label Sheer Music in Südafrika anfragten. Ich bin immer noch auf Wolke 7.

HHV: Hast du diesen ganzen aktuellen Wahnsinn in irgendeiner Form erwartet?

Wissen konnte ich das natürlich nicht. Ich hatte aber ein gutes Gefühl beim Produzieren des Tracks. Ich dachte mir schon, dass der Grenzen überschreiten könnte. Das tat er dann ja auch und ich bin jetzt einfach nur erleichtert und glücklich.

HHV: Ich denke, dass ein Teil des Reizes von »Township Funk« dem Umstand geschuldet ist, dass der Track vor Energie und Kraft strotzt, und dennoch extrem hypnotisch ist. Das ist ja eine Konstellation, die man auch gerne im Afro-Beat, aber auch in elektronischer Musik wie Techno oder Dubstep findet. Meinst du, dass du derjenige sein könntest, der die Berührungsängste verschiedener Szenen auflösen kann? Es ist ja schon fast beängstigend, wie schlüssig sich dein Sound in DJ-Sets aller Arten einbauen lässt.

Das könnte daran liegen, dass sich der Track einfach auch hervorragend dazu eignet geremixt und in neue Kontexte gesetzt zu werden. Er ist so simpel. Doch genau das macht seine Schönheit aus! Ich wünsche mir, dass es allen DJs gelingt, das Teil in ihre Sets einzubauen und wenn du sagst, dass das schon der Fall ist, bin ich mehr als zufrieden.

HHV: Wer hat denn bisher den besten »Township Funk«-Remix abgeliefert?

Da würde ich sagen Sinden & MPI Project. Ich mag auch Ashley Beedles Remix und den Lounge-Style, den Crazy P gefahren hat, würde mich aber im Moment für Sinden entscheiden.

Text und Interview: FLORIAN AIGNER

DJ Mujava im HHV-Shop