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An der Spitze des inzwischen schon als “Deep-Funk-Revival” verschubladeten Phänomens des, wie der Name schon sagt, Wiederauferstehen des “rohen” Funks der 60er, steht die Lefties Soul Connection aus Amsterdam. Vier Musiker mit vier Instrumenten ohne Sänger oder Sängerin sorgen für eine abendfüllende Unterhaltung, bei der niemand auf seinem Platz bleibt. Nach einer als Debütalbum getarnten Compilation alter Singles kam mit “Skimming the Skum” im Mai der erste, konzeptionell zu Ende gedachte, Longplayer auf den Markt, natürlich bei MPM. Wer mehr über die Jungs erfahren will, muss einfach nur nach diesem Satz weiter unten das Interview mit Alvin, dem Mann an der Orgel, lesen.
HHV: Wie habt ihr angefangen?
Alvin: Vor den Lefties war ich, zusammen mit unserem Gitarristen Onno Smit, in einer mehr Acid-Jazz orientierten Band, welche einen Mix aus Sly & The Family Stone, Curtis Mayfield und instrumentalem Souljazz spielte. Im April 2001 habe ich dann zusammen mit Bart Fader eine Party names “Struttin`” ins Leben gerufen. Damit wollten wir Amsterdam die Funk 45s ein wenig näherbringen. Wir haben auch so bekannte DJs wie Keb Darge(Kay-Dee Records) zu unserer Party eingeladen. Onno und ich wollten auch während der Parties Funk live spielen und deshalb begannen wir mit der Lefties Soul Connection und verließen die andere Band. Ein wenig später traf ich dann Cody Vogel, unseren Drummer, in meiner Lieblingsbar. Noch ein halbes Jahr später kam noch Bram zur Gruppe dazu und wir fingen an, unsere eigenen Sachen zu schreiben. Nach ein paar Gigs während der “Struttin`”-Parties fingen wir an, auf anderen Parties zu spielen und veröffentlichten bald unsere erste 45 auf Melting Pot Music. Der Rest ist Geschichte…(lacht)
HHV: Warum eigentlich Funk?
Alvin: Für mich persönlich ist es der Stil, den ich am liebsten Spiele. Ich mag Rhytmusbasierte Musik und im Funk geht es nur um den Rhytmus! Er ist sehr expressiv, energetisch, jedenfalls so wie wir ihn spielen(lacht), und man kann dazu tanzen. Es ist eine sehr positive Musik und die Leute haben eine gute Zeit. Nichtsdestotrotz kann man auch so “raw and dirty” spielen wie wir, aber auch eine Prise Soul mit reinstecken.
HHV: Seid ihr Jungs auch in anderen Bands aktiv?
Alvin: Ja. Unser Drummer, Cody, spielt noch in einer mehr Avantgarde-Rock/Pop Band mit niederländischen Texten und vielleicht wird er auch ein wenig in Sessions arbeiten. Onno schreibt Songs mit Paul für andere Künstler. Bram hat hier und da ein paar Seitenprojekte. Ich hab gerade angefangen mit einem nierderländischen MC zusammenzuarbeiten, aber ich bin auch DJ und organisiere zusätzlich zwei monatliche Parties in Amsterdam.
HHV: Eure Musik ist im Moment noch rein Instrumental. Habt ihr vor in der Zukunft mit Sängern bzw. Sängerinnen zusammenzuarbeiten?
Alvin: Wahrscheinlich. Es hängt davon ab, ob wir jemanden treffen, der unseren Style “diggt” und zu unserem Sound passt. Aber dieser Gedanke ist definitiv einer, den wir schon länger verfolgen.
HHV: Ihr habt ja mit “Skimming the Skum” ein neues Album, euer zweites, veröffentlicht. Wie wird es sich vom Vorgänger unterscheiden?
Alvin: Ich denke, dass neue Album ist ausgeglichener, musikalisch und vom Sound. “Hutspot”, unser Debut, war eine Sammlung von Songs die vorher nur auf 45s oder 12” rausgekommen waren. Mit “Skimming the Skum” wollten wir ein richtiges Album machen, mit harten Funk-Tracks aber auch groovigeren Nummern. Es wäre auch nicht gut für uns gewesen, wenn wir ein zweites “Hutspot” gemacht hätten. In unseren Augen sollten beide Alben nebeneinander stehen und sich unterscheiden. Auf “Skimming the Skum” ist der Sound besser und auch clubtauglicher. Ausserdem gibt es auf dem Album mehr Beats und, wie wir es nennen, “ready to sample”-Breaks und -Sounds.
