Während der halbe HipHop-Zirkus in Nullo-Neun mit den verschiedensten Spielarten elektronischer Musik experimentiert, kann ein Vorreiter wie Vincent Williams nur müde lächeln. Lange vor dem gegenwärtigen Electro-Rap-Hype produzierte DJ Spinna neben Projekten mit Rawkus-Künstlern diverse Singles im Deep-House- und Brokenbeat-Bereich und machte sich als vielseitiger Freigeist einen Namen weit über Hip-Hop-Genregrenzen hinaus. Es überrascht dann doch, dass sich Spinna ausgerechnet in diesem Sommer mit einem traditionellen Boom-Bap-Langspieler bei Fans und Kritikern zurückmeldet.
Ein bewusstes Statement? »Ich fühlte die Notwendigkeit ein Album zu machen, das mich zu meinen HipHop-Wurzeln zurück bringt. Zudem haben viele Fans diese Seite vermisst.« Das Vorhaben ist Spinna mit »Sonic Smash« gewiss gelungen, denn bereits der furiose Opener »Four Elements« geht zurück zur Essenz der Kultur. »Mit dem Song wollte ich den Ton des Albums angeben. Es zeigt den Hörern, dass es sich um echte Musik handelt. Die MCs sprechen über die Wurzeln von Hip-Hop, die vier Elemente. Darum geht es letztendlich und nicht um die Autos, die leichten Damen in den Videos, nicht die Cribs auf MTV, nicht die Gewaltverherrlichung oder die Kommerzialisierung von Bullshit-Rap.« KRS-One und andere Gralshüter bekommen bei derartigen Aussagen sicherlich feuchte Augen. In den trockenen Augen gelangweilter Kritiker existiert diese heilige Dreifaltigkeit nur noch in den Bildbänden von Martha Cooper. Von Langeweile im Boom-Bap-Bereich will Spinna jedoch nichts wissen. Es kommt nur darauf an, was daraus gemacht wird. »Es geht darum, alte Techniken mit neuen zu kombinieren. Immer bekomme ich von Leuten zu hören, dass Hip-Hop schrecklich geworden sei. Die Leute vermissen echte Texte und Beats mit Gefühl. Schau zurück auf die alten Alben von A Tribe Called Quest, Nas, Wu-Tang, Gang Starr, Mobb Depp, Organized Konfusion, Slum Village etc. Ganz egal worüber diese Künstler auch sprachen, all diese Alben sind durch den Soul miteinander verbunden! Dabei geht es nicht nur um Soul-Samples. Es ist vor allem der Soul, den die Künstler beim Produzieren dieser Klassiker einbrachten. Heute jagt jeder nur noch die Scheine. Geld war zu unseren Anfangstagen höchstens ein positiver Nebeneffekt. Jetzt fällt die Musikindustrie auseinander und nur die Kreativsten und Originalen werden übrig bleiben.« Kollaborationen Text: Benjamin Mächler |

