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K.I.Z.

»So makaber wie das Leben«

Auch auf ihrem neuen Album »Sexismus gegen Rechts« üben sich die vier Berliner von K.I.Z. in einem schwarzhumorigen, bissig-ironischen Sprechen über die hiesige Gesellschaft und entlarven mit großem Spaß den großen Ernst.

Sie sind derzeit eine einzigartige Erscheinung in der deutschen Rap-Landschaft. Während andere Rapper entweder gleich den Zeigefinger rausholen, um Missstände zu thematisieren oder darüber philosophieren, wer mehr Koks über die Grenze schmuggelt und mehr Frauen im Bett hat, verbinden K.I.Z. diese beiden Seiten flott miteinander. Oft steckt hinter den schockierenden, oft aber auch witzigen und mit viel Ironie versehenen Aussagen, eine bittere Realität.
Dass sich einzelne Personen von ihrer Musik angesprochen, gar verletzt fühlen könnten, wird bei den vier Berlinern schlicht mit »Auch wenn du auf Hartz4 bist, wird die Welt nicht dadurch schlechter, dass man darüber Witze macht« abgetan. So darf man MCs Tarek, Maxim, Nico und ihrem DJ Craft nicht allein wegen des salopp-politischen Titels ihres neuen Albums »Sexismus gegen Rechts« ein ausgeprägtes Sozialbewusstsein unterstellen. Sie als politische Band zu charakterisieren, würde dann aber die Tatsachen verfehlen.
Das sieht auch Maxim so, der sich als ausgesprochen nachdenklicher Gesprächspartner präsentiert: »Für mich sind politische Bands Parteien. Alle anderen Bands machen Musik. So auch wir. Wenn man versucht, wie ein Politiker zu reden, dann kommt dabei auch meistens Scheiße raus.« Und Nico ergänzt: »Ich denke, dass jede Band in gewissem Maße eine politische Band ist. Zum Beispiel dadurch, dass du die Fans zwingst Party zu machen. Denn mir ist lieber sie machen Party mit uns, als wenn sie auf der Straße irgendeine Scheiße bauen.«

So werden von K.I.Z. auch keine Lösungen präsentiert, sondern stattdessen alles durch den Kakao gezogen, was dem Quartett so missfällt. Neben Hartz4 und Obdachlosigkeit wird diesmal auch jenseits der deutschen Grenzen gewildert. Dem, im letzten Winter verstorbenen, rechten Politiker Jörg Haider wurde mit »Straight Outta Kärnten« posthum ein ganzer Song gewidmet. Genau dies sieht Maxim als die richtige Entscheidung an: »Natürlich haben da Leute in Österreich mal einen Becher geworfen. Andererseits haben viele Leute es auch sehr gefeiert und finden es gut, dass endlich mal jemand etwas dagegen sagt. In der Österreicher Jugendszene sind mittlerweile so Leute wie Strache cool. Wenn wir jetzt aber diesen Leuten auf unseren Konzerten zeigen, dass man sich darüber lustig machen kann, dann denke ich, dass man etwas verändern kann. Natürlich wird es keinen politischen Umsturz herbeiführen, aber es wird zumindest den einen oder anderen ein wenig von dem rechten Weg abbringen.« Es erscheint makaber sich über einen Toten und dessen Lebensweise lustig zu machen, doch mindestens genau so makaber erscheint es, dass Personen wie Jörg Haider, der mit rechten Hetzkampagnen erfolgreich Wahlkampf führte, von Jugendlichen verehrt wird.

Zurück bei den innerdeutschen Problemen bemerkt Maxim bei einem kleinen Exkurs über Atomkraftwerke ironisch, dass diese gar nicht so schlimm seien: »Atomkraftwerke machen viel weniger Umweltverschmutzung, als alles andere. Weniger als weggeworfene McDonalds-Tüten. Wenn die doofen Russen die alten Brennstäbe und so in ihren Dörfern lagern müssen, dann ist das nicht mein Problem!« Auf die Frage, ob er keine Angst vor Zwischenfällen habe, entgegnet er: »Du meinst jetzt man soll da sofort hingehen? Da würden mir 30 andere Sachen einfallen und irgendwann hast du plötzlich 20 Tage lang nicht mehr geschlafen.« Dass man irgendwo immer anfangen müsse, sehe er ein. Deswegen bleibe er jedoch bei seinen Leisten und mache zusammen mit Nico und Tarek Musik. »Musik, die kritisch ist, erzieht, uns Spaß macht und anderen Leuten Spaß macht. Der Spaß ist extrem wichtig. Vermutlich das wichtigste, was wir unseren Hörern vermitteln können. Während andere Bands den Menschen einreden, dass man sich scheiße und unwohl fühlen muss, machen wir das Gegenteil.«

Text: Jan-Hendrik Mautsch

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