Der Turntablist Marc Hype und ehemalige Fresh Familee-Keyboarder Jim Dunloop haben sich nicht gesucht, aber trotzdem gefunden. Gemeinsam improvisieren sie Funk, Jazz, HipHop und basteln sich einen musikalischen Raum jenseits der alltäglichen Tatsachen. Ihre restrukturierten Breaks, Vinyl-Edits, Live-Instrumentierungen und Scratches erobern sich Gebiete, wo die Realität Hausverbot hat.
Wenn das Dream Team Hype/Dunloop live performt, wird fleißig improvisiert. Hier passiert mehr als das gewohnheitsmäßige ineinandergreifen von Platten. Der Geist der HipHop-Pioniere lebt in ihren Gigs durch den Anspruch aus fertigen Platten etwas Neues zu machen. »Es ist eine Semi-Live-Show, quasi ein live Remix-Projekt. Denn wir sind keine Band die nach einer Stunde aufhört zu spielen, aber es ist auch kein vierstündiges DJ-Set. Wir sind genau dazwischen«, meint Hype – der als Turntablist Veteran in den letzten Jahren neue Herausforderungen suchte. So finden sich auf den aktuellen Produktionen des Duos zwar immer noch mehr Cuts als auf vielen anderen HipHop-Produktionen, aber diese werden als solche kaum wahrgenommen. Das liegt zum einen an der Unfähigkeit des Publikums zu Scratch-Parts zu tanzen, aber auch an der Ästhetik der Funk-Musik, bei der sich dominante Cuts oft kontraproduktiv auswirken. So hat sich das Aufgabenfeld für Hype erweitert. Neben Cuts sucht er nach Breaks und Song-Ideen oder nach Wegen, um Dunloops aufwendige Arrangements publikumsfreundlicher zu gestalten. Zwei Meister der alten Schule finden sich Nach dem Auftritt hörte Jim Dunloop, zur Verwunderung von Hype, aber nicht auf zu spielen; er improvisierte einfach zu Hypes DJ Set. Das kam bei DJ und Publikum gut an und Marc nahm ihn deshalb mit auf seine Funkvergnügen-Tour. Es folgten immer mehr Gigs, weshalb die beiden ein amtliches Intro bastelten, aus dem dann später »The Antique Anthem« wurde – ihr erster Releases bei Melting Pot Music. Das Gestern ins Heute überführen Mit »Stamp Out Reality« gehen Hype und Dunloop rückwärts in die Zukunft. Ihr Old-School-Sound liegt in ihrer Musiksozialisation begründet und nicht durch eine Verherrlichung der Vergangenheit. Vielmehr geht es um eine Überführung des Gestern ins Heute. Auf dem Cover sieht man ihre Bühne in einem Pappkarton nachgebaut: »Ich kann mich mit vielen neuen Songs nicht anfreunden. Allerdings nutzen wir die neuen Abmischtechniken, Filter und Synthie Sounds, die es vor zehn Jahren noch nicht gab. Für mich ist es das Non-Plus-Ultra, wenn es oldschoolig klingt, aber durch neue Technik vom Sound verbessert wird«, erklärt Jim Dunloop. Hier fließen zwei Seelen zusammen. Das Album ist ihr musikalischer Konsens. Die Essenz, die sie aus ihrer gemeinsamen musikalischen Vergangenheit generieren. Text: Bianca Ludewig Foto: Oliver Wia |

