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Hype & Dunloop

»Bricolage für Fortgeschrittene«

Der Turntablist Marc Hype und ehemalige Fresh Familee-Keyboarder Jim Dunloop haben sich nicht gesucht, aber trotzdem gefunden. Gemeinsam improvisieren sie Funk, Jazz, HipHop und basteln sich einen musikalischen Raum jenseits der alltäglichen Tatsachen. Ihre restrukturierten Breaks, Vinyl-Edits, Live-Instrumentierungen und Scratches erobern sich Gebiete, wo die Realität Hausverbot hat.

Wenn das Dream Team Hype/Dunloop live performt, wird fleißig improvisiert. Hier passiert mehr als das gewohnheitsmäßige ineinandergreifen von Platten. Der Geist der HipHop-Pioniere lebt in ihren Gigs durch den Anspruch aus fertigen Platten etwas Neues zu machen. »Es ist eine Semi-Live-Show, quasi ein live Remix-Projekt. Denn wir sind keine Band die nach einer Stunde aufhört zu spielen, aber es ist auch kein vierstündiges DJ-Set. Wir sind genau dazwischen«, meint Hype – der als Turntablist Veteran in den letzten Jahren neue Herausforderungen suchte.

So finden sich auf den aktuellen Produktionen des Duos zwar immer noch mehr Cuts als auf vielen anderen HipHop-Produktionen, aber diese werden als solche kaum wahrgenommen. Das liegt zum einen an der Unfähigkeit des Publikums zu Scratch-Parts zu tanzen, aber auch an der Ästhetik der Funk-Musik, bei der sich dominante Cuts oft kontraproduktiv auswirken. So hat sich das Aufgabenfeld für Hype erweitert. Neben Cuts sucht er nach Breaks und Song-Ideen oder nach Wegen, um Dunloops aufwendige Arrangements publikumsfreundlicher zu gestalten.

Zwei Meister der alten Schule finden sich
Jim Dunloop suchte nach seinen ersten Erfahrungen im HipHop-Kontext bei Fresh Familee ebenfalls nach neuen Wegen. Mit dem Schlagzeuger der Fresh-Familee gründete er das Projekt Konstruktive Kritik. 1995 wurde mit Hilfe von iGadget ein Album realisiert. Es gab noch ein zweites Album, das aber nie erschienen ist. Ihr Projekt hielt fast sieben Jahre. Von Düsseldorf nach Berlin zog es Dunloop 2001 um Abstand zu gewinnen. Bereits ein halbes Jahr später entdeckte ihn Hype in einer Berliner »Spelunke«: »Eine Freundin von uns wollte ungedingt auf der ›Funkvergnügen‹-Release-Party 2004 den Nowak singen. Aber das ging nicht, weil da keine freie Stelle zum Samplen war. Wir brauchten also jemanden, der das nachspielen konnte und deshalb hat sie dann Jim angeschleppt«, berichtet Hype.

Nach dem Auftritt hörte Jim Dunloop, zur Verwunderung von Hype, aber nicht auf zu spielen; er improvisierte einfach zu Hypes DJ Set. Das kam bei DJ und Publikum gut an und Marc nahm ihn deshalb mit auf seine Funkvergnügen-Tour. Es folgten immer mehr Gigs, weshalb die beiden ein amtliches Intro bastelten, aus dem dann später »The Antique Anthem« wurde – ihr erster Releases bei Melting Pot Music.

Das Gestern ins Heute überführen
Zeitgleich entwickelte sich die Funk-Szene überall auf der Welt, was dem Team regelmäßige Live-Gigs ermöglichte. Anfangs hatten sie noch ein einstudiertes Programm, später ging man laut Hype mehr und mehr zum Freestyle über: »Das finde ich interessanter als das Sture und Gerade. Über die zeitgenössische Funk- und HipHop-Entwicklung, in der man sich seinen Weg sucht, hat sich dann auch unser Sound geformt. Ich habe ja seit Cheeba Garden meine ganz eigene Soundästhetik und jetzt kommt da noch Jim mit seinem Jazz-Geklimper dazu.« Da die meisten Jazz-Harmonien nicht zu HipHop-Beats oder Funk-Rhythmen passen, sucht Jim gezielt nach musikalischen Möglichkeiten um die Stile zu verbinden: »Ich tüftele auch gerne an elektronischeren Sounds«, erzählt der Keyboarder, »aber vom Beat her bleibt es immer ein Kopfnicker-HipHop-Ding. Live versucht Marc die Höhepunkte immer anders aufzubauen. Er legt neue Beats auf, macht andere Scratches und ich reagiere darauf. So entstehen Momente die uns beide überraschen und freuen«.

Mit »Stamp Out Reality« gehen Hype und Dunloop rückwärts in die Zukunft. Ihr Old-School-Sound liegt in ihrer Musiksozialisation begründet und nicht durch eine Verherrlichung der Vergangenheit. Vielmehr geht es um eine Überführung des Gestern ins Heute. Auf dem Cover sieht man ihre Bühne in einem Pappkarton nachgebaut: »Ich kann mich mit vielen neuen Songs nicht anfreunden. Allerdings nutzen wir die neuen Abmischtechniken, Filter und Synthie Sounds, die es vor zehn Jahren noch nicht gab. Für mich ist es das Non-Plus-Ultra, wenn es oldschoolig klingt, aber durch neue Technik vom Sound verbessert wird«, erklärt Jim Dunloop. Hier fließen zwei Seelen zusammen. Das Album ist ihr musikalischer Konsens. Die Essenz, die sie aus ihrer gemeinsamen musikalischen Vergangenheit generieren.

Text: Bianca Ludewig

Foto: Oliver Wia

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