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Major Lazer

»Alles nur aus Spaß«

Die beiden umtriebigen Musiker Diplo und Switch tun sich zusammen und bringen gemeinsam als Major Lazer den Dancefloor vor (Ehr-)Furcht erschüttern. Ein Gespräch mit Diplo über die Top40, Jamaika und Antihelden.

Wenn Wesley Pentz, den meisten besser bekannt als Diplo, in Interviews erklärt, dass er sich langweilt, beginnen hippe junge Musikliebhaber in 24 Zeitzonen nervös auf dem Stuhl herumzurutschen. Im Verbund mit Switch und einer kaum auseinander zu klamüsernden Anzahl von popkulturellen Verweisen kümmert er sich auf »Guns Don’t Kill People… Lazers Do« um ein Genre, das zwar nicht gerettet werden braucht, dessen Varietät dem westlichen Snobismus aber ruhig mal wieder unter die Nase gerieben werden darf.

HHV: Diplo, du bist gerade schon wieder in Europa unterwegs. Kürzlich hattest du dich ja noch beschwert, alles würde nur noch nach Boysnoize und Konsorten klingen. Siehst Du da Fortschritte?

Diplo: Ach, mir gefällt doch, was hier passiert! Ich habe mich ja immer schon auf die Schnittstelle zwischen Genres wie House, Techno und Hip-Hop konzentriert. Wichtig für DJs ist doch vor allem, nicht krampfhaft für ein Top 40-System zu produzieren. Es braucht vor allem in den Staaten mehr Trendsetter. Nicht, dass ich das von mir behaupten würde…

Wobei es bekanntermaßen nicht wenige Leute gibt, die genau das über dich sagen…

Naja, ich würde mir schon zuschreiben, mit meinen Produktionen ein Pop-Publikum erreicht zu haben. Gerade mit M.I.A. und Santigold. Wir machen immer noch progressive Musik, aber wir nutzen die Chancen, die uns die Major Labels hinterlassen… just because they’re all fucking up so bad! Gerade heute, wo alle Stile miteinander verschmelzen. Die Black Eyed Peas beklauen die Crookers, Akon produziert Pop-Platten… Egal ob Mad Decent, die Dubstep Kids, die Merengue Kids, wir alle machen Underground-Musik, welche die Ideen für den Mainstream liefert.

Empfindest du das als unfair?

Ich möchte nicht zu viele Leute bei den Major Labels beleidigen. Und selbst Will.I.Am – die Platte ist sick, die Leute können sagen was sie wollen. Nur: Ich weiß, wie sie entstanden ist. Er hatte die Crookers im Studio, hat sie etwas ausprobieren lassen und es am Ende selbst benutzt. (lacht) Aber, ey, wir haben noch unzählige Ideen! Nur einige Leute bekommen dann doch zu wenig Aufmerksamkeit. Das stimmt.

War das ein Faktor für eure Entscheidung, die nächste Platte auf Jamaika aufzunehmen? Das Spotlight gewissermaßen auf eine andere Szene zu lenken?

Reggae war schon immer ein großer Einfluß, weil er seit den frühen Ska-Tagen bis heute so ein wirrer Mish-Mash ist. Es ist noch stets eine sehr reiche Kultur, allerdings mit keiner guten Reputation und schlechter Infrastruktur. Dort leiden die Leute wirklich. Kaum jemand kann noch Alben produzieren. Das wenige Geld wird mit Dubs und Edits gemacht. Das machte die Sache für uns nicht leichter. Außerdem scheinen Dancehall und Reggae heute so seltsam fremd für die Kids in den Staaten zu sein – wir wollten die Kultur als Ganzes repräsentieren.

Man hört ja, dass es schon anders sei, mit jamaikanischen Künstlern zusammen zu arbeiten. Stimmen diese Gerüchte?

Es ist in jedem Fall schwer ein Schedule einzuhalten. Gerade als Außenseiter, der dort nicht seit Jahren wohnt, muss man sich bei den Leuten gut verkaufen. Wir hatten Glück, dass »Hold The Line« starkes Radio-Airplay bekam. Es war nicht unmöglich, aber wir hatten sehr wenig Zeit. Ansonsten hätten wir uns noch gerne an einem Song mit Mavado oder Beenie Man versucht. Dafür schicken wir bald eine EP mit u.a. M.I.A., Busy Signal, Collie Budd nach.

Kannst Du noch mal genau erklären, was das Problem zwischen Amanda Blank und Einstein war?

Nun, wir haben sie leider raus schneiden müssen… Sie hatte eine wirkliche coole Strophe, in der viel über Oralsex gesprochen wurde, was offensichtlich ein Problem darstellte. Deshalb dieser Kompromiss. Wir hatten schon genug Kontroversen um dieses Album und wollten niemandem zu nahe treten. Sie ist aber auch wirklich mindestens so Hardcore wie Einstein. (lacht)

Ihr arbeitet mit Andy Milionakis, Prince Zimboo, Dr. Evil… nimmt Dancemusic sich zu ernst?

Auf jeden Fall! Gerade Reggae und Dancehall haben dieses todernste Image, als ginge es nur um Knarren und Limousinen. Doch innerhalb der Kultur verstehen alle den Humor der Tracks. Prince Zimboo ist wirklich der seltsamste Typ, den ich je getroffen habe und passt genau deshalb perfekt. Mad Decent ist ein Label das Spaß machen soll.

Und Major Lazer, was ist der für ein Typ? Auch ein Spaßmacher oder eher ein Lonesome-Wolf-Charakter?

Mann, nirgends auf der Welt wirst du so eine Faszination für Western- und Antihelden finden, wie in Kingston, Jamaika. Das liebe ich! Major Lazer sollte so ein »The Harder They Come«- Typ werden. Ein Antiheld, der sich um niemanden wirklich kümmert, sondern in Clubs rumhängt und die Bösen nur aus Spaß umbringt.

Falls es jemals eine Realverfilmung geben sollte: Wer spielt den Major Lazer?

Pfff. Also einen Cartoon wird es in jedem Fall geben… Ansonsten bräuchten wir den Eddie Murphy aus dem Jahre 1983 dringend zurück! (lacht)

Text: Julian Brimmers

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