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Hyperdub

»Sonic Fiction«

Steve Goodman ist der intellektuelle Vordenker der britischen Basskultur. Mit seinem Projekt Kode9 hat er die Lyrik zurück in die Popmusik geholt, mit seinem Label Hyperdub die Entwicklung von Dubstep maßgeblich forciert. Hyperdub ist gerade fünf Jahre alt geworden: eine Verneigung.

Da wächst etwas. Es ist tief, dunkel und böse. Es nennt sich Dubstep und wird mit jedem Tag einverleibender und gieriger. Doch wie konnte es soweit kommen? Wer hat dieses Ungetüm zu dem gemacht, was es nun ist? Natürlich kann man ein solch komplexes System nicht auf einige wenige Basics herunter brechen, doch man kann zumindest Einflüsse betrachten: Genau dann wird einem der Name Kode9 mit als erster entgegen springen. Kode9, der mit bürgerlichem Namen Steve Goodman heißt, ist eine der zentralen Personen im Rahmen der britischen Basskultur. Die Geschichte seines Labels Hyperdub, gerade fünf Jahre alt geworden, beschreibt Goodman als eine Ansammlung von Zufällen und eben vielen kleinen Kollisionen. Es ist eine wirre Geschichte von emigrierten Schotten, Steve Goodman, der Liebe zum Bass und einem Doppelleben.

The year when Dubstep broke
Es ist das Jahr 2001, als Goodman zunächst ein Onlinemagazin gründet, das sich im Laufe der Jahre zu einem der wichtigsten Labels in Sachen Dubstep und UK-Funky entwickelte. Als Magazin existiert »Hyperdub« nur etwa drei Jahre. Schon 2004 wurde dann die erste Single veröffentlicht. Der Grund dafür war ein Gespräch mit Kevin Martin (The Bug), der Goodman riet: »Veröffentliche dein Zeugs doch einfach selbst!« Das Ungetüm hatte also ein erstes Zuhause gefunden. Recht schnell wurden über Hyperdub nicht mehr nur eigene Stücke veröffentlicht, sondern eben auch andere Künstler unter Vertrag genommen. In vorderster Front der schwarze Ritter des Dubstep, Burial, mit dem das Label dann vollends durch die Decke ging. Der Riecher von Kode9 hat sich also bezahlt gemacht. Also doch nicht nur Unfälle und Zufälle. Auch als sich das autopoetische System »Dubstep« wieder neu generierte, der »Virus« wieder mutierte, blieb Hyperdub ein fester Bestandteil dieser Kultur. Hyperdub veröffentlichte nicht mehr nur Dubstep, sondern auch UK-Funky- und Wonky-Produktionen. Auch expandierte das Label im Bezug auf seine gesignten Produzenten. Zwar liegt der Schwerpunkt immer noch in London, doch sind mit der Zeit auch Soundtüftler aus Japan und Europa hinzugekommen. Die Liebe zum Bass ist eben ein weltweites Phänomen.

Sonic Warfare
So ambivalent Dubstep eben ist, so ambivalent sind manchmal auch die Akteure. Steve Goodman hat zwei Leben. Der Zeit als Dubstep-Produzent und Label-Chef, sozusagen die Nachtseite, steht ein Leben im Tageslicht gegenüber. Dann ist Steve Goodman Buchautor und Uni-Dozent. So hält er Seminare über »sonische Kultur«, kann also die Sache mit der Musik auch hier nicht ganz lassen. Zu diesem Thema wird es bald auch ein Buch, »Sonic Warfare«, geben. Hyperdub bleibt weiterhin ein sehr spezielles Ding. Das Oszillieren zwischen den beiden Existenzen des Chefs, scheint dem Label jedoch nicht zu schaden. Ganz im Gegenteil. Vielleicht ist gerade das Fehlen eines konkreten Masterplans das Erfolgsgeheimnis. Es bliebe so zumindest mehr Platz für die Musik selbst. Zum Geburtstag beschert sich das Label selbst mit einer weiteren Compilation. »Hyperdub 5« nennt sich der Label-Rundumschlag und präsentiert alle Größen des Hauses: Quarta303, Burial, Joker, Mark Pritchard, The Bug, Zomby und natürlich Kode9. Man kann gespannt bleiben, welche hybriden Mutationen uns Hyperdub ín Zukunft so beschert.

Text: Daniel von der Vring

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