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Sprachlabor

»Du bist Rapper?«

Nach langer Pause, melden sich die 3 Jungs vom Sprachlabor(Mikkanic, Tier Mobilux und Beatmac), die bisher eher durch den Underground tingelten, zurück. Diesmal mit four music und einem Album im Rücken, dass wie der Titel schon verrät „Richtig“ einschlagen soll. Zeit also für ein Gespräch mit den Jungs. Beatmac war leider verhindert und so ergab sich ein trotzdem recht interessantes Gespräch mit Mikkanic und Tier Mobilux, von dem Mikkanic jedoch den Großteil der Antworten übernahm.

HHV: In eurer Pressemitteilung steht „Alle, die erschrocken über die Entwicklung von deutschsprachigem Hip-Hop sind, können jetzt aufatmen. Schluss mit Mittelfinger-Attitüde! Denn im Februar 2008 erscheint mit “Richtig” ein Album, das intelligente Texte mit groovigen Beats und melodischem Rap verbindet.“ Seht ihr euch als Gegenmittel zum derzeitigen Gangstarap?

Mikkanic : Es ist jetzt nicht so, dass wir uns krampfhaft abgrenzen wollen und sagen, dass das alles scheiße ist, was da grade passiert. Es gibt genügend Zuhörer und deswegen hat das Ganze dann natürlich auch seine Berechtigung. Aber in den letzten Jahren ließ sich natürlich schon beobachten, dass Hip Hop eine Entwicklung zum Negativen durchmacht. Positive Gefühle spielen da eigentlich nicht mehr wirklich eine Rolle. Es gibt fast nur noch Songs, in denen Schimpfwörter und Gewalt die Hauptrolle spielen.
Mit unserem Album wollen wir halt zeigen, dass Hip Hop nicht nur diese eine Facette hat, sondern eben ein breites Spektrum abdeckt und nicht immer nur aggro sein muss. Natürlich ist auf unserem Album jetzt auch nicht alles Friede, Freude, Eierkuchen und auch nicht nur positiv. Da gibt es selbstverständlich unterschiedliche Songs, aber der Grundton ist schon eher positiv. Es gibt derzeit wenige Leute, vor allem Newcomer, die so eine Art von Musik machen wir wir. Viele die so 2003, 2004 mit dem Thema Deutsch-Hip Hop/Rap abgeschlossen haben, freuen sich jetzt wenn sie unsere Songs hören und denken sich „Hey cool, endlich wieder mal was, was mir Spaß macht beim Hören.“

HHV: Ich finde aber auch, dass viele ältere Deutschraphörer übertreiben, weil es doch einige Leute gibt, die einen Gegenpol zum derzeitigen Gangstarap bilden und auch richtig gute Musik machen. Ich denke da nur an Dendemann, Blumentopf, Curse…

Mikkanic: Das stimmt, deswegen habe ich auch grade gesagt Newcomer. Sicher gibt’s die alten Füchse, zu denen ich auch noch die Beginner zähle. Die verfolgen auch alle einen ähnlichen Ansatz wie wir. Aus diesen Gründen wollen wir uns auch nicht den Nörglern anschließen. Aber es ist doch so: Wenn du heute sagst, dass du deutschen Rap machst, dann gucken dich die Leute dumm an und sagen dir, dass du gar nicht danach aussiehst. Da fallen dann schon so Sätze wie „Du hast ja keine Goldkette um Hals und guckst auch gar nicht so böse. Du bist Rapper? «

HHV: Du hast gerade gesagt, dass ihr euch als Newcomer seht, wie kommt das? Immerhin habt ihr schon vor mehr als 5 Jahren Platten rausgebracht.

Mikkanic: Nach außen hin müssen wir uns natürlich als Newcomer vorstellen, auch wenn es uns schon relativ lange gibt, um genau zu sein: schon seit über 10 Jahren.
Aber die EPs , die wir damals in Eigenregie veröffentlicht haben, haben ja nicht wirklich Aufmerksamkeit erhascht. Deswegen würde ich uns deutschlandweit gesehen noch als Newcomer einstufen. „Richtig“ ist auch unser erstes Album, das mit einem richtig guten Label wie four music im Rücken erscheint. Dadurch ergeben sich natürlich dann auch ganz andere Möglichkeiten wie professionelle Musikvideos, bessere Promotion etc.

