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Trus'me

»House Special Pt.3«

Die ersten Singles direkt von Gilles Peterson in Dauerrotation genommen, auf der Albumrelease-Party für Workings Nights vor 2 Jahren ein anerkennendes „Damn, Brother“ von Kenny Dixon Jr. eingetütet, danach mit Prime Numbers ein hoch respektiertes Label aus dem Boden gestampft und jetzt mit In The Red ein Album, das von Sophomore Slump nichts wissen will: David Wolstencroft hat einen Lauf.

Manchester und das Jahr des Covers
Warum Trus’me klingt wie er klingt, ist Wolstencroft völlig klar: „Wenn du quasi auf der Vinyl-Meile Manchesters aufwächst, Clubs wie das Hacienda, Electric Chair oder Eyes Down hast und von Anfang an lernst, nicht nach Genre zu differenzieren, sondern nur zwischen gut und schlecht unterscheidest, kommt das fast von alleine. Dann hatte ich früh auch einen guten Draht nach Detroit; Rick Wilhite, Delano Smith, Mike Grant und Theo Parrishs Grafiker kannte ich schon, bevor ich überhaupt angefangen habe zu produzieren.“
Die häufigen Moodymann-Vergleiche sieht auch er gelassen („Natürlich ist das ein Segen, er ist der Meister!“), betont aber, spätestens mit dem eklektischen Sound von Prime Numbers und seinem zweiten Album, das wiederum über Fat City erscheint, einen sehr eigenständigen Sound gefunden zu haben. Unterstützt von Vokal-Größen aus dem großen D wie Amp Fiddler oder Pirahnahead hat sich Trus’me von reinem Sampling emanzipiert und ein gut abgehangenes House-Album mit B-Boy-Attitüde produziert, das dem sehr kohärenten Debüt ästhetisch folgt, aber dennoch ein weiterer Schritt in Richtung Produzententum in klassischem Sinne ist. „Bei Working Nights ging es mir um virtuoses Sampling, bei In the Red war ich von der Idee des Coverns besessen. Es ist toll aus einem punkigen Disco-Stück eine klebrige Boogie-Nummer zu machen, das ist beim Samplen wesentlich schwieriger. Ich sag’s dir: Cover werden 2010 der heiße Scheiß“ (lacht).

Kohärenter Eklektizismus
Danach gibt er sich als Romantiker der alten Schule, der weiter fest an das Albumformat glaubt und für den ein Album nach wie vor eine Reise und keine lose Aneinaderreihung arbiträr zusammengestellter Tracks sein sollte. Darauf angesprochen, dass genau dies seinem Prime Numbers-Künstler Linkwood mit System auch gelungen sei, trotz einer großen stilistischen Vielfalt, freut sich Wolstencroft: „Genau das ist auch mein Ziel mit Prime Numbers. Stilistische Einschränkungen sind Blödsinn, Musik muss herausfordern. Das ist auch das Prinzip bei den 12“-Samplern: drei völlig verschiedene Künstler, geeint durch die hohe musikalische Qualität“. Dass er über diese keineswegs diktatorisch entscheidet, sondern gemeinsam über kommende Releases abgestimmt wird, macht die Sache noch sympathischer. „Prime Numbers war nie als Ventil für mich allein gedacht. Ich habe mir noch nicht mal eine Solo-12“ gegönnt bisher, weil immer so viel gutes anderes Material vorhanden war. Passend zu eurem Feature wird übrigens Graeme (The Revenge) als nächstes eine Single bei uns veröffentlichen, mit Remixes von Andres und Mr Scruff. Und mit Danilo (MCDE) versuchen wir gerade ein ganzes Album zu machen“.
Spätestens jetzt fühlen wir uns in unserer Auswahl bestätigt und ich erinnere mich mit einem Grinsen an Graeme Clarks Vorschlag, dass die drei eine Miniaturausgabe von The Cream formen und wahlweise in amerikanischen Baseballstadien oder Jugendknästen spielen sollten. Er würde auch für das Popkorn sorgen.

Text: Florian Aigner

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