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Amanda Blank

»Der Blanke Wahnsinn«

Das Debüt von Amanda Blank ist eines der Alben dieses Jahres, auf das sich am Ende wohl alle einigen können. Zur Zufriedenheit aller umarmt die Sängerin aus Philadelphia, Pennsylvania sämtliche Genres und Stile mit einem »I Love You« auf den Lippen.

Die gute Amanda Mallory ist derzeit wirklich die Frau der Stunde. Kein Lifestyle-Magazin, das sich nicht mit der Blank’schen Hipness brüsten würde. Kein ernstzunehmender In-Web-Blog, in dem nicht ihr Name inklusive dazugehöriger Lobeshymnen gepostet wird. Kein trendsetzender Meinungsführer, der nicht zumindest ihre erste Single auf den iPod geladen hätte. Amanda Blank ist tatsächlich überall, und daher hat sie wohl auch sämtliche Einflüsse für ihr aktuelles Album: Rock und Rap, Punk und Pop, Kitsch und Quatsch – und das alles in einer kunterbunten Plastikverpackung mit Inschrift, auf der steht: »I Love You«.

HHV: Du bist in Germantown aufgewachsen, müsstest demnach also Deutschlandexpertin sein.

Amanda Blank: Nein, nicht wirklich. Ich kenne lediglich einen einzigen Deutschen in Germantown und bin dort in einer vorwiegend schwarzen Nachbarschaft groß geworden. Mein einziger wirklicher Bezug zu Deutschland ist der, dass ich viele großartige Bands aus Deutschland kenne – allen voran natürlich Kraftwerk, die auch einen großen Einfluss auf meine Platte gehabt haben. Ich hatte sogar vor, Samples von ihnen in einem meiner Songs zu benutzen, die ich aber leider nicht verwenden durfte. Danke schön, Kraftwerk! Arschgeigen.

Auf deiner Myspace-Seite steht: »My body ist the Rock’n’Roll temple«. Soll dein Publikum also deinen Körper anbeten oder fühlst du dich besessen vom Geist des Rock’n’Roll?

Weder noch. Das ist ein Zitat von GG Allin. Kennst du den? Das ist einer der durchgeknalltesten Typen, die je einen Fuß auf diese Erde gesetzt haben. Der hat in den 1980er und 1990er Jahren in verschiedenen Punkbands in New York gespielt und ist 1993 an einer Überdosis Heroin gestorben. Der ist seinerzeit nackt auf die Bühne gegangen, hat auf die Stage gekackt, sich mit dem Publikum gekloppt, auf die Instrumente gekotzt und sich im Anschluss daran vor allen Leuten verstümmelt – der war wirklich komplett durch. Über dem Typen gibt es eine grandiose Dokumentation namens »Hated«, die man auf der Homepage seiner Bruders bestellen kann und sich unbedingt mal ansehen sollte. Darin wird er auch gefragt, warum er das alles macht. Daraufhin antwortet er: »My body is the Rock’n’Roll temple. People can pray to the altar of rock.« Der hat auch seine eigene Pisse getrunken, sich mit Blut und Scheiße eingerieben und sich verschiedenes Zeug in den Arsch geschoben. Die Jungs von Jack Ass sind wirklich ein Scheiß gegen den.

Du bezeichnest dich auf deiner Platte auch als »Make-It-Take-It-Girl«. Was genau hat man darunter zu verstehen?

Der Ausdruck kommt ja vom Basketball und bedeutet, dass man nach seinem Wurf sofort zusehen soll, dass man wieder in Ballbesitz bekommt. Und ich bin eben auch ein tough girl, ich lasse mich nicht ausnutzen oder verarschen. In dem Song geht es im Wesentlichen um das Viertel, in dem ich aufgewachsen bin – wo es eben viele Mädels gegeben hat, denen ich nicht unbedingt nacheifern wollte.

In einem Interview hast du mal gesagt, dass du ein traditionell untraditionelles Album machen wolltest. Kannst du das ein bisschen präzisieren?

Ich wollte, dass mein Album hinsichtlich starker Melodien und toller Texte durchaus an das Level traditioneller Pop-Platten herankommt, aber eben nicht im Sinne langweiliger Stereotypisierungen oder Klischees. Es sollte immer spannend bleiben und nicht klingen wie all der langweilige Kram im Radio. Ich bin schließlich nicht die neue Britney Spears.

Du hörst sehr viel unterschiedliche Musik. War es schwierig für dich, einen passenden Sound fürs Album zu finden?