HHV: Wo du gerade professionelle Musikvideos erwähnt, ihr habt ein Video zu „Futter für die Seele“ gedreht, da habt ihr euch ja etwas ganz Besonderes einfallen lassen.

Mikkanic: Das stimmt! Da das Lied „Futter für die Seele“ heißt, dachten wir, dass wir gut ein gemeinsames Kochen und Essen mit Freunden darstellen könnten. Allerdings essen wir keine Lebensmittel, sondern kochen und backen Musikinstrumente sowie Audioträger aller Art. Es gibt z.B. eine Schallplattentorte, eine Vinylpizza oder kleine Stäbchen mit angesteckten Tapes. Regie haben dabei die Los Banditoz gedreht, die genau wie wir aus Stuttgart kommen und schon für einige bekannte Rapper sehr schöne Musikvideos produziert haben.

HHV: Wie hat sich jemand, der das Video noch nicht gesehen hat, z.B. eine Vinylpizza vorzustellen?

Mikkanic: Das ist ein Pizzablech, mit einer Vinylscheibe drauf. Die wurde dann gebacken, damit das Vinyl so ein bisschen einläuft und sich dem Blech anpasst, dann kommt noch Tomatensoße, Salami, ein Klinkenkabel und Klaviertasten oben drauf. Schlussendlich wird das ganze mit Käse überbacken und schon ist die Vinylpizza fertig. In unserem Onlineportal haben wir auch ein Video, auf dem erste Tests zum Video dargestellt werden. Unter anderem wird auch gezeigt, wie wir eine Vinylplatte eingeschmolzen haben. Aber ich rate echt keinem das nachzumachen, es stinkt wie Sau und sticht auch so ein wenig in der Lunge…

HHV: Clueso ist ja auch bei four music und hat ja jetzt sogar schon zum 2. Mal erfolgreich beim Bundesvisionsongcontest teilgenommen. Wäre das nicht auch etwas für euch?

Mikkanic: Kann man auf jeden Fall drüber nachdenken, aber da musst du dann auch immer einen passenden Song haben. Generell ist das aber eine gute Möglichkeit deutsche Popmusik vor größerem Publikum zu präsentieren. Ich glaube da gibt es auch derzeit eigentlich nichts vergleichbares.

Tier Mobilux: Ich denke auch, dass das auf jeden Fall interessant ist. Mal schauen, vielleicht nächstes Jahr. Aber die Anfragen gingen soweit ich weiß, vor längerer Zeit an die jeweiligen Firmen raus. Wer da auftritt etc., das ist ja schon alles lange abgeklärt, bevor es für uns überhaupt zur Debatte gestanden hätte.

Mikkanic: Ein Problem ist aber auch, dass wir aus Stuttgart kommen und wenn man mal verfolgt hat, was so in letzter Zeit aus Baden-Würtemberg gepickt wurde, passen wir da nicht wirklich rein. Dieses Jahr war z.B. Laith-Al Deen dabei und die Jahre davor so ähnliche Sachen. Also das war wirklich katastrophal. Dagegen ist das, was z.B. aus Hamburg kommt immer echt stylish. In Baden-Würtemberg entscheiden die Radiostationen aber glaub ich auch noch mit. Vielleicht sollten wir auch umziehen (lacht).

HHV: Bei Wikipedia steht unter dem Begriff Sprachlabor: „Ein Sprachlabor ist ein speziell zum Erlernen von Sprachen ausgestatteter Raum. Es dient dem aktiven Training des Sprechens und Verstehens. Jeder Schüler hat einen Kopfhörer und ein Mikrofon. Die Lehrperson hat ein Kontrollpult, mit dessen Hilfe sie alle Schüler gleichzeitig oder einen separat ansprechen und kontrollieren kann.“ Inwiefern trifft diese Definiton auf euch zu. Seht ihr euch in der Rolle der Lehrperson, die ihrem Schüler alles beibringt?