HHV: Wie kam die Verbindung zu MPM zustande?
Alvin: Ich traf Olski auf einer Struttin-Party, weil ich Egon von Stones Throw als DJ gebucht habe und Olski zu der Zeit sein Tourmanager war. Ich sprach mit ihm über unsere Band und gab ihm ein demo von “Doing the Thing”. Er mochte es und wir entschieden uns, “Doin the Thing” als 45 mit einer Auflage von 500 Stück zu veröffentlichen. Die Singles war schnell ausverkauft und ist jetzt schon ein Sammlerstück. Danach kamen noch ein paar 45s(Bouncing Ball und Peacock Strut) und eine 12”. Der Rest ist, wie oben gesagt, Geschichte(lacht).
HHV: Wie findet ihr das wachsende Interesse an Funk?
Alvin: Ich finde es großartig, dass sich die Leute mit den Grundlagen für Hiphop und Dance befassen. Ich hoffe jedoch, dass es mehr ist als ein hipper Trend.
HHV: Wie profitiert ihr von diesem Trend?
Alvin: Wir profitieren schon davon. Es ist ein schönes Gefühl zu sehen, wie die Leute zu unseren Konzerten kommen und auch mal eine Live-Funkband erleben wollen. Ausserdem müssen wir unsere Musik immer weniger erklären oder rechtfertigen. Noch vor ein paar Jahren dachten die Leute bei dem Wort “Funk” noch, dass du entweder in einer Disco-Cover- oder P-Funk-Band spielst. Ich muss heutzutage immernoch den Leuten in Interviews erklären, dass wir werder das eine noch das andere machen. Ich denke jedoch, dass, um uns als Band zu etablieren, müssen wir nicht immer nur den alten Stuff spielen. Wir sind beeinflusst von den alten Sachen, wollen sie aber nicht kopieren. Eine Band wie die Meters, zum Beispiel, war unglaublich. Die hatten ein aussergewöhnliches Rhytmusgefühl und es würde keinen Sinn machen, ihren Stil 1-zu-1 zu kopieren. Sie haben ihr Ding gemacht und werden immer besser sein! Für mich wäre es großartig, wenn die Bands heute sich von diesem Feeling beeinflussen und es in ihrer Musik mit ihren Mitteln ausdrücken. Es gibt diese Besipiele ja schon, wie zum Beispiel die klassischen Hiphop-Produzenten wie Pete Rock, die alte Funk-Tracks samplen. Ich denke, das ist eine gute Sache, weil die Musik somit in der Erinnerung der Leute bleibt und mehr Leute sich mit den Originalen beschäftigen.
HHV: Wie setzt ihr euch von dem klassischen Funk ab?
Alvin: Wir sind zwar sehr beeinflusst von dem Funk der 60er, sehen uns aber nicht als Retro-Band. Wir befassen uns auch mit dem aktuellen Beat/Breakgeschehen. Unsere Musik besteht aus den Elementen des 60er Funks, Soul mit einem Touch Hiphop und der Energie von Rock`n`Roll. “Organ Donor”, welches wir von DJ Shadow gecovered haben, ist ein gutes Beispiel. Für uns war das eine ganz natürliche Sache. Wir mochten den Flow, die Melodie und ausserdem passte der Song zu unserem Style.
HHV: Gibt es Künstler, die die ganze Gruppe beeinflusst haben?
Alvin: Ja. Zuallererst die Meters, aber dann, natürlich, der Godfather, James Brown. Im Allgemeinen Funk und Soul 45s aus den 60ern!
HHV: Wie entstehen die Songs innerhalb der Band?
Alvin: Manchmal jammen wir einfach so vor uns hin und daraus entsteht etwas, aber meistens haben Onno oder Ich eine Idee im Kopf die wir mit zur Probe nehmen. Während der Probe veruschen wir dann um diese Idee einen Track aufzubauen. Das klappt manchmal, oft aber auch nicht. Wir sind schon sehr kritisch unserer Arbeit gegenüber, was in meinen Augen eine gute Sache ist.
HHV: Kommt ihr nach Deutschland auf Tour?
Alvin: Es wird im Mai einige Konzerte geben(Interview wurde im April geführt, Anm.d.Red), aber im Herbst wird dann eine komplette Europatour, auch durch Deutschland, stattfinden.
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Interview: Sascha Leutloff
Fotos: MPM
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