Allerdings. Das war das Schwierigste von allem und hat ganze zwei Jahre gedauert. Ich interessiere mich eben für alle möglichen Spielarten der Musik. An einem Tag höre ich aggressive Rock-Mucke, am nächsten melancholische Liebeslieder. Manchmal stehe ich total auf Live-Instrumente, an anderen Tagen mag ich es elektronischer. Aber zum Glück habe ich mit vielen brillanten Leuten wie Switch, Diplo, Eli Escobar oder XXXchange arbeiten dürfen, die mir bei der Strukturierung unter die Arme gegriffen haben und definitiv eine Stütze beim Findungsprozess der Platte waren. Hätte ich mit anderen Leuten zusammengearbeitet, hätte es sicherlich schwieriger werden können, wenn plötzlich noch andere Egos involviert gewesen wären. Aber so etwas gab es überhaupt nicht. Wir haben uns gegenseitig zugehört, inspiriert, neue Denkanstöße gegeben – das war toll.

Bei einem Gig sollst du mal als Schwangere verkleidet auf die Bühne gekommen sein. Stimmt das?

Ja, das ist wahr. Und es sah wirklich unglaublich echt aus, zumal ich mir auch noch größere Titten gemacht habe. Die Leute dachten wirklich, dass ich schwanger wäre. Ich habe mich totgelacht. Und die Leute vor der Bühne waren komplett geschockt und haben ihre Münder kaum noch zubekommen. Das sollte ich eigentlich mal wieder machen.

Die Platte heißt »I Love You«, klingt letztlich aber doch nicht ganz so zart wie der Titel auf den ersten Blick suggerieren mag. Wieso also die Titelwahl?

Aus verschiedenen Gründen. In der Produktionsphase des Albums war ich sehr verliebt, musste mich dann wieder entlieben, habe mit vielen Leuten zu tun gehabt, die mir sehr ans Herz gewachsen sind, und letztlich ist Liebe eben auch das Wichtigste auf der Welt. Insofern widme ich diese Platte all den Umständen und Leuten, die mir geholfen haben, die Platte so umzusetzen, wie sie nun am Ende geworden ist. Und selbst wenn ich einige Leute hasse, liebe ich sie doch trotzdem zumindest ein klitzekleines bisschen.

Eine deutsche Rap-Gruppe namens Blumentopf hat mal gerappt: »Vor dem Erfolg kommt der Schweiß, vorm Sex reden.« Würdest du dem zustimmen?

Klar, bei vielen Mädchen muss man als Junge schon ein bisschen Interesse zeigen, bevor man rangelassen wird. Frauen wollen eben meistens Sex mit jemandem, den sie mögen und mit dem sie sich auch emotional verbunden fühlen. Viele Frauen wollen umworben werden. Männern ist das grundsätzlich erstmal egal, da zählt vor allem der Attraktivitätsgrad. Aber ich kenne auch viele Mädels, denen dieser ganze Heckmeck im Vorfeld scheißegal ist.

Du bist in dieser Hinsicht aber auch nicht das typische Mädchen, oder? Deine erste Single »Might Like You Better« lässt zumindest nicht darauf schließen.

Ich bin nicht ganz einfach in solchen Dingen. Aber wir Frauen gelten ja gemeinhin als kompliziert. Ich kann auch nicht wirklich sagen, worauf es mir bei einem Mann ankommt, denn ich habe keinen speziellen Typ, auf den ich stehe. Aber wenn ich jemanden kennenlerne, dann geht es mir nicht vorrangig um das Eine. Ich möchte erstmal ein wenig mit demjenigen abhängen und mit ihm auch auf geistiger Ebene Spaß haben. Wenn es nur um Körperlichkeiten geht, kann das hingegen manchmal vollkommen egal sein. Das sind zwei Paar Schuhe – was für die Chemie bei der einen Sache wichtig ist, kann im anderen Fall vollkommen belanglos sein. Es gibt eine Menge Leute, die ich gedatet, mit denen ich mich toll unterhalten und die ich wirklich wertschätzen gelernt habe, aber da bestand keinerlei körperliche Anziehung. Mit anderen Leuten wiederum wusste ich nicht, was ich reden soll, aber auf körperlicher Ebene hat das wunderbar harmoniert. Und es gibt viele Mädels, denen es so geht. Darum mögen mich auch so viele Frauen – weil sie sich von mir verstanden fühlen.

Text: Daniel Schieferdecker

‘Amanda Blank’ im HHV-Shop