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Fashawn

»Last Exile: Fresno«

Westküsten-Rap wird gemeinhin dominiert von Strömungen aus Los Angeles sowie der weiter nördlich gelegen Bay Area um die Metropole San Francisco. In diesem Herbst drängt jedoch eine recht unbeschriebene Stadt im Herzen des Sunshine-States in den Fokus. Es geht um Fresno, die Heimatstadt des Newcomers Fashawn, der sein komplett von DJ Exile produziertes Debütalbum »Boy Meets World« soeben veröffentlichte.

»In Zentralkalifornien haben wir Einflüsse aus der Bay Area und L.A. gleichermaßen. Ich wuchs mit Hieroglyphics, Pharcyde, Dilated Peoples doch ebenfalls mit Mac Dre, E40, Daz und Kurupt auf. Inspiriert wurde ich vor allem von Nas, aber auch von C-Bo, Big L, 2 Pac, AZ oder Planet Asia«, beantwortet Fashawn die Frage, ob er denn damals eher Gangsta- oder Indie-Rap pumpte. Der letztgenannte Planet Asia, sicherlich das bekannteste Gesicht aus Fresnos Rap-Szene, erkannte früh Fashawns Talent und nahm ihn unter seine Fittiche. »Planet Asia war ein großer Mentor für mich. Er machte mich mit Evidence bekannt, der mich allen Leuten in L.A. vorstellte.« Nachdem Evidence Fashawn bereits als Gast auf seiner »The Layover EP« der breiten Öffentlichkeit präsentierte, schleppte er den Rookie kurzerhand als Vor-Act nach Übersee mit auf Tour. Ein prägendes Erlebnis. »Was mich wirklich krass flashte, war ein Auftritt in Deutschland, als zwei Fans meine Songs kannten und mir in der ersten Reihe Support gaben. Dann dachte ich ›Ok, es gibt in der echten Welt wirklich Leute, die meine Musik hören.‹«

Für viele Beobachter mag der 20jährige vielleicht einer dieser austauschbaren Blog/Mixtape-Rapper sein, doch bereits in der YouTube-Single »Streets Of Fresno«, die unweigerlich an die Fast-Rap-Epoche und MCs wie Big Daddy Kane und Rakim erinnert, wird klar, dass der Junge spitten kann. Hype und Vergleiche mit Hipstern interessieren ihn jedoch wenig. »Mir ist es egal, wenn ich im Zusammenhang mit Hipstern gesehen werde, solange mein Name überhaupt genannt wird.« Was ihn dennoch mit anderen Newcomern eint, ist sein aufgeschlossener Musikgeschmack. So spittet er seine Bars mitunter über Electro-Pop aus England und auch Adele, Feist und Ratatat laufen Schleife auf Fashawns iPod.

Alter Bruder Exile
In Los Angeles traf er damals auf DJ Exile, der über einen Tipp von Fashawns Manager auf den Jungen aus Fresno aufmerksam wurde. »Mein Manager kannte Exile noch von früher und hat ihm ein paar Mixtape-Songs von mir geschickt, die er cool fand. Mich hat es enorm beeindruckt, wie Exile MCs auf seinen Produktionen Raum zum entfalten gibt.« Der Grund für die klassische “1MC/1DJ”-Kollabo auf gesamter Albumlänge lag praktisch auf der Hand. »Ich fühlte, dass Exile der einzige Produzent ist, bei dem ich meine Lebensgeschichte durchgängig offenbaren kann. Er ist ein Perfektionist und hat die Gabe, aus einem Künstler das Beste heraus zu holen. Ich hätte von allen Top-Produzenten Beats haben können, doch es wäre nicht die Einheit und der Vibe den Exile kreierte.«
Ob er von Exile während der Produktion aufgrund des Altersunterschiedes eher wie ein kleiner Bruder behandelt wurde? »Manchmal, doch alle Künstler mit denen ich zusammen arbeite, haben ein junges Herz. Das Alter ist nur eine Zahl. Der einzige Unterschied ist, dass sie mich auf das Business vorbereiten.«

Das junge Alter, gepaart mit der sichtlichen Begabung des Lyricists, lassen Kritiker bereits von einem neuen Nasir Jones oder Albert Johnson sprechen. »Es ehrt mich natürlich sehr, wenn ich mit Nas oder Prodigy verglichen werde. Auf der anderen Seite möchte ich einfach nur Fashawn sein und das Beste geben. Wer weiß, vielleicht wird eines Tages gesagt werden, dass es keinen zweiten Fashawn, Prodigy oder Nas geben wird.« Der offensichtliche Fan lässt es sich dennoch nicht nehmen hinzu zu fügen: »Über Alchemist kenne ich Prodigys Sohn. Ich hoffe Prodigy bald zu treffen und mit ihm Musik zu machen, sobald er wieder auf freiem Fuß ist.«

Text: Benjamin Mächler

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