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Opensouls

»Das Gestrige jetzt«

Eine weitere Band, die den Soul der frühen Jahre in die Gegenwart holt. Könnte man meinen. Doch Opensouls aus Neuseeland kopieren nicht schlicht, sie interpretieren die alten Sounds aus der Gegenwart heraus.

Sie sehen sich selbst in der Tradition von Motown und Stax. In ihren Live-Auftritten erweitern sie diesen Soulsound um zeitgenössischere Elemente wie MPC und Turntables. Die neuseeländische Formation Opensouls transportieren den Soul der guten alten Zeit in die Klangwelt von heute. Gegründet wurde die neunköpfige Band im Jahre 2001. Einige der Mitglieder kannten sich bereits durch das regelmäßige Jammen in der Live-Szene der Metropole Auckland im Norden des pazifischen Inselstaates. Zunächst muszierte man unter dem Namen Fifth Floor. Später sollte daraus Opensouls entstehen, dessen Kern die Vokalisten Tyra Hammond und Bjorn Peterson bilden, zu denen sich eine Schar an Live-Musikern gesellt. Ein von ihnen ist der Bassist Chip Matthews. Er fasst im Interview die Essenz der Band wiefolgt zusammen: »Opensouls ist ein Kollektiv individueller Musiker, die sich zusammengeschlossen haben, um einen gemeinsamen Sound zu kreieren – noch viel wichtiger ist uns, dass innerhalb der Band ein familiäres Klima herrscht. Kurzum, eine gute Mischung aus unserer Musik und gegenseitiger Wertschätzung.«

Liebeslieder aus dem Schlafzimmer
So sei auch das neue Album, »Standing In The Rain«, in einem sehr organischen Prozess entstanden. Zunächst wurden Stücke gesammelt, dass eher in eine elektronische Klang-Richtung gehen sollte. Zu genau dieser Zeit beschäftigte sich ein Teil der Band allerdings bereits mit dem souligen Sound der 1950er und 1960er Jahre. Zwei davon, Tyra Hammond und der Gitarrist Jeremy Toy, sind auf dem neuen Album für die Mehrzahl der Lyrics verantwortlich und so war der soulige Sound des neuen Albums eine natürlich Entwicklung. Neben einem Killer-Drumbreak und einem unglaublichem Gitarren-Solo sind es vor allem die Liebeslieber, die den Hörer dieser Musik gefangen nehmen. Kein Wunder, könnte man meinen, denn sowohl der drei Jahre alte Vorgänger »Kaleidoscope« als auch das neue Album wurden zu weiten Teilen im Schlafzimmer von Jeremy Toy aufgenommen. »Wo auch immer Jeremy wohnte, wurde unsere Musik aufgenommen«, so Chip Matthews. Das erste Album hatte noch überwiegend Sänger Bjorn Petterson geschrieben, wodurch es einen leichten HipHop-Unterton erhielt. Die Schreibweise von Tyra Hammond betont nun eher den Soul in der Musik. Chip Matthews: »Dieser Wandel ist für uns fließend und ändert überhaupt nichts am Kern der Band.« Und er ergänzt, »dass es ein derartiges Album in Neuseeland bisher in noch keinem Genre gegeben hat.«

Das Gestrige jetzt
»Standing in the Rain« verschmilzt nun das wunderschöne Songwriting der goldenen Soul-Ära und wendet es strikt auf die Gegenwart an. Diese Differenz zwischen der Zeit der 1950er und 1960er Jahre, auf die sich das Songwriting bezieht, und dem Hier und Jetzt, in dem sich diese Lieder entfalten, macht das Besondere dieser Musik aus. Verglichen mit Künstlern wie Amy Winehouse oder Duffy, die ebenfalls ihre ganz eigene Essenz aus der Soul-Musik von damals gezogen haben, sagt Matthews, »dass unser Album noch weiter zurückgeht, eher in die Zeit von Smokey Robinson und Co.«. Als Künstler mit einer vergleichbaren Herangehensweise kann man Raphael Saadiq oder Mayer Hawthorne nennen. Das diese Musik wieder so gefragt ist, erklärt Chip Matthews mit dem »Wunsch nach Einfachheit und schöner Musik, was in einer Zeit steigender Technologisierung als erfrischend wahrgenommen wird.« Die Vielzahl gegenwärtiger Bands, die versuchen den reichhaltigen analogen Sound der Vergangenheit am Leben zu erhalten, hält der Opensoul-Bassist daher nicht für ein bloßes Phänomen, sondern vielmehr für »eine einfache Dialektik: Gibt es eine geistige Strömung, so entsteht natürlich eine Gegenbewegung. Opensouls würde da eher in eine Synthese-Kategorie passen, weil wir sowohl alte als auch neue Styles, Techniken und Technologien verwenden, um unsere Musik zu erzeugen. Bei uns ist das Am-Leben-Erhalten kein bewusster Prozess, vielmehr Teil unseres natürlichen Reifeprozesses als Musiker – ja sogar eine Notwendigkeit, um durch neue Herangehensweisen, Konzepte und Inspirationen auszudrücken, wer wir sind und was wir gerade fühlen.«

Text: Florian Triesch

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