Mikkanic: Nein, das auf keinen Fall. Wir wollen ja nicht mit erhobenem Zeigefinger durch die Gegend laufen und darüber urteilen was jetzt gut oder schlecht ist. Da würde ich schon eher sagen, dass wir mit Sprache und mit verschiedenen musikalischen Einflüssen exeperimentieren. Aber der eigentliche Ursprung des Namens ist viel einfacher: Wir haben früher unserem Hausmeister in den Sommerferien beim Großputz geholfen, um uns ein paar, damals noch Mark, dazu zu verdienen. In diesem Zeitraum wurde dann auch das alte Sprachlabor, das noch in unserer Schule vorhanden war, ausgemistet. Darauf hin haben wir uns dann diese ganzen Kopfhörer mit den Micros vorne dran gecheckt und waren erstmal voll Stolz drauf. Daraus ist dann auch vor 12 Jahren der Name Sprachlabor entstanden.

HHV: Kommen wir zurück zu eurer Musik. Ich habe jetzt schon von mehreren Leuten aus der Szene gehört, dass sie euch als zu poppig empfinden. Würdet ihr euch eher zwischen den Beginnern und Freundeskreis einordnen oder zwischen Fanta 4 und Fettes Brot?

Mikkanic: Den Popvorwurf müssen wir uns natürlich gefallen lassen. Da wir ja schon teilweise sehr melodiöse Sachen machen und den ein oder anderen Part auch singen. Meiner Meinung nach ist Pop aber auch nichts schlimmes. Dennoch würde ich uns zwischen erstere einordnen. Fettes Brot gehen mir ehrlich gesagt ein bisschen zu weit, genau wie Fanta 4. Die beiden Gruppen sind schon sehr populär und bei uns hast du noch klare Strukturen. Da sind Rapparts drin, die wirklich Raps sind und nicht so ein Sing-Sang Kram.

HHV: Auf eurem Album befindet sich auch der Titel „Bitte Tanz dazu“, habt ihr beim Schreiben daran gedacht, mal etwas clubtaugliches zu machen?

Mikkanic: Wir haben uns jetzt nicht gesagt, dass wir unbedingt etwas brauchen, was richtig gut im Club funktioniert. Es war einfach so, dass wir viele ein bisschen clubbigere Nummern hatten uns dann aber aus Platzgründen für eine entscheiden mussten, die diese ganzen Songs am besten repräsentiert. Das war dann „Bitte Tanz dazu“. Aber wir würden uns natürlich freuen, wenn die Nummer mal im Club gespielt werden würde.

HHV: Ich denke es ist ziemlich schwer einen DJ dazu zu bringen im normalen Club deutschen Rap aufzulegen…

Mikkanic: Das stimmt, das ist das Problem und deswegen sehe ich das auch relativ realistisch. Erstmal wird es unser Album auch nicht auf Vinyl erscheinen. Insofern kann man schon sehen, wo es ungefähr hingeht… Wie gesagt wird es wohl kaum einen DJ geben der das spielen wird. Aber bei mir funktioniert es, da das Album relativ einfach gestrickt ist und man dazu gut mitgrooven kann.

HHV: Denkst du dass in naher Zukunft vielleicht öfter mal deutsche Musik im Club gespielt wird? Phrequincy setzt sich ja z.B. sehr dafür ein und produziert teilweise extra clubtaugliche Nummer…

Mikkanic: Das wäre auf jeden Fall geil, weil Clubs nun mal eine riesige Plattform sind und da spielt deutscher Hip Hop derzeit einfach gar keine Rolle. Meiner Meinung nach ist es fahrlässig nicht auch mal Sachen zu produzieren, die auch in einem Club funktionieren können und ich hoffe, dass es auch wieder dahin geht, dass man deutschsprachige Musik im Club hört. Das Problem ist allerdings, dass Amiland uns monatlich mit Neuveröffentlichungen überflutet und die ja auch nicht so schlecht sind…

HHV: Euer Album und eure Single erscheinen beide am 22. Februar. Wäre es nicht sinnvoller zuerst die Single und dann das Album zu veröffentlichen?

Mikkanic: Normal ist es schon, dass man die Single ca. einen Monat vorher und dann das Album veröffentlicht, um ein wenig Aufmerksamkeit zu erhaschen.
Aber ob das jetzt bei einem Newcomer wahnsinnig viel Sinn macht ist die eine Frage. Zumal wir die Single ja auch nur digital releasen. Eigentlich ist die Single sogar ganz nützlich als kleiner Teaser für das Album. Dann kann der interessierte Hörer sich die Single für einen geringen Aufpreis bei musicload, itunes etc. downloaden und sich, wenn es ihm gefällt, gleich das Album nachschießen.

Interview: Jan-Hendrik Mautsch

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