Mayer Hawthorne ist eines der neuen, frischen Gesichter am Soul-Himmel. Dabei ist der Musiker aus Detroit, Michigan ursprünglich mit Hip-Hop sozialisiert. Sein Debütalbum erscheint folgerichtig auf Stones Throw. Als er zu Beginn dieses Jahres mit seinen beiden Gruppen Now On und Athletic Mic League hierzulande tourte, war das Interesse an dem Detroiter MC, DJ und Produzenten Haircut noch eher gering. Damals erwähnte Andrew Mayer Cohen in diversen Interviews höchstens in einem Nebensatz, dass er eine Soul-LP über Hip-Hops Lieblings-Indielabel Stones Throw veröffentlichen werde. Zeitsprung. Eine herzförmiger 12“ hat zum Entfachen seines Hypes gereicht. Schon vor Release des Debüts »A Strange Arrangement« ist Mayer Hawthorne ebenso Liebling von BWL-Studentinnen oder House-DJs wie er auch zum Helden von Hip-Hop-Hardnocks taugt. Soul verbindet.
HHV: Auf deiner LP spielst du verschiedene Musikinstrumente. Welche Rolle spielt denn deine Tätigkeit als DJ, Produzent und MC bei Now On und Athletic Mic League für die Mayer- Hawthorne-Platte? Mayer Hawthorne: Da muss ich etwas ausholen: Zum Hip-Hop kam ich über Gruppen wie De La Soul oder dem Wu-Tang Clan. In der High School habe ich dann mit Freunden die Athletic Mic League gegründet. Weil wir keinen DJ hatten, habe ich den Job freiwillig übernommen. Also schloss ich mich einen Sommer lang ein und wurde DJ. Das ist bis heute eine meiner Lieblingsbeschäftigungen. Wenn ich Soulmusik mache, spielt dieser Hip-Hop-Background eine enorme Rolle. Zum einen habe ich mit meinen Bands schon Bühnenerfahrung gesammelt und auch ab und zu gesungen, zum anderen hat das meinen Zugang zu Musik geprägt. Hip-Hop schleicht sich auch immer in meine Soulmusik. Beispielsweise will ich meine Drums so setzen wie Jay Dilla. Ohne Hip-Hop gäbe es heute keinen Mayer Hawthorne. Der Legende nach waren deine ersten Gesangsversuche als Mayer Hawthorne keinesfalls ernsthaft gemeint… Das steht in vielen Berichten, aber tatsächlich wurde das Ganze etwas aus dem Kontext gerissen. Es war vielmehr ein Experiment. Hip-Hop spielt dabei eine große Rolle. Als Produzent war ich immer auf Samples angewiesen. Nur kann es eine verdammt teure Angelegenheit werden, wenn man seine Samples klärt. Also kam ich auf die Idee, meine eigene Musik zu machen, die ich Samplen kann. Daher hatte ich auch nie vor, ein Album aufzunehmen und Demos an Labels zu schicken. Natürlich hatte ich viel Spaß, als ich meine ersten Lieder aufgenommen habe. Doch Mayer Hawthorne war trotzdem nie ein reines Spaß-Projekt. Bis heute mache ich Musik in erster Linie aus Spaß und für meine Familie und Freunde. Dass sich Fans aus aller Welt dafür begeistern können, ist ein toller Nebeneffekt, den ich allerdings so oft es geht ausblende. *Als kürzlich Big Tone hier live zu sehen war, hat er einen Track gespielt, in dem er Mayer Hawthorne gesamplet hat… * Ja, den Track hat er heimlich aufgenommen, um mich zu überraschen. Wir sind gute Freunde und für mich war das großartig. Lass mich eine Sache klar stellen: Ich liebe es, wenn Leute meine Musik samplen. Ich würde deswegen auch niemanden Probleme machen. Nur ich mag es nicht, wenn Leute, die ich nicht kenne, behaupten, dass ich sie gefeaturet hätte! Angeblich schreibst du deine Lieder oft, wenn du unterwegs bist. Ja, das stimmt. Wenn ich mich bisher hingesetzt habe und das Ziel hatte, einen Song zu schreiben, wurde nichts daraus. Oft komme ich auf die besten Ideen, wenn ich Auto fahre. Dann rufe ich mich selbst an und singe mir auf die Mailbox. Oft habe ich den komplett fertigen Track schon im Kopf. Das geht wirklich von Basslines über Streicher-Arrangements bis hin zu kompletten Melodien. Zuhause arbeite ich dann in meinem kleinen Homestudio so lange an der Komposition und vor allem am Sound, bis alles so klingt, wie ich mir das vorgestellt habe. Über die Jahre habe ich heraus gefunden, dass man oft aus dem billigsten Equipment, die besten Sounds heraus bekommt. Daher arbeite ich ohne dynamisches Mikrofon. Teilweise habe ich meine Lieder sogar über ein altes Paar Kopfhörer eingesungen, zum Beispiel »Mabye No« und »Shiny and New«. Wenn man dich live erlebt, machst du einen fröhlichen Eindruck, aber in deiner Musik spiegelt sich das nicht unbedingt wieder. Das stimmt. Ein Stück weit spielt mein Verständnis von Soulmusik da eine große Rolle. Denn Soul entsteht oft unter Schmerzen. Ich werde älter und lerne täglich mehr über Liebe und Beziehungen. Das lasse ich in meiner Musik heraus. Im Alltag habe ich oft Probleme meine Gefühle zu zeigen, meine Lieder helfen mir dabei, diese Gefühle auszudrücken. Wäre zukünftig auch ein Projekt mit Madlib denkbar oder passen solche Beats nicht zu dir? Doch, wir haben sogar schon darüber gesprochen! Da könnte also wirklich etwas kommen. Ich bekomme momentan ziemlich viele Anfragen, vor allem von Künstlern aus Detroit. Gerade habe ich eine Hook für Freeway eingesungen. Als MC bin ich demnächst mit einem neuen Athletic Mic League-Album am Start und seit September bin ich in Europa auf Tour. Text: Julian Gupta |

