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Hudson Mohawke

»The New Beat Generation Part 2«

In der Reihe der neuen Produzentenriege ist Hudson Mohawke der jüngste. Doch ihm wird die größte Zukunft prophezeit. Der 22-jährige Glasgower schickt sich an den Hip-Hop-Sound im Vorbeigehen zu revolutionieren…

Seitdem im Sommer letzten Jahres eine Bootleg-Version von Tweets »Ooops (Oh My)« in der Blogosphäre kursierte, richten sich die Blicke der nimmersatten Popmusikpresse in die Richtung der schottischen Stadt Glasgow. Dort hat der Jungspund Hudson Mohawke, der seinen bürgerlichen Namen nicht verraten möchte und auch Kameras eher meidet, hat die wohltemperierte R&B-Produktion von Timbaland durch ein angesägtes Elektroscheppern ersetzt und die Späne gleich liegen lassen. Es ist die Besonderheit seines Sounds, der Hudson Mohawke derzeit an die Spitze einer neuen Riege von Produzenten hebt, die zum einen geschickt Genrezuweisungen entweichen, zum anderen das Parameter der Zufälligkeit als winzige Sound-Entgleisungen wieder in ihre Produktionen einbauen. Der selbstbewusste Anspruch ist es, einer technisch hochperfektionierten Musik wieder Leben einzuhauchen. Oder wie es Hudson Mohawke selbst ausdrückt: »I wanted to make something that was a bit more human basically, and push that side of things.«

Sozialisation
Da wie entwickelt ein heute 22-jähriger bereits so konkrete und auch komplexe Vorstellungen von Musik? Es liegt wahrscheinlich daran, dass die Welt von Hudson Mohawke ohne Musik nicht vorstellbar ist. Sein Vater hatte in den 1980er Jahren eine Radiosendung, wodurch im ganzen elterlichen Zuhause Vinylschallplatten herumlagen, die der Sprössling auf seinem kleinen Plattenspieler abspielte. Mit sieben Jahren hatte er eine Vorliebe für Jungle und Rave entwickelt. Mit Hip-Hop war er schon vorher bekannt. Nebenher begann er mit dem Schlagzeugspiel, wobei er einen vielmehr freien Zugang erprobte und das Üben mit dem Metronom eher als lästig empfand. An seinen Schallplattenspieler schloss er dann bald ein Kassettendeck an, was der Ausgangspunkt des Mixens und Produzierens war. Wichtige Einflüsse waren damals DJ Premier, Pete Rock und die Jungs von D.I.T.C.. Mit 14 Jahren wurde er dann schottischer Meister im DJing, sowohl bei den ITF als auch bei den UK DMC Championships. Er ist bis heute der jüngste Teilnehmer, der die Finals von beiden Wettbewerben erreichte. Zwei Jahre zuvor hatte er allerdings schon begonnen mittels seiner Playstation zu komponieren. Die Software Music 2000 erlaubte es ihm dann auch zu samplen und Hudson Mohawke begann auf dieser Basis zu experimentieren.

Stigmatisierungen
Das war der Ausgangspunkt seiner wackeligen Produktion, für die u.a. scharfsinnige Journalisten dementsprechend die Bezeichnung ›Wonky‹ erfunden haben. Eine Bezeichnung, der sich Hudson Mohawke lieber entziehen möchte, nicht allein um stumpfsinnigen Einordnungen zu entgehen. Wenn es schon einer Etikettierung bedarf, dann doch bitte einer, die halbwegs passt. »I like to be un-pin-downable«, wird Mohawke zitiert. »I’ll be pretty gutted if ›Wonky‹ ends up sticking. I’d rather it was called ›Polyfolk‹ or something.« Folgerichtig heißt die erste Veröffentlichung bei seiner neuen Labelheimat Warp »Polyfolk Dance«, eine sechs Stücke umfassende EP, die Einflüsse von R&B, IDM, P-Funk in das Korsett instrumentaler Hip-Hop-Tracks drückt, bis es sitzt, wackelt, wackelt, wackelt und Luft hat. Allein aufgrund dieser EP ließen sich die einschlägigen Musikmagazine nicht lumpen und schrieben Lobreden wie »He does for hiphop what Aphex Twin did for techno« (Mixmag) oder »The future of hip-hop is safe in Hudson Mohawke‘s hands« (FACT). Dem kann man sich eigentlich nur noch anschließen.

Text: Sebastian Hinz

Fotos: Christina Kernohan

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